Bezirksgericht Zürich: Schülerinnen nackt gefilmt – Gefängnis für Ex-Lehrer
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichSchülerinnen nackt gefilmt – Gefängnis für Ex-Lehrer

Mit versteckter Kamera hat ein ehemaliger Lehrer Schülerinnen, Nachbarn oder auch seine Nichte beim Duschen gefilmt. Vor Gericht schämte er sich für die Taten.

von
A. Szenogrady
Höchsstrafe oder bedingte Strafe? Darüber entscheidet das Bezirksgericht Zürich heute.

Höchsstrafe oder bedingte Strafe? Darüber entscheidet das Bezirksgericht Zürich heute.

Keystone/Christian Beutler

Es war am 30. Januar 2014, als eine Zürcher Primarschülerin während des Schwimmunterrichts im Hallenbad Borrweg in der Mädchengarderobe in einer Kindertasche eine laufende Digital-Kamera entdeckte. Schon bald war die Polizei vor Ort und nahm den Besitzer des Apparates fest.

Es handelte sich um einen heute 43-jährigen Primarlehrer, der im Rahmen einer Untersuchungshaft von 127 Tagen zum Schluss umfassende Geständnisse ablegte. Demnach hatte er bereits mehrere Wochen vor dem Vorfall immer wieder eine Go-Pro-Kamera in der Garderobe versteckt und damit diverse Schülerinnen der ersten und zweiten Primarklasse gefilmt.

Auch Nachbarn und Gymnasiastinnen gefilmt

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass der aufgeflogene und verheiratete Lehrer schon seit Jahren als krankhafter Voyeur unterwegs war. So filmte er an seinem Wohnort in der Ostschweiz mit der Hilfe eines Fernrohres auch seine Nachbarn unter der Dusche oder mit einer Spy-Cam seine Nichte sowie seinen Neffen auf der Haustoilette.

Im Mai 2013 nahm er an einem Klassenlager der Kantonschule Wattwil im Tessin als Hilfslehrer teil und filmte mit einem Spy-Cam heimlich diverse Gymnasiastinnen unter der Dusche.

Drei Jahre teilbedingt verlangt

Auch vor Gericht rang sich der Ex-Pädagoge zu einem Geständnis durch, schämte sich aber in Grund und Boden. Er gab wiederholt Neugier als Tatmotiv an, wand sich aber bei der Frage nach sexuellen Motiven. Er führte aus, dass er heute in der Finanzwirtschaft arbeite und regelmässig freiwillig eine Psychotherapie besuche, um einen Rückfall zu verhindern. Er habe sich auch von seinen technischen Geräten getrennt, gab er an.

Die zuständige Staatsanwältin sprach von einem ausserordentlich schweren Verschulden und forderte wegen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Hälfte davon unbedingt.

Viele Eltern im Gerichtssaal

Im Gerichtssaal hielten sich auch zahlreiche aufgebrachte Eltern der gefilmten Primarschülerinnen auf und verlangten für den Beschuldigten ein Berufsverbot als Lehrer. Die Mütter und Väter kauften dem Ex-Lehrer seine wiederholt beteuerte Einsicht nicht ab.

Verteidiger Valentin Landmann akzeptierte die Schuldsprüche, setzte sich aber für eine gesamthaft Bewährungsstrafe ein. So wolle sein umfassend geständiger Klient ein neues Leben beginnen, plädierte er.

Ein Jahr absitzen und Berufsverbot

Das Bezirksgericht verurteilte den früheren Pädagogen zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten und setzte für den bedingten Teil von 18 Monaten eine Probezeit von vier Jahren fest. 12 Monate soll der Täter absitzen. Wobei dies auch in Halbgefangenschaft möglich ist. Die Richter gingen von einem erheblichen Verschulden aus.

Das Gericht verpflichtete den Beschuldigten, rund zwölf Mädchen Schmerzensgelder zwischen 1000 Franken sowie 1500 Franken zu bezahlen. Zudem erteilte es ihm zwei Weisungen. Einerseits soll er sich weiterhin in eine Psychotherapie begeben. Andererseits wurde ihm vom Gericht untersagt, künftig eine entlohnte Tätigkeit mit Kindern auszuführen.

Verteidiger Valentin Landmann legte unmittelbar nach der Urteilseröffnung vorsorglich Berufung ein.

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