Experiment Nichtrauchen: Schüler sollen Finger von E-Zigaretten lassen
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Experiment NichtrauchenSchüler sollen Finger von E-Zigaretten lassen

Vertreter des Experiments Nichtrauchen warnen: E-Zigaretten sollen Junge zum Rauchen herkömmlicher Glimmstengel verleiten.

von
phi
E-Zigaretten: Geschmäcke wie Marshmallow oder Sweet Banana Pie richten sich an ein junges Publikum.

E-Zigaretten: Geschmäcke wie Marshmallow oder Sweet Banana Pie richten sich an ein junges Publikum.

Keystone/Walter Bieri

Bald kämpfen Schweizer Schulklassen im Rahmen des Experiments Nichtrauchen wieder um Preise. Erstmals darf laut einer Medienmitteilung auch die E-Zigarette während eines halben Jahres nicht mehr berührt werden – da deren Gefahren unterschätzt würden.

«E-Zigaretten sind eine Einstiegsdroge», sagt die Projektleiterin des Experiments Nichtrauchen, Karin Erb. Oft neige man dazu, elektrische Zigaretten zu verharmlosen, was aber auf keinen Fall passieren dürfe. «Jugendliche, die E-Zigaretten konsumieren, neigen eher dazu, auf Tabak-Zigaretten umzusteigen.»

Die Vertreter des Experiments berufen sich dabei auf eine amerikanische Studie, die diesen Zusammenhang herstellt.

Die Forscher der University of California untersuchten 2530 14-jährige, die am Anfang der Studie noch nie geraucht hatten. Am Ende der Studie rauchten 25 Prozent der Jugendlichen, die zu Beginn bereits E-Zigaretten dampften. Von denen, die noch nie Gebrauch von einer Dampfzigarette gemacht hatten, rauchten bei Ende der Studie hingegen nur 9 Prozent.

«Nicht verharmlosen»

Thomas Beutler, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Experiment Nichtrauchen, sagt: «Eine E-Zigarette ist ein Gadget, das eher jüngere Leute anspricht.» Besonders verfingen bei Jugendlichen die verschiedenen Geschmacksrichtungen, die man kaufen könne: «Sorten wie Marshmallow oder Sweet Banana Pie richten sich ganz klar an ein junges Publikum.» Entsprechend sei das Risiko, solche Produkte zu konsumieren, zwischen 15 und 25 Jahren am höchsten.

Corine Kibora, Pressesprecherin von Sucht Schweiz, sieht es ähnlich: «Neben den verschiedenen Geschmacksrichtungen können auch die hippen Farben der E-Zigarette selbst die Attraktivität steigern.» Dass Dampfen billiger sei als Rauchen spreche ebenfalls ein junges Publikum an, das es sich nicht leisten könne, die teureren Tabakzigaretten zu rauchen.

Nicht dieser Meinung ist BAG-Sprecher Daniel Bach. Er relativiert: «Wir haben heute noch wenig gesicherte Informationen darüber, ob und inwiefern die E-Zigarette dazu verleitet, später normale Zigaretten zu rauchen.» Dies gelte es genau abzuklären, da es um den Schutz der Gesundheit junger Menschen gehe.

Phil Scheck, Pressesprecher der Schweizer Konsumentenvereinigung der E-Dampfer, Helvetic Vape, wehrt sich gegen die Darstellung der E-Zigarette als Einstiegsdroge: «Fast alle Dampfer sind ehemalige Kettenraucher, die nun auf die E-Zigarette umsteigen konnten.» Damit würden alle Schadstoffe einer gewöhnlichen Zigarette ausgeschlossen. «Die Sucht ist zwar nicht überwunden, doch mit E-Zigaretten schadet man der eigenen Gesundheit viel weniger als beim Rauchen.»

Hilfe beim Aufhören

Auch eine Studie vom Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass), die vom BAG in Auftrag gegeben wurde und sich auf Daten aus Frankreich stützt, kommt zu einem anderen Schluss als die US-Studie. Laut der Untersuchung ist es unplausibel, dass die E-Zigarette Jugendliche zum Rauchen animiere. Dafür gebe es keine empirischen Belege.

Allgemein sieht die Studie neue Chancen in der E-Zigarette: So prognostiziert sie eine Reduktion der rauchenden Bevölkerung um 2,1 Prozent bei Aufhebung des Verkaufsverbots für nikotinhaltige Liquids. Dies, weil fast alle Konsumenten von E-Zigaretten aktuelle oder ehemalige Raucher seien. Wenn eine Person sowohl «dampfe» als auch rauche, reduziere sich die Zahl der täglich konsumierten Zigaretten substanziell. Rund 15 Prozent der Konsumenten von E-Zigaretten würden es sogar schaffen, ganz mit dem Rauchen von E-Zigaretten aufzuhören.

Mehr Werbung

Aus diesem Grund raten die Studienmacher dem Bund, das Wachstum des Marktes nicht mit Werbeverboten einzuschränken, wie es bei herkömmlichen Zigaretten der Fall ist. Im Gegenteil: Die Branche soll mittels Marketinginstrumenten versuchen, so viele Raucher wie möglich anzusprechen.

Davor warnt allerdings Thomas Beutler, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Experiment Nichtrauchen: «Werbung spricht in erster Linie Jugendliche an und nicht langjährige Raucher.»

Auch für Bach ist klar: «Die E-Zigarette wird der gewöhnlichen Zigarette in allem gleichgestellt, auch was die Werbeeinschränkungen angeht.»

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