Aktualisiert 03.05.2014 18:24

GeburtstagspartySchröder feiert mit Putin – Deutsche befremdet

Ungeachtet der Ukraine-Krise feierte Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder fröhlich mit Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag. Das löst in Deutschland Kopfschütteln aus.

von
bat

Während in der Ostukraine die Lage noch immer prekär ist, feierte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen mit seinem Freund Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag. Laut «Spiegel Online» trafen sich die beiden gestern Abend im Jussupow-Palais in Sankt Petersburg. Wie Bilder zeigen, war der Empfang herzlich. Schröder lacht, die beiden älteren Herren umarmen sich.

Organisiert hatte die Geburtstagsparty die Zuger Pipeline-Firma Nord Stream AG. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des Unternehmens, das vom russischen Staatskonzern Gazprom dominiert wird. Unter den Gästen war auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Dieser wurde im Vorfeld heftig für seine Teilnahme kritisiert. Sellering machte laut «Spiegel Online» jedoch geltend, dass gerade in diesen schwierigen Zeiten der Gesprächsfaden nicht abreissen dürfe.

«Schlicht geschmacklos»

Das Treffen zwischen Schröder und Putin sorgt in Deutschland für Wirbel. «Es ist ein Irrtum, wenn der Ex-Kanzler meint, er könnte einfach so weitermachen, als wäre nichts gewesen», schreibt Roland Nelles, Mitglied der Chefredaktion von «Spiegel Online» in seinem Kommentar. «Gerhard Schröder kann mit Putin befreundet sein. Das ist sein Bier. Aber Umarmungen und eine lustige Fete in St. Petersburg sind zu solchen Zeiten schlicht geschmacklos», so Nelles. Von einem Ex-Kanzler könne man erwarten, dass er die Aussenpolitik seines Landes unterstütze und sie nicht auch noch demonstrativ hintertreibe, ja sogar lächerlich mache.

Auch die «Frankfurter Allgemeine» kritisiert die herzliche Zusammenkunft von Schröder und Putin in Sankt Petersburg. «Die Bilder vom lachenden Schröder, der von seinem Freund Wladimir im ehemaligen Zaren-Palais geherzt und geknuddelt wird, während deutsche Bundeswehrsoldaten in der Geiselhaft von fanatischen Putinverehrern sind, wirken makaber», schreibt Thomas Holl, verantwortlicher Redaktor für Politik Online, in seinem Kommentar. Für die führenden SPD-Politiker der grossen Koalition sei die Party des früheren Bundeskanzlers mit seinem offenbar besten Freund Wladimir Putin ein Offenbarungseid.

Schröder über Putin: «Lupenreiner Demokrat»

Auf politischer Ebene gibt das Treffen ebenfalls zu reden: «Schröder repräsentiert nicht die deutsche Regierung», sagt ein auf die Fotos angesprochener «ranghoher Regierungsvertreter», der nicht mit Namen genannt werden will, zur Nachrichtenagentur Reuters. «Es muss jedem klar sein, dass Schröder die aktive Politik schon seit einiger Zeit verlassen hat.» Das Büro von Gerhard Schröder wollte auf Anfrage der Nachrichtenagenur keine Stellung nehmen.

Schröder und Putin sind schon länger enge Freunde. In einer Fernsehsendung im Jahr 2004 nannte Schröder, damals noch Bundeskanzler, den Kreml-Chef einen «lupenreinen Demokraten.» Auch in der Ukraine-Krise stellt sich Schröder hinter Putin. Er kritisiert die Sanktionen der EU.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.