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DebatteSchüler brauchen Erfahrung mit Pornos

Die Forderung der Juso, Kindern im Aufklärungsunterricht Pornos zu zeigen, löst Empörung aus. Aber eigentlich geht die Idee nicht weit genug.

von
Bruno Wermuth
Pornofilme an Schweizer Schulen - bald Realität? (Bild: Colourbox.com)

Pornofilme an Schweizer Schulen - bald Realität? (Bild: Colourbox.com)

Geht es nach dem Willen der Schweizer Jungsozialistinnen und -sozialisten, werden an Schweizer Schulen im Sexualkundeunterricht schon bald Pornos gezeigt. Ziel der Aktion: Die Kinder sollen lernen, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Die Forderung schlägt hohe Wellen. Gegner sehen das Kindswohl gefährdet und ein Vertreter des Lehrerverbands spricht sogar von Nötigung. Nur: Wo bitte ist das Problem?

Jugendliche suchen gezeigten Sex und finden Pornos

Dass Kinder und Jugendliche über das Internet ungehindert mit Pornografie in Kontakt kommen können, wird heute wohl niemand mehr ernsthaft bestreiten. Wer glaubt, dass dies nur zufällig geschieht, irrt sich. Hauptgründe, warum Jugendliche und insbesondere Buben sich im Netz auf die Suche nach Sex machen, sind Wissensdurst und Neugier. Dort finden sie aber nicht harmlose Darstellungen von Sexualität, sondern Pornografie in allen Schattierungen.

Schuld daran sind verklemmte Erwachsene. Statt sich ernsthaft mit den Fakten auseinanderzusetzen, verwenden diese ihre Energie lieber darauf, sicherere Internet-Filter und eine Rückkehr zu eindeutigen moralischen Werten zu fordern. Mit ihrer romantischen Vorstellung einer behüteten Kindheit verunmöglichen sie auch fast fünfzig Jahre nach der sexuellen Revolution, dass Jugendliche im Sexualkundeunterricht sehen dürfen, wie Sex geht. Damit zwingen sie sie geradezu, ihre Bedürfnisse im Netz zu stillen.

Zuerst sind jetzt die Erwachsenen gefordert

Hier setzt die Forderung der Juso an. Sie geht zwar in die richtige Richtung, greift aber letztlich zu kurz. Pornos zu thematisieren, auch wenn dazu Bildmaterial verwendet wird, genügt nicht. Es braucht Lehrmittel in Form von Filmen und Bildern, die Sex und die Rollen von Mann und Frau dabei in einer angemesseneren Form zeigen, als dies in Pornos der Fall ist.

Dadurch kann einem Teil der Kinder die Suche im Internet erspart werden. Und diejenigen, die trotzdem Pornos schauen, erhalten Möglichkeiten, die pornografische Fi(c)ktion besser von der sexuellen Realität zu unterscheiden. Es braucht aber auch eine Medienpädagogik, die Kompetenzen im Umgang mit Pornografie vermittelt. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, sich in der Flut von Angeboten zurechtzufinden oder sich Hilfe zu holen, wenn man überfordert ist.

Zuerst sind jetzt aber die Erwachsenen gefordert. Sie müssen ihre rosarote Brille ablegen und sich der Realität stellen.

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Welche Massnahmen sind notwendig, um Jugendliche im Umgang mit Pornos fit zu machen? Welche Kompetenzen brauchen sie? Und was können Eltern und Lehrpersonen dazu beitragen? Schreiben Sie Ihre Ideen ins Talkback.

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