Aktualisiert 23.04.2017 11:14

Kritik an Schulstoff

«Schüler werden zu Billag-Knechten umerzogen»

Die Billag AG schlägt Wissen über Radio- und Fernsehgebühren für Schüler als Lernziel vor. Den Befürwortern von No-Billag geht dies zu weit.

von
B. Zanni
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Die Billag AG hat auf der Internetplattform Kiknet.ch Arbeitsblätter eingebracht. Für die Oberstufe lautet ein Ziel: «Die Schüler kennen den Begriff Service public und wissen, weshalb Radio- und TV-Gebühren bezahlt werden müssen.»

Die Billag AG hat auf der Internetplattform Kiknet.ch Arbeitsblätter eingebracht. Für die Oberstufe lautet ein Ziel: «Die Schüler kennen den Begriff Service public und wissen, weshalb Radio- und TV-Gebühren bezahlt werden müssen.»

Keystone/Georgios Kefalas
Olivier Kessler, Initiant der No-Billag-Initiative, kritisiert: «Es kann nicht sein, dass Firmen, die Profiteure der heutigen Billag-Zwangsgebühren-Ordnung sind, Kinder an Schulen indoktrinieren mit dem Ziel, sie zu unterwürfigen Zwangsgebühren-Knechten umzuerziehen.»

Olivier Kessler, Initiant der No-Billag-Initiative, kritisiert: «Es kann nicht sein, dass Firmen, die Profiteure der heutigen Billag-Zwangsgebühren-Ordnung sind, Kinder an Schulen indoktrinieren mit dem Ziel, sie zu unterwürfigen Zwangsgebühren-Knechten umzuerziehen.»

urs Jaudas
Radio und TV sowie Service public seien Schweizer Alltag, sagt Mediensprecher Dominik Müller. «Wir sind vom Bundesamt für Kommunikation verpflichtet, darüber zu informieren, wozu auch Infos gehören, wie das Fernsehen heute finanziert wird.» Zu wissen, wie heute Radio und TV finanziert werden, sei nichts anderes als seit Jahren gelebte Transparenz.

Radio und TV sowie Service public seien Schweizer Alltag, sagt Mediensprecher Dominik Müller. «Wir sind vom Bundesamt für Kommunikation verpflichtet, darüber zu informieren, wozu auch Infos gehören, wie das Fernsehen heute finanziert wird.» Zu wissen, wie heute Radio und TV finanziert werden, sei nichts anderes als seit Jahren gelebte Transparenz.

Keystone/Christian Beutler

Für einen alltagsnahen Unterricht stellen Unternehmen, Interessensverbände und Stiftungen Lehrpersonen auf der Internetplattform Kiknet.ch kostenloses Material zur Verfügung. Auch die Billag AG hat Arbeitsblätter eingebracht – und sorgt damit bei den Gegnern der Radio- und Fernsehgebühren für rote Köpfe.

Ein Dorn im Auge sind ihnen die Lernziele der Lektionenreihe «Radio und TV». Für die Oberstufe lautet ein Ziel: «Die Schüler kennen den Begriff Service public und wissen, weshalb Radio- und TV-Gebühren bezahlt werden müssen.» Die Schüler der Sekundarstufe II sollten zudem «über die wichtigsten Punkte Bescheid wissen und betreffend Radio- und Fernsehgebühren korrekt handeln».

«Kritik ist politische Hetze»

Olivier Kessler, Initiant der No-Billag-Initiative, kritisiert: «Es kann nicht sein, dass Firmen, die Profiteure der heutigen Billag-Zwangsgebühren-Ordnung sind, Kinder an Schulen indoktrinieren mit dem Ziel, sie zu unterwürfigen Zwangsgebühren-Knechten umzuerziehen.» Den Profiteuren gehe es doch nur darum, weiterhin unanständig auf Kosten des Volkes abkassieren zu können. Im Falle einer unabhängigen Aufklärung müssten im Lernstoff Gegner und Befürworter zu Wort kommen.

Die Billag AG, Kompetenzpartnerin von Kiknet.ch, weist die Kritik zurück. Radio und TV sowie Service public seien Schweizer Alltag, sagt Mediensprecher Dominik Müller. «Wir sind vom Bundesamt für Kommunikation verpflichtet, darüber zu informieren, wozu auch Infos gehören, wie das Fernsehen heute finanziert wird.» Zu wissen, wie heute Radio und TV finanziert werden, sei nichts anderes als seit Jahren gelebte Transparenz.

«Diese Kritik ist traurig und politische Hetze», sagt Müller. Zudem macht er darauf aufmerksam, dass Kiknet, Eigentümerin der Unterrichtsmaterialien, diese bereits 2009 erstellt habe. «Wer behauptet, wir wollten damit Stimmung gegen die No-Billag-Initiative machen, liegt falsch.»

«So wissen Schüler, worum es bei Abstimmung geht»

Der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer hält den Themeninput für gerechtfertigt. «Die Billag-Gebühren gehören wie die Steuern oder die Krankenkassengebühren zu den finanziellen Pflichten im Leben, über die die Schüler Bescheid wissen sollten», sagt Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik. Lernten sie eine Steuererklärung auszufüllen, spreche auch niemand von einer Umerziehung zu Steuerknechten. Auch seien die Billag-Gebühren zurzeit ein besonders wichtiges Thema. «So wissen die Schüler, worum es bei der Abstimmung über die No-Billag-Gebühren geht.»

Laut Reto Braun, Leiter von Kiknet, verzeichnet die Plattform monatlich 30'000 Downloads. Den Lehrpersonen sei bewusst, dass die Unterrichtsmaterialien auf der Plattform teilweise nicht neutral gestaltet seien, sagt Brühlmann. «Es versteht sich von selbst, dass die Lehrpersonen den Stoff immer politisch neutral und mit der nötigen Kritik aufbereiten.»

Bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG heisst es, man habe mit dem Unterrichtsmaterial nichts zu tun. Mediensprecher Daniel Steiner stellt klar: «Die SRG hat beim erwähnten Angebot auf Kiknet nicht mitgewirkt.» Für die Informationen zur SRG seien öffentlich zugängliche Open-Content-Dokumente im Internet verwendet worden.

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