Aktualisiert 15.12.2010 17:40

HaslibergSchüler werden in Gefahrenzone unterrichtet

Seit August dieses Jahres wird in der Gemeinde Hasliberg eine Schulklasse in einem Pavillon errichtet, der ohne Baubewilligung erstellt wurde und in der roten Zone der Gefahrenkarte steht.

Das geht aus einem Urteil des kantonalen Verwaltungsgerichts hervor. In diesem am Freitag veröffentlichten Dokument steht auch, dass der Regierungsstatthalter von Interlaken die Gemeinde am 20. August aufforderte, den Pavillon bis Mitte Oktober zu entfernen. Das ist aber nicht geschehen, denn gegen diese Verfügung erhob die Gemeinde Beschwerde an die kantonale Baudirektion.

Weil letztere den Entscheid des Statthalters stützte, richtete sich die Gemeinde Hasliberg an das Verwaltungsgericht. Auch eine Einzelrichterin der verwaltungsrechtlichen Abteilung kommt nun zum Schluss, der Unterricht im Pavillon auf dem Gelände der Schule Reuti sei unzulässig.

Das Interesse an der Gefahrenprävention sei «bei Weitem» höher zu gewichten als das Interesse der Gemeinde, mit der Platzierung des Pavillons neben dem bestehenden Schulhaus Kosten und Umtriebe zu sparen. Es sei nun am Statthalter, die Einhaltung des Benutzungsverbots zu kontrollieren «und nötigenfalls zwangsweise durchzusetzen».

Nur für zweijährige Übergangszeit

In der Gemeinde Hasliberg hat man kein Verständnis für diesen Entscheid. Es sei nämlich so, sagt auf Anfrage Bauverwalter Heinz Herren, dass das Gelände mit dem Schulpavillon in der Nähe eines Bachs liege, der in den letzten Monaten für mehrere Millionen Franken verbaut worden sei.

Wären die Gefahrenkarten wie bisher auf ein Hochwasser ausgerichtet, das alle hundert Jahre eintritt, stünde der Pavillon nach diesen Arbeiten nicht mehr in der roten Zone. Nun aber sei das der Fall, weil die Gefahrenkarten neu auch Ereignisse berücksichtigen müssten, die alle dreihundert Jahre einmal eintreffen können.

Der Pavillon werde aber nur für zwei Jahre gebraucht, nämlich bis zur Inbetriebnahme der neuen, zentralen Schulanlage im Ortsteil Goldern. Just am Donnerstagabend habe die Gemeindeversammlung den für den Bau nötigen Kredit bewilligt, so Herren.

Als sich Anfang Jahr abgezeichnet habe, dass es zur Eröffnung einer neuen Klasse komme, habe die Zeit gedrängt. Und so habe man eben einen Pavillon bestellt und ihn - nach dem Brand des Schulhauses Hohfluh - in der Reuti aufgestellt. Dort und in Goldern werden derzeit die Hasliberger Kinder unterrichtet.

Am kommenden Mittwoch wird nun laut Herren der Hasliberger Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheiden. Er könnte den Entscheid ans Bundesgericht weiterziehen. Eine andere Lösung wäre laut Herren, dass man den Pavillon ein bisschen verschöbe: Schon heute stehe er nämlich nur zu zwei Dritteln auf Gefahrengebiet.

Ausserdem liege auch das bestehende Schulhaus in der roten Gefahrenzone, so Herren weiter. (sda)

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