«Will nicht nach Hause geschickt werden»: Schüler verheimlichen Erkältungen
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«Will nicht nach Hause geschickt werden»Schüler verheimlichen Erkältungen

Die Schutzkonzepte an einigen Schulen sehen vor, dass Schüler bei Symptomen zu Hause bleiben. Daran halten sich aber nicht alle Schüler.

von
Bettina Zanni
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Seit sich das Coronavirus in der Schweiz ausbreitet, steht jede erkältete Person unter einem potenziellen Corona-Verdacht. Manche Schulen setzen deshalb auf strenge Schutzkonzepte. (Symbolbild)

Seit sich das Coronavirus in der Schweiz ausbreitet, steht jede erkältete Person unter einem potenziellen Corona-Verdacht. Manche Schulen setzen deshalb auf strenge Schutzkonzepte. (Symbolbild)

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Verschnupft und mit belegter Stimme sassen zwei Schülerinnen kürzlich frühmorgens im Zug Richtung Zürich. Sich zu Hause auszukurieren, statt erkältet in die Schule zu gehen, kam für die beiden FGZ-Schülerinnen aber nicht infrage. «Ich sage in der Schule ganz sicher nicht, dass ich erkältet bin – sonst schicken sie mich sofort nach Hause», sagte die eine Schülerin.

Verschnupft und mit belegter Stimme sassen zwei Schülerinnen kürzlich frühmorgens im Zug Richtung Zürich. Sich zu Hause auszukurieren, statt erkältet in die Schule zu gehen, kam für die beiden FGZ-Schülerinnen aber nicht infrage. «Ich sage in der Schule ganz sicher nicht, dass ich erkältet bin – sonst schicken sie mich sofort nach Hause», sagte die eine Schülerin.

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Auch das Freie Gymnasium Zürich (FGZ), das die beiden Schülerinnen besuchen, hält in seinen Corona-Schutzmassnahmen fest, dass Schüler, Lehrpersonen und Mitarbeiter auch mit nicht Corona-spezifischen Krankheitssymptomen zu Hause bleiben oder den Unterricht beziehungsweise das Schulhaus nach Auftreten der Symptome «so schnell wie möglich» verlassen sollen.

Auch das Freie Gymnasium Zürich (FGZ), das die beiden Schülerinnen besuchen, hält in seinen Corona-Schutzmassnahmen fest, dass Schüler, Lehrpersonen und Mitarbeiter auch mit nicht Corona-spezifischen Krankheitssymptomen zu Hause bleiben oder den Unterricht beziehungsweise das Schulhaus nach Auftreten der Symptome «so schnell wie möglich» verlassen sollen.

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Darum gehts

  • Um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern, setzen manche Schulen auf strenge Schutzkonzepte.
  • Wer Krankheitssymptome hat, soll deshalb zu Hause bleiben.
  • Das hält einige Schüler nicht davon ab, auch erkältet im Unterricht zu erscheinen.

Verschnupft und mit belegter Stimme sassen zwei Schülerinnen kürzlich frühmorgens im Zug Richtung Zürich. Sie klagten über ihre Erkältung und tasteten sich gegenseitig die Lymphknoten ab. «Ach, ich kann fast nicht sprechen», sagte die eine Schülerin. «Dann musst du halt krächzen», witzelte ihre Kollegin.

Seit sich das Coronavirus in der Schweiz ausbreitet, steht jede erkältete Person unter einem potenziellen Corona-Verdacht. Manche Schulen setzen deshalb auf strenge Schutzkonzepte. Auch das Freie Gymnasium Zürich (FGZ), das die beiden Schülerinnen besuchen, hält in seinen Corona-Schutzmassnahmen fest, dass Schüler, Lehrpersonen und Mitarbeiter auch mit nicht Corona-spezifischen Krankheitssymptomen zu Hause bleiben oder den Unterricht beziehungsweise das Schulhaus nach Auftreten der Symptome «so schnell wie möglich» verlassen müssen. «Schülerinnen und Schüler, die während des Unterrichts Krankheitssymptome zeigen, werden unverzüglich von der Klasse isoliert und von ihren Eltern abgeholt», heisst es darin weiter.

«Ich sage nicht, dass ich erkältet bin»

Sich zu Hause auszukurieren, statt erkältet in die Schule zu gehen, kam für die beiden FGZ-Schülerinnen aber nicht infrage. «Ich sage in der Schule ganz sicher nicht, dass ich erkältet bin – sonst schicken sie mich sofort nach Hause», sagte die eine Schülerin. Die andere stimmte ihr zu. Auch sie werde die Lehrer deswegen über ihre Erkältung nicht informieren.

Auch in anderen Schulen sitzen erkältete Schüler im Klassenzimmer. «Etwa sieben von 20 Schülern in meiner Klasse haben ihre Erkältung in der letzten Zeit vor den Lehrern verheimlicht», sagt S. V.*, die die Berufsfachschule Winterthur besucht. Die Klassenlehrerin frage jeweils morgens vor Unterrichtsbeginn, ob es allen gut gehe. «Dann kann man sich melden oder nicht», sagt die 19-Jährige. Auch sie ist überzeugt: «Über die Hälfte der Klasse, auch ich, würde eine Erkältung nicht melden.»

Laut S. V. schreckt der Lernstress die Schüler vom Zuhausebleiben ab. «Viele wollen verhindern, dass sie dann Prüfungen nachholen und gleichzeitig schon wieder auf neue Prüfungen lernen müssen.»

«Besorgte Mütter riefen an»

Er schliesse nicht aus, dass es Schülerinnen und Schüler gebe, die trotz Erkältung unbedingt in die Schule gehen wollten und diese deshalb verheimlichten, sagt Thomas Bernet, Rektor des Freien Gymnasiums Zürich. «Es riefen auch schon besorgte Mütter an, die behaupteten, dass Schüler mit Krankheitssymptomen auftauchten.»

Erkältungskontrollen führen die Lehrpersonen laut Bernet nicht durch. «Wir sind auf eine gewisse Solidarität und ein soziales Bewusstsein angewiesen.» Gerade auch die Eltern müssten die Verantwortung wahrnehmen und sollten die Schüler bei Symptomen nicht in den Unterricht schicken. Seit Beginn des neuen Schuljahres habe das FGZ 10 bis 15 Schüler wegen Symptomen nach Hause geschickt. «Diese hatten sich selber gemeldet.»

Fieber oder starker Husten

Laut dem Schutzkonzept der Berufsfachschule Winterthur sollen Personen mit Krankheitssymptomen zu Hause bleiben.

Yvonne Leibundgut, Sprecherin der Zürcher Bildungsdirektion, präzisiert auf Anfrage: In den Schutzkonzepten der Schulen, auch der Berufsfachschule Winterthur, stehe klar, dass Schülerinnen und Schüler mit Krankheitssymptomen wie Fieber oder starkem Husten den Unterricht nicht besuchen dürften. «Eine Erkältung gilt aber noch nicht als Krankheitssymptom.»

* Name der Redaktion bekannt.

Deine Meinung

654 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Dany

22.09.2020, 14:01

Nicht jede Erkältung ist gleich corona

Pattycat

22.09.2020, 07:43

Ich vermute mal, dass werden nicht nur die Schüler verheimlichen, sondern auch Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die aufgrund einer Erkältung auf Arbeit gehen. Die wenigsten werden nur wegen Halsschmerzen oder Schnupfen den Arzt aufsuchen, solange wie man sich noch körperlich fit fühlt.

Koko

21.09.2020, 14:42

Meine tochter war erkältet, ich wollte dass sie daheim bleibt, aber ihre lehrerin hat darauf beatanden dass sie in die schule geht, solange sie kein fieber hat