Ungewollte Kreditkarte - Schützen erhielten ungefragt «Visa» als Mitgliederkarte
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Ungewollte KreditkarteSchützen erhielten ungefragt «Visa» als Mitgliederkarte

Schützinnen und Schützen haben mit ihrer Lizenz ohne Einwilligung eine persönliche Kreditkarte nach Hause geschickt erhalten. Das sorgt nicht nur für Kritik von den Sportlern, sondern auch vom Datenschutzexperten.

von
Joel Probst
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Das ist die umstrittene Mitgliedskarte mit Bezahlfunktion.

Das ist die umstrittene Mitgliedskarte mit Bezahlfunktion.

20 Minuten
Sie wurde jedem Mitglied des Schweizer Schiesssportverbands zugeschickt – ungefragt.

Sie wurde jedem Mitglied des Schweizer Schiesssportverbands zugeschickt – ungefragt.

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Bei einigen Schützinnen und Schützen sorgt das für Unmut.

Bei einigen Schützinnen und Schützen sorgt das für Unmut.

Tamedia AG

Darum gehts

  • 40’000 Schützinnen und Schützen haben ihre neue Mitgliederkarte des Schweizer Sportschützenverbands erhalten.

  • Diese ist neu allerdings auch eine Visa-Kreditkarte.

  • Über das unerwartete Geschenk sind einige Schützinnen und Schützen alles andere als glücklich.

  • Auch Datenschutz-Experte Martin Steiger kritisiert das Vorgehen.

Einige Schützinnen und Schützen wurden durch den Brief unfreiwillig zu Kreditkartenbesitzern: 40’000 Mitglieder erhielten vom Schweizer Schiesssportverband eine «Visa»-Kreditkarte, ohne dass sie diese bestellt hätten. Ungefragt hat der Verband den Mitgliederausweis, mit dem man sich an Schiessanlässen ausweist, auf eine Kreditkarte «light» integriert. Diese ist bei Erhalt bereits einsatzbereit und verfügt über eine Monatslimite von 1000 Franken und einer Jahreslimite von 5000 Franken.

Diese neue Generation der Mitgliederkarte sorgt für Unmut unter den Sportschützinnen und Sportschützen. Knapp hundert Mitglieder haben bereits eine Petition gegen den Ausweis unterzeichnet. «Ungefragt wurden unsere Daten an das Finanzinstitut Bonuscard weitergegeben», kritisieren die Petitionäre den Verband SSV. Sie fordern, «dass wir umgehend eine Lizenzkarte ohne jegliche Fremdfunktion im Austausch bekommen können». Man behalte sich gar rechtliche Schritte gegen den Verband vor.

«Ohne meine Erlaubnis meine Daten herausgegeben»

Auch gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» machen Schützinnen und Schützen ihrem Ärger Luft: «Ich bin erschrocken, dass es möglich ist, für Verbandsmitglieder, ohne zu fragen, eine Kreditkarte zu erstellen», so ein Mitglied des SSV. «Man gibt nicht nur ohne meine Erlaubnis meine persönlichen Daten heraus, sondern macht auch noch gleich einen Vertrag mit einer Kreditkartenfirma. Dazu ist der SSV meiner Meinung nach nicht berechtigt», meint ein anderer Schütze. «Da hätte der SSV die Schützinnen und Schützen zumindest zuerst um Einwilligung fragen müssen», sagt ein Jungschütze zu 20 Minuten.

Der Datenschutz-Experte Martin Steiger hält das Vorgehen des SSV ebenfalls für bedenklich: «Auf Anhieb ist für mich nicht ersichtlich, inwiefern der SSV in dieser Angelegenheit die datenschutzrechtlichen Grundsätze eingehalten hat», so der Rechtsanwalt. «Ich gehe beispielsweise davon aus, dass für die Mitglieder nicht erkennbar war, dass ihre Personendaten an die Herausgeberin einer Kreditkarte weitergegeben wäre.»

Datenschutz-Experte kritisiert SSV

Es sei ungewöhnlich, dass ein Verband seinen Mitgliedern eine solche Kreditkarte aufdrücke. Steiger: «Alles in allem finde ich fragwürdig, dass der SSV die Personendaten seiner Mitglieder für eine magere Umsatzbeteiligung von 0,1 Prozent weitergab.» In den Augen Steigers verlieren die Schützinnen und Schützen gleich doppelt: «Die Mitglieder zahlen nun nicht nur mit ihren Daten, sondern auch mit vergleichsweise hohen Gebühren, wenn sie die Kreditkarte nutzen.»

Tatsächlich fliesst laut dem SSV «pro 1000 Franken Kreditkartenumsatz 1 Franke» an den Schützennachwuchs. «Wie jeder andere Sportverband sind wir auf Einnahmen durch Sponsoren und Partner angewiesen», so Sprecher Philipp Ammann. Er verteidigt das Vorgehen des Verbands: «Der SSV hat auf der Grundlage der eigenen Reglemente die Möglichkeit, Mitgliederkarten auszustellen und dabei auch Personendaten für eigene Zwecke zu nutzen.» Der SSV habe Bonuscards in diesem Rahmen die für die Kartenproduktion und den Versand notwendigen Daten übermittelt.

«Nutzung der Bezahlfunktion freiwillig»

Amman betont, die Nutzung der Bezahlfunktion sei freiwillig und könne umgehend gesperrt werden: «Der Schweizer Schiesssportverband hat für keines seiner Mitglieder einen Vertrag abgeschlossen.» Sowieso seien die Rückmeldungen von der Basis grösstenteils positiv, negative Rückmeldungen bewegten sich im Promillebereich, so der Sprecher: «Wir sind überzeugt, dass der grosse Teil der Schützinnen und Schützen die Vorteile dieser neuen Karte sieht.»

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