06.08.2020 11:53

LuzernSchon wieder sterben zwei Jugendliche an Drogenkonsum

Im Frühling sind in Luzern zwei Jugendliche an den Folgen eines Drogencocktails gestorben, wie jetzt ein Gutachten zeigt. Wegen Mischkonsum starben schon vor zwei Jahren Jugendliche.

von
Martin Messmer
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Seit 2018 sind in Luzern mindestens vier Jugendliche wegen Drogencocktails gestorben. (Symbolbild)

Seit 2018 sind in Luzern mindestens vier Jugendliche wegen Drogencocktails gestorben. (Symbolbild)

KEYSTONE
«Die Jugendlichen sind sich nicht bewusst, was sie ihrem Körper mit dem Drogenkonsum zumuten», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft. (Symbolbild)
«Die Jugendlichen sind sich nicht bewusst, was sie ihrem Körper mit dem Drogenkonsum zumuten», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft. (Symbolbild)
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Nun muss sich in Luzern die Regierung mit dem Thema befassen: Eine grüne Kantonsrätin reichte eine Anfrage zu den drogenkonsumierenden Jugendlichen ein.

Nun muss sich in Luzern die Regierung mit dem Thema befassen: Eine grüne Kantonsrätin reichte eine Anfrage zu den drogenkonsumierenden Jugendlichen ein.

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Darum geht es

  • Seit 2018 sind im Kanton Luzern vier Jugendliche an Drogencocktails gestorben.
  • Laut Staatsanwaltschaft exisitiert in Luzern eine verdeckte Szene.
  • Das Thema wird jetzt politisch.

Im Frühling ging ein 20-jähriger Luzerner ins Bett, und er stand nicht wieder auf: Er hatte unterschiedliche Substanzen zu sich genommen, die kombiniert eine tödliche Wirkung hatten. Vier Tage später passierte dies auch einer 18-Jährigen. Dies hätten toxikologische Gutachten gezeigt, berichtete Zentralplus. Es sind nicht die ersten solche Fälle in Luzern. Bereits 2018 starben hier zwei Jugendliche an einem Drogenmix.

Das Zentralschweizer Portal vermutet, dass es in der Region noch viele weitere junge Menschen gibt, die mit Drogencocktails ihr Leben riskieren. So wurde im letzten Herbst ein Drogenring entdeckt; Jugendliche im Alter zwischen 16 und 21 Jahren bestellten sich online Drogen, konsumierten diese und verkauften sie auch weiter. Auch handelten sie mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Gegen 50 Jugendliche ermittelte die Polizei.

Regierung muss jetzt Fragen beantworten

«Wir haben in Luzern definitiv ein Problem», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft, zum Zentralschweizer Onlineportal. Weiter gab er zu Bedenken: «Die Jugendlichen sind sich nicht bewusst, was sie ihrem Körper mit dem Drogenkonsum zumuten – und sie machen sich auch keine Vorstellung davon, was ein entsprechender Strafregister-Eintrag für ihre berufliche Zukunft bedeuten könnte.» Es handle sich um eine Szene, die nicht offen auftrete; den Konsumenten merke man kaum an, dass sie Drogen nehmen.

Nun wird das Thema auch politisch. Die grüne Kantonsrätin Rahel Estermann hat der Regierung Fragen dazu gestellt.

Rapper hypen Missbrauch

Der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Benzodiazepine oder opioidhaltigen Schmerzmitteln ist bei Schweizer Jugendlichen auf dem Vormarsch. «Es gibt da ein Problem», bestätigt Markus Meury, der Kommunikationsbeauftragte von Sucht Schweiz gegenüber 20 Minuten. Der Trend habe sich bereits in der Statistik niedergeschlagen. Gemäss einer Studie hatten 2018 4,5 Prozent der 15-jährigen Jungen und knapp über 4 Prozent der gleichaltrigen Mädchen mindestens einmal Medikamente genommen, um psychoaktive Effekte zu erleben. Vor allem bei den Buben sei eine Zunahme verzeichnet worden zu älteren Erhebungen.

Die zunehmende Verbreitung von Benzos und Co. führt Meury auch auf die Verfügbarkeit zurück. Komme hinzu, dass die Substanzen in zu sein scheinen. Xanax oder Lean, ein mit Sprite gesüsster verschreibungspflichtiger Hustensaft, werden gar von bekannten Rappern wie Raf Camora, RIN oder Hustensaft Jüngling in deren Texten als Partydrogen glorifiziert.

«Nach wenigen Wochen abhängig»

Dabei sind die potenten Medikamente alles andere als ungefährlich. «Benzodiazepine machen schon nach wenigen Wochen abhängig, und eine zu hohe Dosierung kann lebensgefährlich sein», warnt Meury. «Gerade Jugendliche reagieren noch sensibler auf Substanzen.» Denn bei der Hirnentwicklung würden solche Stoffe integriert, weshalb die Suchtanfälligkeit dann auch langfristig stark erhöht sei.

Zudem kann der Konsum gravierende Folgeschäden zeitigen wie Angstzustände und Depressionen oder Leberschäden.

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