07.06.2016 20:14

Morges VDSchüler suspendiert, weil sie Lehrer bewerten

Drei Jugendliche haben eine Plattform eingerichtet, auf der man Lehrer benoten kann. Dafür wurden sie nun freigestellt.

von
vro
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Auf der Seite Evaluetonprof.org können Schüler ihre Lehrer bewerten.

Auf der Seite Evaluetonprof.org können Schüler ihre Lehrer bewerten.

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Das gefällt der Direktorin der Schule in Morges VD nicht. Die Urheber der Seite wurden deshalb für drei Wochen suspendiert.

Das gefällt der Direktorin der Schule in Morges VD nicht. Die Urheber der Seite wurden deshalb für drei Wochen suspendiert.

/Hill Street Studios

Der Waadtländer Gymnasiast Nathan Ganser hat mit zwei Freunden einen Blog gestartet. Mit dem Projekt wollte das Trio anderen Schülern die Möglichkeit geben, ihre Lehrer zu bewerten. «Die Lehrer benoten die Schüler, also war das Projekt die Gelegenheit, es ihnen gleichzutun», sagt der Jugendliche zu «Le Matin». Die drei hatten geplant, das Projekt auch auf andere Schulen auszuweiten.

In der Öffentlichkeit kam der Blog gut an. «Der Erfolg kam sofort. In weniger als zwei Tagen haben 600 der 1300 Schüler ihre Meinung auf die Seite geschrieben», erzählt Ganser. «Wir haben ausserdem viele Gratulationen von unseren Freunden und einigen Eltern erhalten.» Mittlerweile wurden mit knapp 2000 Bewertungen insgesamt 132 Lehrer beurteilt.

«Das kann man nicht durchgehen lassen»

Die Lehrer waren darüber jedoch nicht erfreut. Seit dem 6. Juni sind die drei Gymnasiasten für drei Wochen suspendiert. Die Begründung von Schuldirektorin Véronique Mariani: «Die Schüler haben nicht die Kompetenz, ihre Lehrer zu bewerten. Sie haben sich über die Warnung eines ihrer Lehrer, des Dekans und der Direktion hinweggesetzt.» Unterstützt wird die Direktorin auch vom Bildungsdepartement.

Françoise Emmanuelle Nicolet, Präsidentin des Waadtländer Vereins der Gymnasiallehrer, konkretisiert: «Der Inhalt der Seite entspricht nicht den gesetzlichen Regeln. Abgesehen vom hetzerischen und kommerziellen Aspekt führt diese öffentliche Vorgehensweise zu Disqualifizierungen und Verstössen gegen das Recht am eigenen Bild. Das kann man nicht durchgehen lassen.»

Schüler kämpft weiter

Die drei Schüler machen deshalb Zwangsferien. Von seinem Vorhaben will sich Ganser nicht abbringen lassen. «Ich werde ein Jahr in England verbringen und beabsichtige, den Dialog zwischen Schülern und Lehrern nach meiner Rückkehr weiterzuführen.»

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