Aktualisiert 02.09.2005 15:11

Schröder will Bush mit Öl helfen

Deutschland ist bereit, gemeinsam mit den anderen Industriestaaten Teile seiner nationalen Erdölreserven auf den Markt zu werfen, um die Förderausfälle durch die Hurrikan-Katastrophe in den USA auszugleichen.

Deutschland werde den entsprechenden Antrag der USA bei der Internationalen Energie-Agentur (IEA) «selbstverständlich» unterstützen, sagte Schröder am Freitag Berlin. Zugleich kündigte der Kanzler ein umfangreiches humanitäres Hilfspaket an, das dem neuen US-Botschafter William R. Timken noch am Abend erläutert werden sollte.

Schröder wies darauf hin, dass der Umfang der Freigabe der strategischen Erdölreserven vom IEA-Verwaltungsrat bestimmt werde. Im Gespräch seien täglich zwei Millionen Barrel für 30 Tage, die etwa den katastrophenbedingten Förderausfällen entsprächen und an denen sich Deutschland anteilmässig beteiligen werde. Die deutsche Reserve beträgt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums derzeit 13,4 Millionen Tonnen Rohöl und 11,8 Millionen Tonnen Ölprodukte entsprechend dem Bedarf für 90 Tage.

Schröder forderte zugleich die internationalen Ölkonzerne auf, die Massnahmen zu nutzen, um zu einer Senkung der Preise beizutragen. Sie hätten nicht nur betriebswirtschaftliche Verpflichtungen, sondern auch eine grosse humane und moralische Verantwortung. Es könne nicht sein, dass die nationalen Erdölreserven in den Markt gebracht würden, aber an der Preisfront nichts passiere.

Nach Angaben des Kanzlers ist das deutsche humanitäre Hilfsangebot von den USA im Prinzip bereits angenommen worden. Deutschland werde alle Hilfsmöglichkeiten, die mobilisiert werden könnten, nutzen. Schröder nannte dabei medizinische Unterstützung wie etwa Luft-Evakuierung mit dem fliegenden Bundeswehrkrankenhaus Medevac, das Suchen und Bergen von Opfern, Notverpflegung, truppenmedizinische Unterstützung, Impfteams, Impfstoffe und Medikamente, Wasseraufbereitung und pioniertechnische Fähigkeiten.

Darüber hinaus könnten Notunterkünfte bereitgestellt werden, zählte der Kanzler weiter auf. Deutsche Spezialisten könnten die Infrastruktur bei Strom, Wasser und Abwasser wiederherstellen, man könne Hilfsgüter und Personal transportieren und verfüge über Erfahrungen bei der Eindämmung von Umweltschäden. Alles sei kurzfristig verfügbar und könne mit Maschinen der Luftwaffe oder Charterflugzeugen relativ schnell nach USA gebracht werden.

Die Hilfsangebote hatte Schröder während des Freitagvormittags in intensiven Gesprächen mit mehreren Kabinettsmitgliedern und Regierungsexperten zusammengestellt. Dazu hatte er einen geplanten Auftritt auf einem Ganztagsschulkongress in Berlin kurzfristig absagen müssen. (sda)

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