Politiker fordern: Schüler sollen miteinander Mundart sprechen
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Politiker fordernSchüler sollen miteinander Mundart sprechen

Vorstoss im Grossrat Basel-Stadt: SP-Politikerin Sibylle Benz will, dass mindestens dreissig Prozent der Schüler in einer Klasse Schweizerdeutsch sprechen. Unterstützung erhält sie von der SVP.

von
Arno Meili
Im Kanton Basel-Stadt sollen pro Klasse mindestens ein Drittel der Schüler Schweizerdeutsch als Muttersprache haben – dies fordert SP-Polikerin Sibylle Benz.

Im Kanton Basel-Stadt sollen pro Klasse mindestens ein Drittel der Schüler Schweizerdeutsch als Muttersprache haben – dies fordert SP-Polikerin Sibylle Benz.

In Basel gibt es immer mehr Schulklassen, in denen kaum noch Schweizerdeutsch gesprochen wird. Laut der «Basler Zeitung» existiert sogar eine Einführungsklasse, in der kein einziges Schweizer Kind mehr sitzt. Dies ist nicht nur Eltern, sondern auch vielen Politikerin ein Dorn im Auge. Deshalb hat SP-Bildungspolitikerin Sibylle Benz im Grossrat Basel-Stadt einen Vorstoss eingereicht. Darin fordert sie, dass in jeder Schulklasse mindestens ein Drittel der Schüler Schweizerdeutsch als Muttersprache spricht. «Wenn Kinder mit verschiedenen Muttersprachen in der gleichen Klasse sind, sprechen sie untereinander automatisch Schweizerdeutsch», so Benz.

Im Grossrat Basel erhält sie breite Unterstützung für ihre Idee. So unterzeichneten neben ihren Parteikollegen auch Politiker der GLP, CVP, der Grünen, der FDP und der SVP den Vorstoss. Diese breite Zusammenarbeit freut die Politikerin. «Es erstaunt mich nicht, dass bei diesem Vorstoss so viele Parteien an einem Strang ziehen. Eine Durchmischung würde sich ja offensichtlich positiv auf die Entwicklung der Schulkinder auswirken», erklärt Benz.

Kinder aus verschiedenen Quartieren sollen in gleiche Klassen

Auch SVP-Grossrat Oskar Herzig, ebenfalls Unterzeichner des Vorstosses, ist froh, dass man in diesem Fall mit den Sozialdemokraten zusammenarbeitet: «Anscheinend hat man bei der SP einen Lernprozess durchgemacht. Man muss nun endlich die Situation der Kinder in den Schulen verbessern.» In eine ähnliche Richtung zielt Lorenz Nägelin, Fraktionschef der SVP im Grossrat Basel-Stadt: «Es ist wirklich schön, dass auch die Linke das Problem endlich erkannt hat.» Laut Nägelin hat man es bisher verpasst, etwas zu unternehmen und die Problematik jahrelang vertuscht.

Trotzdem unterstützt er den Vorstoss nicht. Denn dieser sieht vor, dass Kinder aus verschiedenen Quartieren in gleiche Klassen eingeteilt werden. Dies stösst dem SVP-Mann sauer auf: «Die Kinder sollen in dem Quartier zur Schule gehen, in dem sie leben. Kurze Schulwege und der Freundeskreis im Quartier sind enorm wichtig.»

Projekt in den USA gescheitert

In den USA hat man sich bereits an einem ähnlichen Projekt versucht: So wurden Schüler aus komplett anderen Stadtteilen in die gleiche Klasse eingeteilt, um eine Durchmischung von schwarzen und weissen Kindern zu schaffen. Das Projekt scheiterte – viele weisse Familien zogen einfach um. Für Bildungsexperte Jürgen Oelkers ist deshalb auch die Arbeit der Schule und der Lehrer der Schlüssel zum Erfolg. «Mit der Durchmischung allein ist noch nichts geschafft. In Deutschland gibt es auch Klassen mit 70 Prozent Türken, die gut funktionieren», so Oelkers.

Bei der SP der Stadt Bern ist man indes skeptisch, dass eine Flexibilisierung der zugeteilten Schulstandorte die optimale Lösung für das Problem darstellt. Laut Co-Präsident Stefan Jordi kann eine sinnvolle Durchmischung besser durch andere Massnahmen erreicht werden. Langfristig soll eine schlaue Städteplanung die Ballung von fremdsprachigen Familien in einzelnen Quartieren verhindern. Auch die SP Zürich geht das Problem anders an. «Wir legen den Fokus bei der Sprachförderung auf eine breite Integration im vorschulischen Bereich», sagt Präsident Daniel Frei.

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