Machtkampf in Thailand: Schüsse, Brandbomben, dutzende Verletzte
Aktualisiert

Machtkampf in ThailandSchüsse, Brandbomben, dutzende Verletzte

Der Machtkampf zwischen Opposition und Regierung in Thailand spitzt sich weiter zu. Mit Schüssen und Tränengas gingen Soldaten gegen Regierungsgegner vor.

Mindestens 70 Menschen wurden nach Angaben des Notfallkoordinationszentrums Erawan verletzt. Die Soldaten in Kampfausrüstung wollten in Bangkok eine grosse Strassenkreuzung räumen, die von den Demonstranten besetzt gehalten wurde. Sie ist mehrere Kilometer entfernt vom Hauptlager der Demonstranten vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva.

Die Sicherheitskräfte gaben hunderte Schüsse aus automatischen Waffen ab. Reporter der Nachrichtenagentur AP erklärten, die meisten Schüsse seien offenbar über die Köpfe der Demonstranten hinweg abgegeben worden. Die Regierungsgegner hätten ihrerseits mindestens eine Brandbombe auf die Sicherheitskräfte geschleudert. Die Verletzten litten überwiegend an den Folgen des Einsatzes von Tränengas, zwei Soldaten und zwei Zivilpersonen wiesen nach Angaben des Koordinationszentrums Schusswunden auf. Ein Sprecher der Streitkräfte sagte, auch die Demonstranten hätten Tränengas eingesetzt.

Seit Beginn der Massenproteste vor einer Woche war es die erste derartige Konfrontation zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Bei den Demonstranten handelt es sich um Anhänger des 2006 gestürzten thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Ihre Partei war bis Dezember vergangenen Jahres an der Regierung, ehe sie unter dem Druck monatelanger Massenproteste abgelöst wurde. Jetzt fordern die Aktivisten aus Thaksins Lager den Rücktritt von Ministerpräsident Abhisit.

Rücktritt gefordert

Nach Protesten und dem Abbruch des Asean-Gipfels hatte Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva am Sonntag den Notstand ausgerufen. Damit wurden auch Versammlungen von mehr als fünf Menschen verboten.

In der Hauptstadt kamen daraufhin tausende Menschen zu weiteren Protesten zusammen, zumeist Anhänger des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Sie fordern den Sturz Abhisits.

An Barrikaden um das Regierungsviertel standen junge Leute, die sich mit Brandsätzen bewaffnet hatten, berichteten Augenzeugen. «Wir bewegen uns keinen Schritt», sagte der Steinmetz Chaiya Chaiwichayakul. «Was wollen sie tun? Uns alle töten?»

Um die regierungskritischen Demonstrationen zu stoppen, bezogen am Sonntag Soldaten und Panzer in Bangkok Stellung. Die Soldaten sollten öffentliche Gebäude, Kreuzungen und den Verkehr sichern.

Die Demonstranten zeigten aber keine Absicht, sich freiwillig zu zerstreuen. Ihr Mentor, der 2006 gestürzte Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, rief sie aus dem Exil zur Revolution auf. Er forderte die Soldaten auf, sich den Demonstranten anzuschliessen.

Putsch nicht ausgeschlossen

Seit 1932 gab es in Thailand 18 Staatsstreiche. Beobachter schliessen einen weiteren nicht aus, falls sich die Lage weiter zuspitzt. Die Armee in Thailand geht üblicherweise nur zögerlich gegen Demonstranten vor, seit bei der Niederschlagung von Unruhen im Jahr 1992 Dutzende Menschen ums Leben gekommen waren.

Abhisit selbst war Ende 2008 nach Massenprotesten seiner Anhänger gegen die Regierung der neu formierten Partei Thaksins an die Macht gekommen. Abhisits Anhänger hatten unter anderem Bangkoks Flughafen besetzt, um den Rücktritt des damaligen Regierungschefs Somchai Wongsawat - Thaksins Schwager - zu erzwingen.

(AP/SDA)

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