01.09.2020 09:09

Schräg, lustig und anregend: Festival Images Vevey

Bald startet das Festival Images Vevey. Wir haben den Direktor nach seinen liebsten Kunstwerken gefragt. Das Resultat: unterhaltsam und ziemlich schräg.

von
Martin Hoch
1.9.2020

Die Planung und Organisation des Festivals Images Vevey war
aufgrund der aktuellen Situation eine Herausforderung. Trotz allen Widrigkeiten präsentiert die bedeutendste Biennale der visuellen Künste der Schweiz ein attraktives Programm. 59 Künstlerinnen und Künstler aus siebzehn Ländern zeigen 49 Innen- und Aussenprojekte zum Thema «Unexpected. Le hasard des choses» (Der Zufall der Dinge) – passend zu den aktuell unsicheren Zeiten. Die Stadt Vevey wandelt sich vom 5. bis zum 27. September 2020 zum siebten Mal in ein weitläufiges Freilichtmuseum.

Die Ausstellung zeigt, dass Kunst vieles kann: Unterhalten, ein Kopfschütteln oder einen Wow-Effekt auslösen, aber auch zu Diskussionen oder zum Nachdenken anregen. Stefano Scholl, der Direktor des Festivals, zeigt uns, auf was er sich dieses Jahr besonders freut.

1Beni Bischof – «Intensity Intensifies»

Beni Pfister postet auf Instagram Bilder, die sich abseits der üblichen Bilder präsentieren.
The Hole

Beni Pfister postet auf Instagram Bilder, die sich abseits der üblichen Bilder präsentieren.

Beni Bischof, Intensity Intensifies, 2020
Er löst beim Betrachter leicht mal etwas Verwirrung aus.
Unerwartet

Er löst beim Betrachter leicht mal etwas Verwirrung aus.

Beni Bischof, Intensity Intensifies, 2020
Seine Arbeiten finden immer mehr Anklang und werden am Festival Images Vevey gezeigt.
On Fire

Seine Arbeiten finden immer mehr Anklang und werden am Festival Images Vevey gezeigt.

Beni Bischof, Intensity Intensifies, 2020

Beni Bischof lebt in St. Gallen und ist einer meiner Schweizer Lieblingskünstler. Was wir zeigen, ist eine Serie, die er während des Lockdown kreiert hat. Er schuf die Werke, indem er täglich Fotografien und GIFs gemischt als Instagram-Storys veröffentlichte. Als ich diese im März/April auf meinem Smartphone entdeckte, war ich so begeistert, dass ich ihn fragte, ob wir sie während unseres Festivals auf Bildschirmen im Freien zeigen könnten. Insgesamt gestaltete er mehr als vierhundert dieser kleinen Geschichten.

2Juno Calypso – «What to Do with a Million Years»

Pink ist hier Programm.
Im Bunker eines Kosmetikunternehmers

Pink ist hier Programm.

Juno Calypso, How Much Life Is Enough, What to Do with a Million Years, 2018 
Kitschbunker in Las Vegas.
Rosarote Fantasiewelt

Kitschbunker in Las Vegas.

Juno Calypso, Tuesday in Eternity, What to Do with a Million Years, 2018 

Die Engländerin Juno Calypso durfte im ehemaligen Bunker des Kosmetikunternehmers Girard B. Henderson in Las Vegas ihre Kunstfigur Joyce im Rahmen einer Selbstporträtreihe inszenieren. Die 1500 Quadratmeter grosse luxuriöse Kellerresidenz umfasste einen künstlichen Rasen mit einem Schwimmbad und einem Minigolfplatz. Wir haben Juno Calypso vor mehr als einem Jahr programmiert. Bei allem, was seitdem in der Welt passiert ist, sieht es so aus, als brauchten wir alle so einen Kitschbunker.

3 – Kublaiklan x Fontanesi – «Fontanesi»

Instagram-Kunst mit 40’000 Followern.
Strandspaziergang

Instagram-Kunst mit 40’000 Followern.

Kublaiklan x Fontanesi, Fontanesi, 2020
Fotomanipulation, die zum schmunzeln anregt.
Zwerge

Fotomanipulation, die zum schmunzeln anregt.

Kublaiklan x Fontanesi, Fontanesi, 2020
Der Künstler dieser Fotomontagen ist anonym.
Grosse Blonde

Der Künstler dieser Fotomontagen ist anonym.

Kublaiklan x Fontanesi, Fontanesi, 2020

Dieser anonyme Künstler hat mehr als 40'000 Follower auf Instagram. Jede Kreation besteht aus zwei verschiedenen, jeweils entlang der horizontalen oder der vertikalen Achse kunstvoll zusammengesetzten Bilderhälften. Ich finde seine Art, dabei das Instagram-Format zu verwenden, bemerkenswert. Aus Tausenden von Bildern in seinem Feed haben wir fünfzehn ausgewählt, um sie auf der Fassade eines monumentalen Bauwerks, in der Nähe des Schweizerischen Spielmuseums, abzubilden.

4Edoardo Delille & Giulia Piermartiri – «Diving Maldives»

Ihr Zuhause wird einst verschwinden.
Klimawandel und Kunst

Ihr Zuhause wird einst verschwinden.

Edoardo Delille & Giulia Piermartiri, Diving Maldives, 2020
Hier regt Kunst zum Nachdenken an.
Nachdenklich

Hier regt Kunst zum Nachdenken an.

Edoardo Delille & Giulia Piermartiri, Diving Maldives, 2020
Die Malediven sind nicht nur ein Ferienparadies, sondern auch ein Zuhause – was geschieht mit der Bevölkerung, wenn die Inseln im Meer verschwinden?
Ferienparadies

Die Malediven sind nicht nur ein Ferienparadies, sondern auch ein Zuhause – was geschieht mit der Bevölkerung, wenn die Inseln im Meer verschwinden?

Edoardo Delille & Giulia Piermartiri, Diving Maldives, 2020

Nach Angaben der UNO werden die Malediven eines der ersten Länder sein, die infolge des Klimawandels verschwinden. Diese Situation veranlasst die Behörden, über Lösungen zur Auswanderung der Bevölkerung in Gastländer nachzudenken. Die Art und Weise, wie diese beiden Künstler die Realität des bevorstehenden ökologischen Exils zum Ausdruck gebracht haben, ist einfach berührend: Sie verwenden Fotos, die von Touristen unter Wasser aufgenommen wurden, und projizieren sie mit einem Beamer in die Stuben der Einheimischen.

5Jeff Mermelstein – «SideWalk»

So muss Strassenfotografie sein: Überraschend.
Buch verschluckt?

So muss Strassenfotografie sein: Überraschend.

Jeff Mermelstein, SideWalk
Jeff Mermelstein hat ein Auge für Details.
Rauchender Schuh

Jeff Mermelstein hat ein Auge für Details.

Jeff Mermelstein, SideWalk
Der Künstler schaut auf seinen Spaziergängen gut hin, entdeckt, was wir im Alltagsstress oft übersehen.
Markaber

Der Künstler schaut auf seinen Spaziergängen gut hin, entdeckt, was wir im Alltagsstress oft übersehen.

Jeff Mermelstein, SideWalk

Das ist Strassenfotografie vom Feinsten: Jeff Mermelstein sucht in den Strassen von New York nach Zufällen. Die Ergebnisse sind urkomisch, seltsam und faszinierend. Die am Festival Images gezeigten Werke aus der berühmten «SideWalk»-Reihe führen uns in das New York der 1990er-Jahre zurück. Ich wünschte manchmal, ich hätte sein Auge fürs Sujet. Aber selbst wenn ich mit ihm unterwegs wäre, würde ich nicht die Hälfte der aussergewöhnlichen Dinge erkennen, die er sieht und fotografiert. Er ist dabei wie ein Jäger auf der Pirsch.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
0 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen