05.02.2017 19:06

Luzerner SchulenSchüler verbreiten vermehrt Pornos

Wer unter 16-Jährigen Pornografie zugänglich macht, macht sich strafbar. Dennoch häufen sich die Vorfälle. Im Unterricht und in Kursen wird die Problematik thematisiert.

von
NXP
Für die Verbreitung von Pornografie besteht keine Anzeigepflicht: Zwei Schüler benutzen ihr Handy auf dem Pausenplatz. (Symbolbild Keystone)

Für die Verbreitung von Pornografie besteht keine Anzeigepflicht: Zwei Schüler benutzen ihr Handy auf dem Pausenplatz. (Symbolbild Keystone)

Die Filme kursieren im Internet und verbreiten sich über Smartphones wie ein Lauffeuer. Per Nachrichtendienst schicken sich Schüler gegenseitig Videos und Bilder mit pornografischen Inhalten zu. «Die Problematik hat sich in den letzten Jahren unglaublich verschärft», sagt Urs Utzinger, Dozent Medienpädagogik und Informatik an der Pädagogischen Hochschule Luzern der «Zentralschweiz am Sonntag».

Gefordert sind neben den Eltern vor allem die Schulen. «Indem wir die Thematik im Unterricht aufnehmen, versuchen wir präventiv tätig zu sein», sagt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern.

«Spitze des Eisbergs»

Gut eine Hand voll Fälle landen pro Schuljahr bei Vincent. Dabei dürfte es sich aber nur «um die Spitze des Eisbergs handeln», wie er sagt. Der Grund liegt darin, dass es diesbezüglich keine Anzeigepflicht gibt. Haben Lehrer oder Schulleiter von solchen Vorfällen Kenntnis, ist es ihnen freigestellt, sich an die Staatsanwaltschaft zu wenden. Tun sie dies, kann das für die Schüler gravierende Folgen haben, wie Katrin Birchler, Juristin bei der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern, sagt: «Wer Jugendlichen unter 16 Jahren Pornografie zugänglich macht, macht sich strafbar.» Dabei ist egal, ob es sich um verbotene oder legale Sexfilme handelt. «Viele Jugendliche sind sich dessen gar nicht bewusst», so Birchler.

Weil sich die Problematik künftig weiter verschärfen dürfte und die Schulen beim Kanton immer mehr nach Unterstützung fragen, hat man bei der Dienststelle Volksschulbildung reagiert. Seit einiger Zeit bietet man Kurse für Schulleiter und auf Wunsch auch für Eltern und Schüler an. Ebenso veranstaltet Urs Utzinger von der Pädagogischen Hochschule Luzern seit diesem Schuljahr Weiterbildungen für Lehrer. Er sagt: «Die Kurse sind bis Ende 2018 restlos ausgebucht.»

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