Aktualisiert 21.06.2016 08:07

Sexualkunde-LehrbuchSchüler sollen Analsex in Theaterstück darstellen

Ein Praxisbuch zur Sexualkunde sorgt mit expliziten Übungen für Empörung – in der Schweiz wird es offiziell empfohlen.

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Für den Sexualkundeunterricht wird in den Kantonen Zürich und Basel ein umstrittenes Buch empfohlen.

Für den Sexualkundeunterricht wird in den Kantonen Zürich und Basel ein umstrittenes Buch empfohlen.

Keystone/Gaetan Bally
In «Sexualpädagogik der Vielfalt» raten die Autoren unter anderem dazu, Analsex per Pantomimenspiel nachzuahmen.

In «Sexualpädagogik der Vielfalt» raten die Autoren unter anderem dazu, Analsex per Pantomimenspiel nachzuahmen.

Dass ein solches Buch auch in der Schweiz offiziell empfohlen wird, stört SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. «Dieses Buch hat nichts im Sexualkundeunterricht zu suchen, die entsprechenden Kantone müssen es schnellstens aus dem Verkehr ziehen.»

Dass ein solches Buch auch in der Schweiz offiziell empfohlen wird, stört SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. «Dieses Buch hat nichts im Sexualkundeunterricht zu suchen, die entsprechenden Kantone müssen es schnellstens aus dem Verkehr ziehen.»

Keystone/Patrick Straub

Es ist noch nicht lange her, da verursachte ein Sexkoffer mit Plüschvaginas und Holzpenissen für den Sexualkundeunterricht eine Protestwelle. Nun aber sorgt ein anderes Lehrmittel für rote Köpfe: das Praxisbuch «Sexualpädagogik der Vielfalt», das in den Kantonen Zürich und Basel für den Sexualkundeunterricht empfohlen wird. Darin thematisiert werden unter anderem Analsex, Darkrooms oder Sadomasochismus. Empfohlen werden auch pädagogische Methoden: So sollen 14-Jährige in einem Theaterstück Praktiken wie Analsex darstellen oder Spielzeug für das Liebesleben zweier Lesben oder eines Rentnerpaares ersteigern. Hilfsmittel für die jungen Schauspieler: Dildos und Vaginalkugeln.

Auch sollen die Schüler ein «Puff für alle» bauen, wo sexuelle Praktiken wie der «Blowjob» oder «Cunnilingus» dargestellt werden sollen. Das Unterrichtsmaterial richtet sich an Sekundarschüler, der Kanton Zürich empfiehlt es ab 14 Jahren. Evaluiert wurde es von der Pädagogischen Hochschule Zürich, der Fachstelle «Lust und Frust» und einer Gruppe von Lehrern und Schulleitern. Wie häufig die Empfehlungen tatsächlich von Lehrern umgesetzt werden, weiss man nicht. Fakt aber ist, dass Lehrer die Möglichkeit haben, auf das Material zuzugreifen.

«Schamfaktor hoch 10»

Dass ein solches Buch auch in der Schweiz offiziell empfohlen wird, stört SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. «Dieses Buch hat nichts im Sexualkundeunterricht zu suchen, die entsprechenden Kantone müssen es schnellstens aus dem Verkehr ziehen.» Den Verfassern gehe es nicht mehr um die Aufklärung, sondern um die Sexualisierung der Jugendlichen. «Für manche Jugendliche mögen solche expliziten Inhalte normal sein, weil sie dies in Pornos gesehen haben, doch für andere wäre eine Simulation von Analsex die reinste Tortur, mit Schamfaktor hoch zehn.» Jugendliche könnten gar Schädigungen davontragen, wenn sie im Sexualkundeunterricht mit solchen Bildern und Rollenspielen konfrontiert seien. Im Zürcher Kantonsrat wurde das Buch ebenfalls thematisiert, die christliche Plattform «CitizenGO» sammelte in einer Online-Petition mehr als 18'000 Unterschriften gegen das Lehrmittel.

Auch die Präsidentin den Zürcher Lehrerverbandes, Lilo Lätzsch, findet: «Dieses Buch überschreitet eine Grenze, es würde mir nie im Leben einfallen, so etwas im Schulzimmer zu veranstalten.» Sie vertraut aber darauf, dass die Lehrkräfte diese expliziten Praktiken nicht verwenden würden. Seien die Jugendlichen heute durch Medien und Pornos desensibilisiert, wäre es besser, ihnen klarzumachen, dass die Realität oft anders aussehe und dass es verschiedene Vorstellungen von Sexualität gebe. Solle das Buch weiterhin auf den Empfehlungslisten der Kantone zu finden sein, müsse man sich überlegen, gewisse Passagen daraus zu streichen.

«Die Kantone haben sich etwas überlegt»

Der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, vertraut auf die Lehrer: «Ich denke, Lehrkräfte und Fachpersonen für Sexualkunde können sehr wohl einschätzen, wann eine Übung angemessen ist und wann nicht.» Auch die Kantone hätten sich wohl etwas überlegt, als sie das Lehrbuch in die Liste der Empfehlungen aufgenommen hätten. Er sieht deshalb keinen Handlungsbedarf. «Ich kenne das Buch nicht. Die beschriebene Praktiken sind etwas gar speziell, doch es gibt sicherlich andere Gründe, warum das Buch als empfehlenswert eingestuft wurde.»

Lukas Geiser ist Dozent für Sexualpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich

Herr Geiser, ist ein solches Buch für den Schulunterricht geeignet?

Das Buch "Sexualpädagogik der Vielfalt" ist ein Methodenbuch, das Möglichkeiten aufzeigt, wie man den Sexualkundeunterricht gestalten könnte. Dabei ist längst nicht alles für den Unterricht geeignet. Wenn man Sexualpraktiken als Pantomimenspiel vorführt, muss dies pädagogisch begründet sein, das ist in der Schule nicht der Fall.

Wieso wird dann dieses Buch empfohlen?

Es geht im Buch um sehr viel mehr als Pantomomenspiele und dergleichen, diese sind nur ein kleiner Aspekt. So werden auch die Themen Liebe und Beziehung darin thematisiert, Jugendliche können diskutieren, was Liebe für sie bedeutet und wie sie Machtverhältnisse in Beziehungen erleben und sich mit verschiedenen Beziehungsmodellen auseinandersetzen.

Wo finden denn die expliziteren Beispiele Anwendung?

Es gibt ja auch noch ausserschulischen Angebote oder Präventionsveranstaltungen, wo solche Themen aufgenommen werden können. Auch hier müssen die Beispiele aber didaktisch Sinn machen.

Harte Pornografie ist heute leicht zugänglich, kann hier das Buch helfen, dies richtig zu thematisieren?

Es gibt spezifischere Bücher und Internetseiten, die helfen, das Thema Pornografie verantwortungs- und respektvoll zu besprechen und den Jugendlichen klar zu machen, dass Pornografie nicht das reale Sexleben darstellt und wo die rechtlichen Rahmenbedingungen liegen.

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