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Schon zwanzig Lawinentote diesen Winter

Der Winter hat der Schweiz auf seinen hartnäckigen Rückzugsgefechten eine kurze Pause gegönnt. Am Wochenende soll sich die Situation durch neue Schneefälle wieder zuspitzen. In Adelboden starb eine Snowboarderin in einer Lawine - bereits das zwanzigste Opfer diesen Winter.

Eine 22-jährige Snowboarderin ist abseits der Pisten im Skigebiet von Adelboden in ein Schneebrett geraten. Sie wurde nach einer grossangelegten Suchaktion aus der Lawine geborgen, verstarb jedoch später im Spital.

Die Frau aus der Region Thun gehörte zu einer Gruppe von vier Snowboadern, die neben einer Piste einen steilen Hang befuhren. Als letzte Fahrerin ihrer Gruppe löste sie ein Schneebrett aus, das sie mitriss und verschüttete.

Ihre Gefährten, die unverletzt blieben, hätten unverzüglich die Rettungskräfte alarmiert. Diese konnten die Snowboarderin nach einer vierstündigen Suche in einer Tiefe von 1,7 Metern unter dem Schnee lokalisieren und schwer verletzt bergen. Die junge Frau wurde ins Spital geflogen, wo sie kurz nach ihrer Einlieferung verstarb.

Diesen Winter sind bei Lawinenunglücken bereits 20 Personen ums Leben gekommen, die meisten abseits der markierten Pisten.

Hohe Lawinengefahr - neue Schneefälle

Schon am Freitagnachmittag setzen von Westen her neue Niederschläge ein, die in tiefen Lagen als Schnee fielen. Die Lawinensituation blieb trotz einer leichten Entspannung heimtückisch. In Davos lösten Variantenfahrer eine grössere Lawine aus, die die Strasse ins Dischmatal verschüttete. Verletzt wurde niemand; Spaziergänger konnten hinter einen Stall flüchten. Erneut ereignete sich auch in Zermatt ausserhalb der Pisten ein Lawinenunglück, bei dem sich ein schwedischer Skifahrer leicht verletzte. Die Gruppe, die die Lawine auslöste, wurde wegen Störung des öffentlichen Verkehrs angezeigt.

Am Wochenende dürfte sich die Lawinensituation wieder zuspitzen. MeteoSchweiz erwartete am Alpennordhang von Freitagnacht bis Sonntagnachmittag im Durchschnitt 40 bis 60 Zentimeter Neuschnee. Lokal seien sogar 80 Zentimeter Neuschnee möglich, sagte ein Meteorologe. Das Davoser Lawineninstitut befürchtete in den niederschlagreichsten Gebieten auch spontane Lawinenniedergänge.

Aufatmen in Oberried

Nach dem Lawinenalarm konnten wichtige Verkehrsverbindungen wieder geöffnet und die Evakuierung am Brienzersee aufgehoben werden. Ein Bach überschwemmte aber die SBB-Neubaustrecke im Mittelland.

In der Gemeinde Oberried am rechten Ufer des Brienzersees konnten die 60 evakuierten Dorfbewohner um 17.00 Uhr in ihre Häuser zurückkehren. Sie waren nach dem Niedergang der grossen Nassschneelawine am Donnerstag aus der Gefahrenzone gebracht worden. Voraussichtlich bis Montagmorgen bleibt die Strecke der Zentralbahn zwischen Brienz und Interlaken Ost am rechten Ufer gesperrt. Die Strasse sollte noch am Freitagabend für den Verkehr freigegeben werden. Der Kindergarten und die Primarschule von Oberried blieben am Freitag noch geschlossen.

Autoverlad wieder störungsfrei

Im Wallis wurden das Lötschental und das Obergoms wieder für den Verkehr freigegeben. Damit war auch der Autoverlad durch den Lötschberg und die Furka wieder möglich. Die Matterhorn Gotthard Bahn nahm den Betrieb und den Autoverlad auch am Oberalp wieder auf.

Die Züge der SBB verkehren seit Samstagmorgen zwischen Bern und Olten wieder über die Neubahnstrecke Mattstetten - Rothrist. Die Strecke kann seit Betriebsbeginn wieder normal befahren werden. Nachdem am Freitagnachmittag bei Langenthal (BE) ein Bach über die Ufer getretenen war und Schlamm die Geleise verschüttet hatte, waren die Züge von 16.00 Uhr bis Betriebsschluss über die Stammlinie umgeleitet worden. Sie erhielten dadurch rund zehn Minuten Verspätung. (dapd)

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