Aktualisiert 21.03.2005 16:18

Schröder unterstützt Wolfowitz-Kandidatur

Deutschland will die Wahl des umstrittenen US-Politikers Paul Wolfowitz zum neuen Chef der Weltbank unterstützen. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte im Nachrichtensender n-tv, er habe dies US-Präsident George W. Bush telefonisch zugesagt.

Dabei habe er betont, dass die Wahl nicht an der deutschen Bundesregierung scheitern werde. Man werde vielleicht noch «positiv überrascht» sein von der Arbeit des künftigen Weltbank-Chefs.

Die Nominierung des bisherigen US-Vizeverteidigungsministers und Vordenkers der «Neo-Konservativen» war bei verschiedenen Regierungen auf Ablehnung gestossen. Grund sind Wolfowitz' politische Ansichten und seine mangelnde Erfahrung in internationalen Finanzinstitutionen.

Zuvor lud Wolfowitz seine Kritiker zum Dialog ein. Sein Angebot zum Dialog gelte auch für Organisationen ausserhalb der Regierungen, erklärte Wolfowitz in einem Interview mit dem «Handelsblatt» vom Montag.

Die so genannten Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) verfügten über eine «wichtige Stimme und haben sehr viel beizutragen», sagte der 61-Jährige, der nach dem Willen von US-Präsident Bush in diesem Jahr die Nachfolge von James Wolfensohn (71) antreten soll. Dieser hatte angekündigt, dass er den Posten nach Ablauf seiner Amtszeit Ende Mai aufgeben will.

Konsens zwingend

«Die Position des Weltbank-Präsidenten ist kein Amt der amerikanischen Regierung», erklärte Wolfowitz weiter. «Da ist es nicht möglich zu führen, ohne Konsens herzustellen.» Daher gehöre die Suche nach Übereinstimmung zum «Kern des Jobs eines Weltbank- Chefs».

Vorwürfe, er sei als Architekt des US-Krieges gegen den Irak nicht für die Leitung einer internationalen Organisation geeignet, wies Wolfowitz zurück. «Diese Leute kennen mich nicht. Sie haben sich ihr Urteil zum Teil aus Karikaturen über mich gebildet.»

Der als äusserst konservativ bekannte Wolfowitz war am Mittwoch offiziell von Bush nominiert worden. Er muss zwar von allen 184 Mitgliedstaaten der in Washington ansässigen Weltbank, dem grössten Kreditgeber für Entwicklungsprojekte weltweit, bestätigt werden. Dies gilt jedoch lediglich als eine Formalität.

Spekulationen über neupositionierung der Weltbank

Wolfowitz zählt zu den stärksten Befürwortern des Irak-Kriegs in der US-Regierung und gilt seit längerem als Bushs «Traumkandidat». Wirtschafts- und Militärexperten hatten darauf hingewiesen, dass Wolfowitz, der früher unter anderem Botschafter in Indonesien war, über weit reichende Asien-Kenntnisse verfügt.

Nach Ansicht von Experten könnte Wolfowitz versuchen, die Hauptzielrichtung der Weltbank zu ändern. Die Bank könnte zu ihrer früheren Hauptrolle als Kreditinstitut zur Finanzierung grosser Infrastrukturprojekte zurückkehren, sagte Analyst Alan Meltzer der Agentur Bloomberg. Auf der anderen Seite könnte dann die Praxis der Darlehensvergabe zum Nullzinstarif eingeschränkt werden. (sda)

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