Prozess in Bremgarten: Schüler ertrank in der Reuss – Lehrer angeklagt
Aktualisiert

Prozess in BremgartenSchüler ertrank in der Reuss – Lehrer angeklagt

Wegen eines tragischen Unfalls bei einem Schulausflug steht ein Lehrer vor Gericht. Laut Staatsanwaltschaft hat er seine Pflicht vernachlässigt.

von
ann
Angehörige von Polizei und Militär suchten den ertrunkenen Schüler im August 2012 in der Reuss. Erst drei Tage nach seinem Verschwinden konnte er tot geborgen werden.

Angehörige von Polizei und Militär suchten den ertrunkenen Schüler im August 2012 in der Reuss. Erst drei Tage nach seinem Verschwinden konnte er tot geborgen werden.

Alles ging ganz schnell an jenem Montagmorgen im August 2012: Eine 12-köpfige Realschulklasse der Kreisschule Mutschellen war mit ihrem Lehrer an die Reuss gegangen, um im Fach Physik zu experimentieren und zu grillieren. Der Lehrer war noch mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt, als einige Schüler bis Kniehöhe ins Wasser wateten. Ein 14-Jähriger tauchte plötzlich ab, wurde von der starken Strömung mitgerissen und verschwand vor den Augen seiner Gspänli. Drei Tage später wurde seine Leiche gefunden.

Über ein Jahr nach dem Vorfall, steht nun sein Lehrer am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, weil er seinen Pflichten nicht nachgekommen sei. Er hätte einschreiten sollen, als die Kinder ins Wasser wateten, sagte die zuständige Staatsanwältin gegenüber den Medien. Es geht um eine bedingte Geldstrafe zu 240 Tagessätzen und eine Busse von 3000 Franken.

Ist der Lehrer schuld am Unfall?

Viel brisanter als die drohende Geldstrafe dürfte die Frage sein, ob der Lehrer für diesen Unfall tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden darf. Laut dem Aargauischen Lehrerverband hätte dies Folgen. Die Lehrer müssten sich dann gründlich überlegen, überhaupt noch Ausflüge zu machen, sagte Präsident Niklaus Stöckli gegenüber Radio SRF.

Insbesondere das Thema Schwimmen in der Schule müsse klar geregelt werden. Der Lehrerverband wünscht sich, dass der Kanton die Normen der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft verbindlich übernimmt. Die klaren Vorgaben gäben den Lehrern die Sicherheit, dass sie sich richtig verhalten. Das Kantonale Bildungsdepartement will davon jedoch nichts wissen. Laut Sprecherin Irene Richner gebe es bereits gute Richtlinien.

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