Aktualisiert 29.04.2008 18:01

«Night Train»Schonungslose Innenansichten

Für einmal kein chinesisches Historienepos,
sondern ein modernes, unabhängig produziertes Schicksalsdrama.

Die dreissigährige Wu Hongyan (Dan Liu) arbeitet am Gericht der Provinz Shaanxi in China, wo sie als Henkerin zum Tode verurteilte Frauen hinrichten muss. Trotz der makabren Arbeit steigt Wu Hongyan jedes Wochenende in den Zug und fährt in eine Stadt, wo sie am organisierten Abendprogramm einer Partnervermittlungsagentur teilnimmt. Ihre Liebesabenteuer sind mittelprächtig, bis sie den hübschen Li Jun (Dao Qi) trifft. Sie weiss jedoch nicht, dass Li Jun ausgerechnet der Ehemann jener Frau ist, welche sie als letzte hingerichtet hat.

«Night Train» ist keine Komödie, kein Martial-Art-Märchen mit fliegenden ­Säbelrasslern und kein Epochengemälde. Vielmehr zeichnet der Regisseur Yinan Diao mit ausdrucksstarken Bildern eine Atmosphäre der Vereinsamung. Es ist eine Welt, in der Frauen und Männer auf der Suche nach Zärtlichkeit sind und die gleichzeitig darauf angelegt ist, ihnen alles Sanfte auszutreiben. So entsteht ein direkter Blick in die Abgründe einer Gesellschaft, die zurzeit einem schier unerträglichen Wandel ausgesetzt ist.

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