Zürcher Schule: «Schüler missbrauchen die Quarantäne zum Schwänzen»
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Zürcher Schule«Schüler missbrauchen die Quarantäne zum Schwänzen»

Blaumachen dank Corona-Massnahmen: An einer Zürcher Schule nutzen Jugendliche die Quarantänepflicht, um Unterricht und Prüfungen zu entgehen, sagt Schulleiter C.G. – und liess eine Schülerin bei den Behörden auffliegen.

von
Michelle Muff
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An einer Zürcher Sekundarschule missbrauchen Schüler regelmässig die Quarantänevorschriften – oder halten sich nicht an diese. Das erzählt Schulleiter C.G. 

An einer Zürcher Sekundarschule missbrauchen Schüler regelmässig die Quarantänevorschriften – oder halten sich nicht an diese. Das erzählt Schulleiter C.G.

Foto: Getty Images
«Immer wieder tauchen Bilder auf, die Schüler in Quarantäne draussen in der Stadt oder mit Freunden zusammen zeigen», so G. 

«Immer wieder tauchen Bilder auf, die Schüler in Quarantäne draussen in der Stadt oder mit Freunden zusammen zeigen», so G.

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Die Bilder erhält er von den Schülern: «Sie finden es unfair, dass ihre Klassenkameraden Prüfungen nicht schreiben müssen und trotzdem ihre Freunde treffen können.»

Die Bilder erhält er von den Schülern: «Sie finden es unfair, dass ihre Klassenkameraden Prüfungen nicht schreiben müssen und trotzdem ihre Freunde treffen können.»

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Darum gehts

  • An einer Zürcher Schule kommt es regelmässig zu Verstössen der Quarantänepflicht.

  • In einem Fall hat Schulleiter C.G. den Verstoss den Behörden gemeldet.

  • Im Kanton Zürich gehen immer wieder Hinweise auf Quarantäneverstösse ein.

  • Das Contact-Tracing sowie die Polizei gehen diesen nach.

Seit den Herbstferien wurden in der Stadt Zürich rund 50 Schulklassen in Quarantäne geschickt – der Aufforderung, sich 10 Tage zu isolieren, kommen aber wohl nicht alle Schüler nach: «Schüler missbrauchen die Quarantäne zum Schwänzen», sagt C.G.*, Schulleiter einer Zürcher Sekundarschule. «Schüler berichten uns regelmässig von Klassenkameraden, die eigentlich in Quarantäne sein müssten, aber sich trotzdem draussen mit Freunden treffen.»

B. enttäuscht dieses Verhalten: «Das ist daneben. Auch die Klassenkameraden, die uns das Fotomaterial zustellen, finden das unfair.» Schliesslich müssten Schüler, die in Quarantäne sind, keine Prüfungen ablegen und hätten mehr Zeit zum Lernen. Etwas dagegen tun könne man nur selten: «Wir brauchen handfeste Beweise, damit wir das Fehlverhalten melden können», sagt G.

G. informiert die Behörden

In einem Fall gelang dem Schulleiter ein entsprechender Nachweis: Ein Video zeigt eine Schülerin, die eigentlich in Isolation hätte sein müssen, beim Schlendern durch die Stadt. «Es war klar, dass sie sich nicht an die Quarantäneregeln gehalten hatte. Ich habe das dem Contact-Tracing gemeldet.»

Wie sich herausgestellt hatte, lag tatsächlich ein Verstoss gegen die Auflagen vor. Inwiefern die Schülerin verzeigt wurde, weiss G. jedoch nicht: «Aus Datenschutzgründen kann uns das Tracing solche Informationen nicht weiterleiten.»

In anderen Fällen liessen sich Schüler absichtlich auf die Quarantäneliste ihrer Freunde setzen, um Prüfungen nicht schreiben zu müssen, sagt G. «Es wurden Chats von Schülern erstellt, die positiv getestet wurden. Darin fragten sie ihre Kollegen, wer sich sonst noch auf die Liste vom Contact-Tracing setzen lassen möchte – auch wenn gar kein Risikokontakt bestand.» Solche Verstösse seien aber die Ausnahme: «Die meisten unserer Schüler nehmen die Massnahmen ernst und halten sich auch daran.»

Seit August wurden 2554 Kontrollen durchgeführt

In der Stadt Zürich, sind so massive Verstösse nicht bekannt: «Wenn ein Schüler auf Sekundarstufe einen Risikokontakt hatte oder gar positiv getestet wurde und die Schutzmassnahmen nicht eingehalten wurden, wird meist gleich die ganze Schulklasse in Quarantäne geschickt», sagt Marc Caprez, Mediensprecher des Schul- und Sportdepartements. «Das funktioniert in der Regel gut, und die Schüler befolgen die Anordnungen.»

Dennoch muss sich der Kanton Zürich regelmässig mit Quarantäneverweigern beschäftigen: Seit Anfang August wurden zur Einhaltung der Quarantäne von der Polizei 2554 Kontrollen durchgeführt. Und allein vergangene Woche wurden im Kanton Zürich 98 Personen kontrolliert.

«Man reagiert nach Augenmass»

«Die Hinweise zu Verstössen erhalten wir dabei teils von der Bevölkerung, manchmal reagieren wir aber auch auf eigene Feststellungen», sagt Andreas Melchior, Leiter der Kommunikationsabteilung der Kantonspolizei Zürich. Bei entsprechenden Hinweisen würden Kontrollen durchgeführt und «nach Augenmass» reagiert werden.

Auch das Contact-Tracing des Kantons Zürich erhält regelmässig Hinweise von der Bevölkerung, wie Marcel Odermatt, Mediensprecher des Gesundheitsamts des Kantons Zürich, auf Anfrage mitteilt. «Wenn der Verdacht besteht, dass die Person sich nicht zu Hause aufhält, macht der kantonsärztliche Dienst eine Meldung an die Kantonspolizei. Diese führt die Kontrollen durch.» Über die Strafbarkeit entscheide anschliessend der Stadtrichter oder der Bezirksstatthalter.

Verstosse gegen die Quarantänepflicht können teuer zu stehen kommen: In Dielsdorf wurde ein Familienvater kürzlich mit 2750 Franken gebüsst, nachdem er am letzten Tag der Quarantäne von der Polizei bei einem Spaziergang im Wald erwischt wurde.

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