Aktualisiert 31.05.2004 20:43

Schreckliche Geschichten vom Golfkrieg

ERZÄHLUNGEN – Auf dem Highway 8 zwischen Basra und Bagdad sucht Soldat G.D. im Auftrag von George Bush senior nach Scud-Raketen. Es ist die Zeit des ersten Golfkriegs von 1991. Nach einem irakischen Angriff versteckt G.D. sich tagelang in einem Bunker, und er erlebt eine wundersame Verwandlung: Er wird zum Menschenfreund, steigt des Nachts aus dem Bunker und hilft der Zivilbevölkerung – bis die eigenen Leute ihn als Deserteur suchen. Korporal Laverne hingegen schreibt an den Präsidenten und will von ihm sein altes Leben wiederhaben. Laverne ist aus dem Krieg zurück und sitzt psychisch völlig verstört im Baumhaus, das er für seinen kleinen Sohn gebaut hat.

Solche und andere Kriegsschicksale beschreibt Gabe Hudson, der den ersten Golfkrieg als Reservist mitgemacht hat, in seinen acht bemerkenswerten Storys. Er bedient sich dabei aller möglichen erzählerischen Stilmittel und lässt uns zum Beispiel einen Brief lesen, den die blinde Mutter eines Soldaten voller Fehler getippt hat. Dadurch bekommen diese Geschichten ihre fast grausame Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit. Es sind auch ziemlich groteske Storys, surreal und voller Witz, aber das Lachen bleibt einem beim Lesen zumeist im Hals stecken. Möglicherweise geben die Geschichten in «Dear Mr. President» Hinweise darauf, weshalb es zu den schrecklichen Folterbildern des zweiten Golfkriegs gekommen ist.

Wolfgang Bortlik

Gabe Hudson: «Dear Mr. President», Rotbuch-Verlag, 169 Seiten, 32.50 Franken.

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