Aktualisiert 18.12.2012 09:25

Tödliches GasSchon Tischgrills können gefährlich werden

In Lausanne ist es wegen eines Gasgrills zu schweren Kohlenmonoxid-Vergiftungen gekommen. Experten warnen: Schon Tischgrills sind eine Gefahr. Und: Wer vergiftet ist, merkt es oft gar nicht.

von
A. Bättig

Vergangenes Wochenende endete für rund 100 Personen eine Geburtstagsparty in Lausanne fast tödlich. Schuld daran war ein Barbecue, das die Veranstalter in einem Keller durchführten. Dabei entstand durch den Gasgrill gefährliches Kohlenmonoxid, das die Partygäste einatmeten. 28 Partygäste mussten ins Spital. Gemäss Michel Gandillon, Mediensprecher von Schutz und Rettung Lausanne, konnten bis heute Morgen neun Personen nach Hause gehen. Eine Person ist noch immer in Behandlung, sie muss noch weiter kontrolliert werden.

Gemäss Hugo Kupferschmidt, Direktor des

Schweizerischen toxikologischen Informationszentrums, kommen solche Vergiftungen durch Grills in der Schweiz immer wieder vor. «Speziell wenn auch bei schlechtem Wetter nicht auf das Grillieren verzichtet werden will, oder wenn bei kühler Witterung versucht wird, die Restwärme der Grillglut zum Heizen zu benützen», sagt Kupferschmidt. Dabei muss der Grill nicht mal gross sein. «Besonders problematisch ist, wenn Tischgrills für den Betrieb in Innenräumen angepriesen werden.»

Denn laut Kupferschmidt braucht es nicht viel, bis sich in geschlossenen Räumen Kohlenmonoxid sammelt, das gefährlich werden kann. «Es gab Versuche in Deutschland, in denen man einen glühenden Grill in einen Raum stellte. Bereits nach 30 Minuten war die Kohlenmonoxid-Konzentration tödlich.» Sehr gefährlich sei, dass die Kohle auch Kohlenmonoxid abgibt, wenn sie ohne Rauch vor sich hinglüht. «Die Leute unterschätzen das», so Kupferschmidt.

Ehepaar stirbt im Schlaf

Ein besonders tragischer Fall in diesem Zusammenhang ereignete sich in Deutschland im Jahr 2008. Damals erstickten die TV-Moderatorin Miriam Christmann und ihr Ehemann im Schlaf an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Das Ehepaar hatte ihren Grill in die Wohnung gestellt, nachdem sie ihn auf der Terrasse benutzt hätten. Offensicht dachten sie, die Holzkohle sei bereits verglüht. Tatsächlich hatte die Kohle jedoch giftiges Kohlenmonoxid abgegeben.

«Genau das ist das Problem. Die Leute atmen das geruchslose Gas ein, werden ohnmächtig und ersticken dann langsam, ohne dass sie etwas merken», sagt Kupferschmid. Merkt man jedoch rechtzeitig, dass man sich mit Kohlenmonoxid vergiftet hat, muss dem Körper sofort reiner Sauerstoff zugeführt werden. «So bringt man das Kohlenmonoxid-Sauerstoff-Verhältnis im Körper wieder ins Gleichgewicht.» Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Sehstörungen, Erbrechen, Kurzatmigkeit, Muskelschwäche und Herzrasen seien entsprechende Alarmzeichen bei einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Einsatzkräfte werden mit Messgeräten ausgerüstet

Kohlenmonoxid-Vergiftungen sind auch bei Schutz und Rettung Zürich ein Thema. «Speziell unser Rettungsdienst trifft immer wieder auf solche Vergiftungen», sagt Mediensprecher Jörg Wanzek. Deshalb werden neu ab Januar 2013 die Rettungskräfte mit speziellen Kohlenmonoxid-Messgeräten ausgerüstet. Diese geben schädliche CO-Konzentrationen in der Luft an. «Damit schützen wir unsere Einsatzkräfte und erheben gleichzeitig in einer Studie, wie oft sie Kohlenmonoxid ausgesetzt sind», sagt Wanzek. Vorbild ist eine Studie der Feuerwehr Wiesbaden in Deutschland. Vom August 2011 bis März 2012 waren hier zwölf Gaswarngeräte im Einsatz. Die Berufsfeuerwehr Wiesbaden vermutete, dass die Dunkelziffer an Einsätzen, in denen die Feuerwehrleute hohen Mengen von Kohlenmonoxid ausgesetzt sind, hoch ist - dies bestätigte die Studie (siehe Kasten).

Die Gefahr ist auch Schutz und Rettung Zürich bewusst. Deshalb bietet der Rettungsdienst bei erhöhter CO-Konzentration sofort die Berufsfeuerwehr mit entsprechendem Atemschutz auf. «In einigen Fällen müssen wir die umliegenden Wohnungen ebenfalls evakuieren, da das Kohlenmonoxid durch Wände dringt», sagt Wanzek. Typische CO-Einsätze sind zum Beispiel, wenn Gasheizungsanlagen schlecht gewartet sind und aufgrund dessen Kohlenmonoxid austritt. Gefährlich können aber auch gasbetriebene Heizpilze werden, welche in geschlossenen Räumen für Wärme sorgen sollen. «Wir wollen unsere Einsatzkräfte auf CO-Vergiftungen sensibilisieren», sagt Wanzek. Die Studie wird zudem zeigen, ob noch weitere Massnahmen in Bezug auf Kohlenmonoxid-Vergiftugen notwendig sein werden.

Retter sind oft ahnungslos

In einer Studie der Berufsfeuerwehr Wiesbaden in Deutschland kam es im Zeitraum vom August 2011 bis März 2012 zu 34 Einsätzen mit Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Bei diesen Einsätzen wurden die Einsatzkräfte zunächst aufgrund eines medizinischen Notfalls alarmiert. Erst die mitgeführten CO-Warngeräte hatten vor einer gefährlichen mit CO angereicherten Atmosphäre gewarnt. «Kohlenmonoxid ist das Chamäleon der Notfallmedizin. Es gibt keine eindeutigen Indikatoren für eine CO-Vergiftung», erläutert Marco Pfeuffer, der die Studie bei der Berufsfeuerwehr durchführte. «Die Zahlen zeigen deutlich, dass ohne CO-Warngeräte die meisten Kohlenmonoxid-Vergiftungen gar nicht erst bemerkt worden wären.»

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