Schüsse auf Ex: Viereinhalb Jahre Knast
Aktualisiert

Schüsse auf Ex: Viereinhalb Jahre Knast

Viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe für den Mann, der in einem Zürcher Parkhaus auf seine Freundin geschossen und sie dabei schwer verletzt hat. Einen Tötungsversuch sahen die Geschworenen allerdings nicht als erwiesen an.

von
Attila Szenogrady

Es war mitten am Nachmittag, als der türkische Angeklagte aus Wald (ZH) am 19. Dezember 2000 im damaligen Zürcher Parkhaus Gessnerallee seine Ex-Freundin überraschte und mit einer Pistole drei Schüsse in ihre Richtung abfeuerte. Die dritte Kugel traf die heute 40-jährige Türkin ins linke Unterbein und verletzte sie massiv. Kurz nach der Tat stellte sich der heute 44-jährige Angreifer freiwillig der Polizei und verschwand anschliessend bis zum Sommer 2002 in Untersuchungshaft.

Versuchte vorsätzliche Tötung eingeklagt

Seit zehn Tagen musste sich der in der Sache grundsätzlich geständige Angeschuldigte vor dem Zürcher Geschworenengericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten. Wofür die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren verlangte. Der Mann habe mit den Schüssen den Tod seiner Ex-Partnerin in Kauf genommen, befand die Anklagebehörde. Was der Beschuldigte in Abrede stellte. Er habe die Geschädigte bloss erschrecken wollen und absichtlich daneben geschossen, sagte er. Die Verletzung führte er auf einen Abpraller zurück. Das Tatmotiv ging auf den gemeinsamen Sohn des Paares zurück. So wollte die Mutter den Kontakt zwischen Kind und Vater nach der Trennung abbrechen lassen. Was der Angeklagte offenbar nicht akzeptieren konnte.

Schwere Körperverletzung, aber kein Tötungsversuch

Das Zürcher Geschworenengericht hat in seinem am Mittwoch eröffneten Urteil einen Mittelweg eingeschlagen. Es hat den Angeklagten beim dritten Schuss wegen einer schweren Körperverletzung für schuldig befunden. Er habe eine erhebliche Verletzung des Opfers in Kauf genommen, sagte der Gerichtsvorsitzende Pierre Martin und ging damit von einem Eventualvorsatz aus. Eine versuchte vorsätzliche Tötung sah das Gericht allerdings als nicht erstellt an. Auch wegen widersprüchlicher Angaben der verletzten Ex-Freundin und ihrem Vater, der am Tatort dabei gewesen war. So hatten die beiden Zeugen in einer ersten Einvernahme angegeben, dass der Angeklagte in den Boden geschossen habe. Später führten sie gemeinsam aus, dass der Pistolenschütze gegen den Oberkörper seiner früheren Freundin gezielt und geschossen habe. Martin fügte hinzu, dass auch die polizeiliche ballistische Untersuchung kein klares Bild über den genauen Tathergang gebracht habe. Deshalb sei ein Tötungsversuch nicht erwiesen.

Viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe

Beim Strafmass ging das Gericht von einem schweren Verschulden aus. So habe der Angeklagte die Mutter seines Sohnes angeschossen. Trotzdem kam es auf eine Strafsenkung auf noch viereinhalb Jahre. Wovon der Angeklagte 623 Tage bereits verbüsst hat. Die Reduktion führte das Gericht auf die Verletzung des Beschleunigungsgebotes sowie auf eine leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit des Täters zurück. Er wurde verpflichtet, dem Opfer grundsätzlich Schadenersatz zu entrichten. Zudem ein Schmerzensgeld von 75 000 Franken. Es leidet heute noch unter den Folgen der Bluttat. Wenn es bei diesem Urteil bleibt, muss der Angeklagte wieder für über ein Jahr hinter Gitter.

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