Aktualisiert 22.12.2003 16:45

Schuhbewurf: Es waren Extremisten

Angriffe muslimischer Extremisten auf den ägyptischen Aussenminister Ahmed Maher haben am Montag dessen Vermittlungsbemühungen in Jerusalem überschattet.

Bei einem Besuch der Al-Aksa-Moschee warfen Demonstranten nach Polizeiangaben Schuhe nach dem Politiker. Leibwächter führten Maher vom Gelände. Der Minister wurde offenbar nicht verletzt. Er habe aber über Unwohlsein geklagt, berichteten Augenzeugen. Maher wurde ins Krankenhaus gebracht.

Maher war zuvor unter anderem mit Ministerpräsident Ariel Scharon und Aussenminister Silvan Schalom zusammengetroffen, um den Friedensprozess im Nahen Osten wieder in Schwung zu bringen. Nach ersten Gesprächen zeigte sich der ägyptische Politiker zuversichtlich. Er sei ermutigt, erklärte Maher auf einer Pressekonferenz. «Der Ermutigung müssen aber Taten folgen. Wir hoffen, solche Taten beider Seiten sobald wie möglich zu sehen.» Scharon deutete im Gespräch mit Maher nach Angaben aus israelischen Regierungskreisen an, dass Israel auf ein Waffenstillstandsangebot der militanten palästinensischen Organisationen mit einem Ende seiner Militäraktionen reagieren würde. Die palästinensischen Untergrundorganisationen haben die ägyptische Forderung nach einem Waffenstillstand bislang zurückgewiesen.

Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia begrüsste am Montag Mahers Gespräche in Jerusalem. «Wir vertrauen den ägyptischen Schritten, und wir sind auf sie angewiesen», sagte Kureia. Maher hatte betont, eine Friedenslösung müsse beiden Seiten gerecht werden. Scharon hatte vergangenen Donnerstag angekündigt, Israel werde eine Lösung des Konflikts auf eigene Faust versuchen, sollte es in den nächsten Monaten keine Fortschritte bei der Umsetzung des internationalen Friedensplans geben.

Am Montag kam es im Westjordanland erneut zu Zusammenstössen zwischen israelischen Truppen und militanten Palästinensern. Vier Zivilisten seien verwundet worden, ein Extremistenführer sei festgenommen worden, berichteten Augenzeugen.

Wirbel um Kritik von Elitesoldaten an Scharons Politik

Die Kritik von Elitesoldaten an der Nahost-Politik Scharons sorgte unterdessen für weiteres Aufsehen. Generalstabschef Mosche Jaalon drohte den 13 Soldaten der angesehenen Kommandoeinheit Sajeret Matkal am Montag die Entlassung an, sollten sie ihre kritischen Äusserungen zur Militärtaktik in den besetzten Gebieten nicht zurückziehen. Die 13 Soldaten hatten in einem offenen Brief an Scharon am Sonntag erklärt, sie könnten nicht länger zu den Militäraktionen im Westjordanland und Gazastreifen schweigen, die «Millionen von Palästinensern ihrer Menschenrechte beraubten».

In der Eliteeinheit Sajeret Matkal haben mehrere Spitzenpolitiker gedient, darunter die ehemaligen Ministerpräsidenten Ehud Barak und Benjamin Netanjahu. Aus ihr entlassen zu werden, führt zu Karrierenachteilen. Heeressprecherin Ruth Jaron erklärte, Israel sei zwar ein demokratisches Land, die Streitkräfte würden es aber nicht hinnehmen, dass eine hoch angesehene Einheit als Plattform für Meinungsäusserungen benutzt werde.

(dapd)

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