Strafgericht BS: «Schütze war unglaublich entschlossen, zu töten»

Aktualisiert

Strafgericht BS«Schütze war unglaublich entschlossen, zu töten»

Elton B.* wird im Fall des Doppelmords im Café 56 in Basel schuldig gesprochen. Er wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und für 15 Jahre des Landes verwiesen.

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las/lb
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Am Donnerstag fiel am Basler Strafgericht das Urteil gegen den Hauptbeschuldigten im Fall des Doppelmorders im Café 56.

Am Donnerstag fiel am Basler Strafgericht das Urteil gegen den Hauptbeschuldigten im Fall des Doppelmorders im Café 56.

Keystone/Georgios Kefalas
Schwer bewaffnete Polizisten schützen das Basler Strafgericht. Die Hauptverhandlung gegen den mutmasslichen Haupttäter und Schützen begann am 10. Dezember 2018 unter erhöhten Sicherheitsvorkerungen. Opfer wie auch Täter stehen in Verbindung mit dem organisierten Verbrechen.

Schwer bewaffnete Polizisten schützen das Basler Strafgericht. Die Hauptverhandlung gegen den mutmasslichen Haupttäter und Schützen begann am 10. Dezember 2018 unter erhöhten Sicherheitsvorkerungen. Opfer wie auch Täter stehen in Verbindung mit dem organisierten Verbrechen.

20 Minuten/las
Auf diesem Foto sind die beiden Toten, der 28-jährige Mirjan B. (Zweiter von links) und der 39-jährige Orges S. (Erster von rechts) zu sehen. Festim D. (24, Erster von links) ist ausser Lebensgefahr. Ermal K. (Zweiter von rechts) sass am Tatabend mit seinen drei Freunden zusammen. Er wurde als Einziger nicht getroffen. Dieses Bild entstand wenige Tage vor der Schiesserei im Café 56.

Auf diesem Foto sind die beiden Toten, der 28-jährige Mirjan B. (Zweiter von links) und der 39-jährige Orges S. (Erster von rechts) zu sehen. Festim D. (24, Erster von links) ist ausser Lebensgefahr. Ermal K. (Zweiter von rechts) sass am Tatabend mit seinen drei Freunden zusammen. Er wurde als Einziger nicht getroffen. Dieses Bild entstand wenige Tage vor der Schiesserei im Café 56.

zvg

Der Doppelmörder vom Café 56 wurde am Donnerstag vor dem Strafgericht Basel-Stadt zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Darüber hinaus wird er 15 Jahre des Landes verwiesen. Er wurde gemäss der Anklageschrift schuldig gesprochen.

Der in Italien wohnhafte albanische Staatsangehörige Elton B.* war beschuldigt worden, am 9. März 2017 zwei Landsleute im Basler Café 56 kaltblütig erschossen und einen weiteren schwer verwundet zu haben.

Kurz darauf stellte sich der 42-Jährige der Polizei und lieferte ein detailliertes Geständnis ab, welches er später aber widerrief. Er habe die Schuld nur auf sich genommen, um den wahren Täter – ein älteres Familienmitglied – zu decken, wie er vor Prozessauftakt durch seinen Verteidiger schriftlich erklären liess.

Indizien reichten für Verurteilung

Die Verteidigung hatte am Montag darauf hingewiesen, dass es keine konkreten Beweise für die Tatbeteiligung von B. gebe. Der Präsident der Fünferkammer gab bei der Urteilsverkündung am Donnerstag zu, dass es sich um einen Indizienprozess handle. «Es gibt allerdings ein geschlossenes Indiziennetz ohne Löcher, durch die der Beschuldigte schlüpfen könnte», so der Richter. In der Folge habe das Gericht keine ernsthaften Zweifel an seiner Beteiligung.

Kein einzelnes Indiz sei alleine ausschlaggebend für die Verurteilung gewesen. In Kombination aber reichten sie dem Gericht, um eine Verurteilung auszusprechen. Es wertete unter anderem den Mangel an Hinweisen auf eine beteiligte Drittperson, die B. zu beschützen vorgab, und das Aussageverhalten des Beschuldigten als belastend.

Lebenslänglich und 15 Jahre Landesverweis

Bereits durch die zwei Tötungen – eine davon aus kurzer Distanz mit einem Kopfschuss – die das Gericht beide als Morde qualifizierte, war das maximale Strafmass von 20 Jahren Freiheitsstrafe überschritten. «Der Schütze legte eine unglaubliche Entschlossenheit zu töten an den Tag. Sogar für einen Mord war der Kopfschuss in die Mitte der Stirn ausgeprägt gewissenlos», so der Richter.

Der bereits mehrfach zuvor verurteilte B. sei «völlig unbelehrbar und nicht von seinem kriminellen Weg abzubringen», hiess es weiter. Für ihn gelte nur sein eigenes Recht.

Weil es sich bei Mord um eine Katalogtat handelt und B. als albanischer Staatsangehöriger nicht vom EU-Freizügigkeitsabkommen profitiert, muss laut Strafgesetzbuch ein obligatorischer Landesverweis erfolgen. «Im Angesicht der Schwere der Tat wird die Maximaldauer von 15 Jahren verhängt», sagte der Richter.

Verteidigung plant, das Urteil anzufechten

Die Verteidigung, die auf Freispruch plädiert und keine Eventualanträge zur Strafminderung gestellt hatte, will den Fall zur nächsten Instanz weiterziehen. «Das Gericht hält selber fest, dass es keine Beweise gibt. Ein wesentlicher Schwachpunkt des Urteils ist zudem die angebliche Motivation meines Mandanten, sich nach einem Mehrfachmord ohne Not zu stellen», so der Verteidiger.

Die Staatsanwaltschaft ist indes zufrieden mit dem Urteil: «Laut dem Bundesgericht reicht eine geschlossene Indizienkette für eine Verurteilung aus», erklärte der Staatsanwalt. Ein Freispruch müsse nur erfolgen, wenn «nicht zu unterdrückende Zweifel» bestünden. Das sei hier nicht der Fall.

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