Aktualisiert 05.09.2016 08:53

Therwil BLSchüler will Handschlag weiter verweigern

Ein Interview des Händedruck-Verweigerers mit dem Nachrichtensender al-Jazeera sorgt auf Facebook für Diskussionen.

von
ij
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Amer Salhani thematisierte die Händedruck-Affäre in einem Interview mit dem Nachrichtensender al-Jazeera.

Amer Salhani thematisierte die Händedruck-Affäre in einem Interview mit dem Nachrichtensender al-Jazeera.

Screenshot / Facebook
«Politiker benutzen uns, um Stimmung gegen Muslime zu machen»: Die beiden 14- und 15-jährigen Schüler in der Basler König-Faysal-Moschee, wo ihr Vater als Imam amtet.

«Politiker benutzen uns, um Stimmung gegen Muslime zu machen»: Die beiden 14- und 15-jährigen Schüler in der Basler König-Faysal-Moschee, wo ihr Vater als Imam amtet.

Matthias Willi / SonntagsZeitung
«Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren.»

«Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren.»

Matthias Willi / SonntagsZeitung

In einem Video des Senders al-Jazeera äussert sich einer der beiden muslimischen Sekundarschüler aus Therwil BL zur Händedruck-Affäre, berichtet blick.ch. Das Interview wurde auf der Facebook-Seite des Senders veröffentlicht.

Der 15-jährige Amer Salhani sagt unter anderem, er verstehe nicht, wieso aus dem Fall so ein Drama gemacht werde. Seine Mitschüler würden ebenso denken. Er fühle sich gut integriert. Er lebe schon fast sein ganzes Leben lang in der Schweiz und kenne nichts anderes. Alle seine Klassenkameraden seien seine Freunde. Und auch mit diesem Problem, das eigentlich keines sei, seien seine Klassenkameraden ihm gegenüber aufgeschlossen.

Video wird fleissig kommentiert

Der Vater der beiden spricht im Interview über die Schweizer Kultur. Die Schweiz sei ein multikulturelles Land, sagt er. Wenn die Leute ihm nun sagten, dass das Händeschütteln in der Schweiz zur Tradition gehöre, bedeute das, das eine Tradition über die andere gestellt werde. Für ihn sei unverständlich, dass seine Kultur übergangen werde. Er könne das nicht akzeptieren.

Das Video auf Facebook wurde über tausendmal geteilt und fleissig kommentiert. Die meisten verstehen das Verhalten der Schüler nicht. «Es ist nur ein Handschlag, steht drüber», schreibt ein Nutzer, «Folge den Regeln des Landes, in dem du lebst» ein anderer.

Einbürgerungsgesuch sistiert

Amer und sein Bruder wollen aus religiösen Gründen generell Frauen nicht berühren. Die Schulleitung der Sekundarschule Therwil BL hatte mit ihnen deswegen vereinbart, dass sie auf den in dieser Schule üblichen Handschlag mit den Lehrpersonen verzichten können.

Der Fall sorgte Anfang April über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen. Der Kanton Baselland entschied daraufhin, dass eine solche Verweigerung nicht angehe. Die temporäre Regelung der Sekundarschule Therwil wurde aufgehoben. Wenn an Baselbieter Schulen der Händedruck weiterhin verweigert wird, drohen Sanktionen.

Der Wirbel um die Verweigerung des Handschlags hatte auch dazu geführt, dass das Einbürgerungsgesuch der muslimischen Familie der beiden Schüler sistiert wurde. Nach dem Medienwirbel will das Amt für Migration die ganze Familie vorladen.

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