Posse in Oensingen: Schüler dürfen nicht mehr auf Schulareal
Aktualisiert

Posse in OensingenSchüler dürfen nicht mehr auf Schulareal

Weil sie über einen Zaun kletterten, erhielten drei 12- und 13-jährige Schüler in Oensingen SO ein Rayonverbot. Nun tobt ein erbitterter Streit zwischen einem Vater und dem Gemeindepräsidenten.

von
ame
Rote Karte: Im Schulhaus Oberdorf ist am Wochenende das Fussballspielen verboten.

Rote Karte: Im Schulhaus Oberdorf ist am Wochenende das Fussballspielen verboten.

Dicke Post für drei Familien in Oensingen: Am Dienstag erhielten sie ein Schreiben der Gemeindeverwaltung, das ihren Söhnen verbietet, sich auf dem Schulhaus- und Schulareal des Primarschulhauses Oberdorf inklusive Turn- und Sportplatz aufzuhalten. Sie waren verbotenerweise auf den eingezäunten Platz geklettert. Der Jüngste von ihnen geht noch im Primarschulhaus zur Schule, die anderen beiden besuchen Sportvereine, die regelmässig in der Turnhalle trainieren.

Der Vater einer der Jungen veröffentlichte daraufhin den Brief auf Facebook. Als Kommentar dazu schreibt er: «Somit hat sich der Jüngste dieser drei de jure übrigens gleich selber ein Schulverbot eingehandelt, die anderen dürfen wenigstens einfach nicht mehr in die Jugendriege bzw. ins Wintertraining des Fussballclubs. Und natürlich lebenslänglich keinem Sportverein mehr beitreten, der da trainiert.»

Shitstorm auf Facebook

Sein Post löste auf Facebook einen wahren Shitstorm gegen die Gemeindeverwaltung und ihren Präsidenten Markus Flury aus. Dieser wehrt sich gegen die Vorwürfe. Gegenüber 20 Minuten sagt er: «Natürlich darf der Junge noch zur Schule.» Auch die anderen beiden Jungen dürften sich mit ihren Vereinen in der Turnhalle aufhalten. «Die Jungs können an begleiteten Anlässen teilnehmen. Nur in der übrigen Freizeit, d.h. unbeaufsichtigt, haben sie dort nichts verloren.» Der Jüngste der drei Knaben besuchte am Mittwochmorgen denn auch ganz normal den Unterricht, wie eine Vertreterin der Primarschule auf Anfrage bestätigt.

Gegen den Vater, der den Brief auf Facebook postete, will Flury nun als Privatperson Klage einreichen. Dieser habe ihm auf Facebook «Amtsmissbrauch» und indirekt auch Urkundenfälschung vorgeworfen – Flury wohnt direkt angrenzend an das Schulhausareal und hatte die drei Knaben mehrmals ermahnt, zu den verbotenen Zeiten nicht auf den Platz zu gehen. So auch am letzten Samstagabend.

Von Strafanzeige abgesehen

«Die drei Buben trieben sich trotz Verbot häufig auf dem Sportplatz herum und versuchten, auf den Platz zu kommen», sagt Flury. «Am Samstag habe ich sie dreimal ermahnt und immer wieder sind sie zurückgekommen. Beim dritten Mal sind sie über den Zaun geklettert und begannen Fussball zu spielen. Da hat es einem Anwohner gereicht und er hat die Polizei gerufen.»

Doch anstatt Strafanzeige zu stellen, entschied man sich, die Eltern mit einem Brief zu informieren. Zwei Väter hätten daraufhin den Kontakt mit ihm gesucht – ein Treffen mit ihnen und ihren Söhnen ist vereinbart. Wie der Streit mit dem dritten Vater und Urheber der Facebookaktion ausgehen wird, darüber will Flury nicht mutmassen. «Das wird an anderer Stelle entschieden werden. Wenn es sein muss, auch vor Gericht.»

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