Unruhiger Libanon: Schüsse in Beirut - Toter auch in Jordanien
Aktualisiert

Unruhiger LibanonSchüsse in Beirut - Toter auch in Jordanien

In den libanesischen Städten Beirut und Tripoli ist die Gewalt nach den bluteigen Protesten weiter eskaliert. Nun ist auch Jordanien betroffen - ein Soldat starb an der Grenze zum Libanon.

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bee/kub

Der syrische Bürgerkrieg weitet sich nach den blutigen Protesten am Wochenende im Libanon offenbar immer stärker in die Nachbarländer aus. In Beirut und anderen Städten Libanons kam es am Montag zu Feuergefechten zwischen Sicherheitskräften und Bewaffneten.

In der Nacht auf Montag ging die Armee in Beirut im sunnitischen Viertel Tarik al-Schdide gegen Bewaffnete vor. Aus dem Stadtteil waren Schüsse automatischer Waffen und panzerbrechender Raketen zu hören. Am Montagvormittag riegelten dann bewaffnete Kämpfer mehrere sunnitische Viertel ab.

Die vermummten und teils mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffneten Männer gaben sich als Unterstützer des früheren libanesischen Regierungschefs Saad Hariri und seiner oppositionellen Bewegung Zukunft aus. Beim Versuch der Armee, eine Strassenblockade zu räumen, schossen die Kämpfer auf Soldaten, die zurückschossen.

Tote auch in Tripoli

Nach drei Toten am Sonntag wurden im nördlichen Tripoli am Montag eine alawitische Frau sowie drei sunnitische Jugendliche und Kinder getötet. Bei den Zusammenstössen zwischen den Bewohnern eines sunnitischen Stadtteils und eines alawitischen Viertels wurden nach Angaben von Sicherheitskräften zudem acht Menschen verletzt.

Auslöser der Gewalt war der tödliche Anschlag vom Freitag auf den Geheimdienstchef Wissam al Hassan. Nach dessen Beerdigung am Sonntag hatten Hunderte wütende Demonstranten versucht, den Regierungssitz von Ministerpräsident Nadschib Mikati zu stürmen.

Soldaten drängten sie mit Warnschüssen und Tränengas zurück. Bereits zuvor hatten die Demonstranten den Rücktritt der von der Hisbollah dominierten Regierung gefordert.

Konflikt entlang der Konfessionen

Im Libanon halten die meisten Sunniten zu den mehrheitlich sunnitischen Aufständischen in Syrien. Die Mehrheit der Schiiten steht auf der Seite des syrischen Staatschefs Assad, der ein Alawit ist. Libanons Geheimdienstchef al Hassan war Sunnit und hatte sich mit Syrien und der schiitisch geprägten libanesischen Hisbollah überworfen.

Syrien hatte jahrzehntelang die Rolle einer Vormacht im Libanon gespielt. Auch lange nach dem Ende des 15-jährigen Bürgerkriegs 1990 unterhielt Syrien dort eine Armeepräsenz. Erst in der Empörung über das Hariri-Attentat 2005 konnte ihr Abzug durchgesetzt werden.

Schüsse an syrisch-jordanischer Grenze

Derweil kam es zu Schusswechseln an der jordanisch-syrischen Grenze. Dabei wurde laut Jordaniens Informationsminister Sameeh Maajtah ein jordanischer Grenzsoldat getötet. Nach Militärangaben hatten acht Bewaffnete versucht, illegal über die Grenzen nach Syrien einzureisen. Die Männer seien festgenommen worden.

Zunächst lagen keine Informationen über die Herkunft der Männer vor. In den vergangenen Monaten waren mehrfach Islamisten aus dem Ausland nach Syrien gekommen, um sich dem Aufstand gegen Präsident Baschar Assad anzuschliessen, bei dem seit März 2011 nach Angaben von Aktivisten mehr als 33 000 Menschen getötet wurden.

60 Tote am Montag in Syrien

Weltweit wächst die Befürchtung, dass sich der syrische Bürgerkrieg immer mehr auf die gesamte Region ausweitet. In Syrien selbst kamen nach Angaben von Aktivisten bei Kämpfen und Razzien am Montag 60 Menschen ums Leben, darunter neun Soldaten.

Der UNO-Syrienvermittler Lakhdar Brahimi, der sich seit Freitag in Syrien aufhält, hat bislang keine feste Zusage der Konfliktparteien für die von ihm vorgeschlagene Waffenruhe erhalten. Er hatte vorgeschlagen, die Regierungstruppen und die Rebellen sollten während der vier Feiertage zum islamischen Opferfest die Waffen schweigen lassen. (bee/kub/sda)

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