Korruptionsverdacht: Schützt die UCI Dopingsünder?
Aktualisiert

KorruptionsverdachtSchützt die UCI Dopingsünder?

Der Radsport kommt nicht zur Ruhe. Nach Lance Armstrong kommt jetzt auch der Weltverband der «Gümmeler» noch stärker unter Beschuss.

von
heg
UCI-Präsident Pat McQuaid. (Bild: Keystone)

UCI-Präsident Pat McQuaid. (Bild: Keystone)

Nach einem Bericht des «Wall Street Journal» hat der Radsport-Weltverband UCI fünf Fahrer trotz verdächtiger Blutwerte nicht gesperrt. Die UCI habe Ende 2009 eine Liste mit acht Namen erhalten, deren Biologischer Pass Unregelmässigkeiten aufwies. Suspendiert wurden bisher aber nur drei Fahrer: Der Italienier Franco Pellizotti, der Slowene Tadej Valjavec und der Spanier Jesus Rosendo. Ausser dem Italienier Pellizotti, der eine zweijährige Sperre verbüssen soll, wurden die anderen beiden Fahrer wieder entlastet. Valjavec wurde von Sloweniens Anti-Doping-Agentur freigesprochen, Rosendo ist an der Portugal-Rundfahrt im Einsatz.

Zwei Mitglieder des neunköpfigen Ärzte-Gremiums, das die Biologischen Pässe analysiert, sollen den Verdacht geäussert haben, die UCI schütze bestimmte Fahrer. Nun will die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada künftig Einsicht in die gesammelten Daten erhalten. «Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass das System nicht umgangen wird. Wir haben das Recht einzugreifen, wenn wir denken, dass Fälle nicht ordnungsgemäss verfolgt werden», sagte Wada-Direktor David Howman der Zeitung. Gemäss UCI-Präsident Pat McQuaid wurden die Daten nicht weitergeleitet, weil keine Pflicht bestand. «Ich wehre mich gegen Behauptungen, dass wir Betrüger nicht konsequent genug verfolgen.»

Armstrongs Spendengelder

Die Selbstkontrolle brachte den Weltverband in der Vergangenheit immer wieder in Erklärungsnot. Mit zunehmendem Druck musste McQuaid zuletzt eingestehen, dass Lance Armstrong der UCI in den Jahren 2002 und 2005 insgesamt 125 000 Dollar gespendet hatte. Für was ist bis heute nicht bekannt. Mit Armstrongs Rücktritt 2005 kam schnell der Verdacht auf, es könnte sich um einen «Sweetheart Deal» handeln. Dies, nachdem die UCI 2005 Armstrongs positiv analysierte EPO-Proben der Tour 1999 ignorierte und für sportjuristisch irrelevant erklärte.

Druck auf Armstrong wächst

Der siebenfache Tour-de-France-Sieger kann aber nicht aufatmen. Im Gegenteil. Die US-Behörden ermitteln gegen Armstrong wegen Verdachts auf Betrung und Verschwörung in seinem früheren Team US-Postal. Mehrere ehemalige Teamkollegen haben schon gegen ihren früheren Chef ausgesagt und von systematischem Doping gesprochen. Armstrong bestritt bisher alle Anschuldigungen.

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