Happige Vorwürfe: Schüler mussten Strip-Poker spielen
Aktualisiert

Happige VorwürfeSchüler mussten Strip-Poker spielen

Pornofilme schauen als Hausaufgabe und Strip-Poker spielen im Unterricht: Dies hat sich ein Wettinger Lehrer während Monaten erlaubt. Erst jetzt hat die Schule gehandelt – viel zu spät, ärgern sich Eltern.

von
Maja Sommerhalder

«Da unterrichtet ein eventuell pädophiler Lehrer monatelang unsere Kinder und nichts passiert», sagen Angela Napoli (33), Venhar Fontana (41) und Rosa Scalise (37). Die Vorwürfe der Wettinger Mütter an den Oberstufenlehrer Peter C.* sind happig. «Er attackiere die Sechstklässler mit perversen Sprüchen und als Hausaufgabe mussten sie Pornofilme anschauen.»

Zudem habe er Scalises Tochter ständig angefasst, auch am Po. «Als ein Klassenkamerad ihr die Hosen auszog, schaute er tatenlos zu», so Scalise. Ihre Tochter und Napolis Sohn hätten seither Angstzustände. Um Weihnachten rum stellte Napoli den Lehrer: «Er gab alles zu und gab an, überfordert zu sein.»

Lehrer leidet unter einem Burnout

Schon mit der Vorgängerklasse soll Peter C. während einer Rechenübung Strip-Poker gespielt haben, wie Quellen bestätigen. Schulleiter Martin Villing sagt, dass der Lehrer damals Grenzen überschritten habe: «Ähnliche Vorfälle mit der jetzigen Klasse sind mir nicht bekannt.» Dem widersprechen die besorgten Mütter: «Wir gingen bereits im November zum Schulleiter. Doch er vertröstete uns.» Im Februar wandten sie sich an die Schulpflege.

Seit Anfang März ist Peter C. krankgeschrieben. Offiziell hat er ein Burnout. Nachdem sich 20 Minuten eingeschaltet hatte, teilte die Schulpflege Napoli mit, dass ihr Sohn in die Schule eines Nachbarortes versetzt werde: «Das ist wohl die Quittung für den Gang zu den Medien», sagt sie.

*Name geändert

Herr Sigrist*, bei Ihnen meldeten Eltern, dass ein Lehrer ihre Kinder sexuell belästigt hat. Was unternahmen Sie?

Thomas Sigrist: Seit Anfang März unterrichtet der Lehrer nicht mehr an der Schule. Wir haben bis heute verschiedene Gespräche mit den ­Eltern und dem Lehrer geführt.

Das ist alles? Warum wurde die Polizei nicht eingeschaltet?

Die betroffenen Eltern müssen eine Anzeige bei der ­Polizei einreichen. Wir entscheiden nach den Gesprächen, welche Massnahmen wir treffen.

Der Lehrer hat offenbar bereits schon vor einem Jahr mit den Kindern Strip-Poker gespielt.

Es gab damals ein Überschreiten der Unterrichtskompetenz. Wir haben aber nach sorgfältiger Abklärung mit Einbezug von Fachleuten beschlossen, dass wir ihn unter Auflagen weiterbeschäftigen.

Nachdem eine der Mütter die Medien einschaltete, muss ihr Sohn in eine andere Schule. Bestehen da Zusammenhänge?

Nein. Die Versetzung hat ganz andere Gründe, die ich nicht weiter ausführen kann.

*Thomas Sigrist ist Schul­pflege-Präsident von Wettingen.

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