Menschenrechtsverletzungen: Schuften Kinder auf Borneo für Nestlé-Palmöl?
Aktualisiert

MenschenrechtsverletzungenSchuften Kinder auf Borneo für Nestlé-Palmöl?

Auf malaysischen Palmölplantagen arbeiten Zehntausende Kinder. Laut Solidar Suisse importiert Nestlé dieses Öl in die Schweiz und weiss von den Menschenrechtsverletzungen.

von
jk
1 / 8
Die Oranisation Solidar Suisse hat bei lokalen Recherchen in Malaysia aufgedeckt, dass auf bestimmten Palmölplantagen Kinderarbeit an der Tagesordnung ist.

Die Oranisation Solidar Suisse hat bei lokalen Recherchen in Malaysia aufgedeckt, dass auf bestimmten Palmölplantagen Kinderarbeit an der Tagesordnung ist.

Solidar Suisse
Rund ein Viertel des importierten Palmöls in der Schweiz stammt laut dem Bund aus Malaysia.

Rund ein Viertel des importierten Palmöls in der Schweiz stammt laut dem Bund aus Malaysia.

Solidar Suisse
Die Organisation spricht von «unmenschlichen Bedingungen», unter denen rund 850'000 Menschen in den Palmölplantagen in Sabah auf der malaysischen Insel Borneo arbeiten. Unter den meist illegalen Einwanderern befinden sich zahlreiche Kinder.

Die Organisation spricht von «unmenschlichen Bedingungen», unter denen rund 850'000 Menschen in den Palmölplantagen in Sabah auf der malaysischen Insel Borneo arbeiten. Unter den meist illegalen Einwanderern befinden sich zahlreiche Kinder.

Solidar Suisse

Guetsli, Nutella, Päcklisuppen und Handseifen: Jedes sechste Produkt, das in unseren Supermarktregalen steht, enthält Palmöl. Das wichtigste Herkunftsland von Palmöl in der Schweiz ist Malaysia. Laut dem Bund stammt knapp ein Viertel der Importe von dort (siehe Box).

Teile dieses Palmöls werden unter menschenrechtsverletztenden Bedingungen hergestellt, wie neueste Recherchen der Schweizer Organisation Solidar Suisse zeigen. So ist etwa Kinderarbeit auf den von Solidar Suisse besuchten Plantagen alltäglich.

«Unmenschliche Bedingungen»

Die Organisation spricht von «unmenschlichen Bedingungen», unter denen rund 850'000 Menschen in den Palmölplantagen in Sabah auf der malaysischen Seite der Insel Borneo arbeiten. Unter den meist illegalen Einwanderern befinden sich 50'000 bis 200'000 Kinder. Laut Solidar Suisse haben diese keinen Zugang zu öffentlichen Schulen. Viele von ihnen würden arbeiten, um ihre Eltern zu unterstützen, weil deren Löhne kaum zum Überleben reichten.

Der Grossteil der Erwachsenen und Kinder habe keine gültige Papiere. Und sie hätten dadurch keine Möglichkeit, die Plantagen zu verlassen: Sonst drohten ihnen Verhaftung und Ausschaffung. Trotz Arbeit mit langen und schweren Stangen sowie Pestiziden besitzt laut Solidar Suisse niemand auf den Plantagen richtige Schutzkleidung. Die malaysische Regierung soll die prekären Bedingungen kennen.

Nestlé soll von Kinderarbeit wissen

Doch nicht nur sie: Solidar Suisse prangert weiter den multinationalen Konzern Nestlé an. Dieser ist einer der Hauptimporteure von Palmöl auf dem Schweizer Markt. Gemäss der Organisation bezieht der Konzern das Palmöl unter anderem aus der Region Sabah – also von jenen Plantagen, auf denen auch Kinder arbeiten.

«Unsere Recherche hat ergeben, dass die Mojokuto-Plantage ihre Ernte an zwei Palmölmühlen liefert, die beide auf der Liste der Palmölmühlen 2018 von Nestlé aufgeführt sind. Auch alle

weiteren Mühlen in der näheren Umgebung sind dort aufgelistet. Das Palmöl von Mojokuto landet mit fast vollständiger Sicherheit in der Lieferkette von Nestlé», schreibt Solidar Suisse. Bei Nestlé soll man von den desaströsen Zuständen auf den Plantagen wissen.

«Kein Platz für Menschenrechtsverletzungen»

Der Nahrungsmittelkonzern nimmt in einem Schreiben an 20 Minuten Stellung. «Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit haben haben bei uns keinen Platz», schreibt Nestlé. Die Vorwürfe von Solidar Suisse würden untersucht. «Falls sie zutreffen, werden wir Massnahmen ergreifen.» Menschenrechtsverletzungen würden nicht toleriert.

Auch auf Kakaoplantagen schuften Kinder

Es ist nicht das erste Mal, dass Nestlé mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht wird. 2012 etwa machte das UNO-Kinderhilfswerk Unicef publik, dass auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste bis zu 200'000 Kinder schufteten.

Nestlé liess daraufhin die eigene Lieferkette in der Elfenbeinküste überprüfen und versicherte, internationale Konventionen zu Arbeits- und Menschenrechten einzuhalten sowie die eigene soziale Verantwortung wahrzunehmen. Dazu hielt das Unternehmen schriftlich Standards fest.

Kontakt mit lokalen Behörden

Gemäss Solidar Suisse ist das der erste Schritt in die richtige Richtung, aber nicht genug, um Kinderarbeit zu bekämpfen: «Trotz der Menge an öffentlichen Publikationen ist es nicht möglich, das tatsächliche Engagement hinter den schönen Hochglanzbroschüren abzuschätzen.»

Simone Wasmann von Solidar Suisse sagt, es sei dringend nötig, dass Grosskonzerne wie Nestlé Kontakt mit den lokalen Behörden aufnehmen. «Weiter müssen die betroffenen Arbeiter direkt eine Stimme erhalten. Sie müssen die Möglichkeit haben, sich zu organisieren, um den Plantagenbesitzern nicht vollkommen ausgeliefert zu sein.»

27'000 Tonnen Palmöl pro Jahr

Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) kamen 2018 insgesamt 22 Prozent aller Schweizer Palmölimporte aus Malaysia. In den letzten zehn Jahren wurden durchschnittlich insgesamt knapp 27'000 Tonnen Palmöl jährlich in die Schweiz importiert. Während diese Zahl gemäss BLW relativ stabil bleibt, ist die Zahl der Importe aus Malaysia seit vier Jahren rückläufig. 2014 kamen noch 45 Prozent aller Importe von dort.

Deine Meinung