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FreilassungSchuhwerfer klagt über Misshandlung

Der irakische Journalist und «Schuhwerfer» Montasser al-Saidi ist nach neunmonatiger Haft freigekommen. Im Gefängnis sei er mit Schlägen und Elektroschocks misshandelt worden.

von
pbl

Ausserdem sei am Tag seiner Festnahme im Dezember sein Kopf mit Wasser übergossen worden, um das Ertrinken zu simulieren, sagte Muntasser al-Saidi auf einer Pressekonferenz nach seiner Freilassung in Bagdad. Anschliessend sei er die ganze Nacht in der Kälte festgehalten worden.

«Zur selben Zeit, als Ministerpräsident Nuri al-Maliki sagte, er könne nicht ruhig schlafen, wenn er nicht gewiss sei, dass ich in Sicherheit bin, wurde ich auf alle mögliche Art und Weise gefoltert», erklärte Al-Saidi: «Ich fordere von ihm eine Entschuldigung dafür, dass er die Wahrheit verschwiegen hat.»

«Rache» für Kriegsopfer

Der Journalist hatte bei einem Besuch von George W. Bush im Dezember auf einer Medienkonferenz in Bagdad seine Schuhe in Richtung des damaligen US-Präsidenten geworfen und dabei gerufen: «Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!» Bush duckte sich weg und wurde nicht getroffen. In der arabischen Welt wurde Al-Saidis Aktion bejubelt.

Mit seiner Schuh-Attacke auf Bush habe er die Opfer des Irak-Kriegs «rächen» wollen, sagte Al-Saidi. «Die Möglichkeit dazu hat sich geboten, und ich habe sie nicht verstreichen lassen», sagte er. Indem er seine Schuhe in die «kriminelle Visage» des damaligen US-Präsidenten geschleudert habe, wollte er seinen Abscheu gegenüber dessen «Lügen» und der «Besatzung» des Irak deutlich machen. Künftig wolle er sich sozial engagieren und für Witwen und Waisen einsetzen, sagte der 30-jährige Fernsehjournalist.

An der Pressekonferenz im Gebäude des Fernsehsenders Al Bagdadija, bei dem er arbeitet, sagte Al-Saidi, er befürchte, körperlich, sozial oder beruflich ausgeschaltet zu werden. Er kündigte an, die Namen ranghoher Regierungs- und Militärvertreter zu nennen, die ihn misshandelt hätten. Al-Saidis Bruder Udai sagte, der Freigelassene werde am Donnerstag zu medizinischen Untersuchungen und aus Sicherheitsgründen nach Griechenland reisen.

Goldenes Pferd aus Katar

Al-Saidi war ursprünglich zu drei Jahren Haft verurteilt worden, ein Berufungsgericht verkürzte aber die Strafe wegen guter Führung. Seine Unterstützer hatten schon am frühen Morgen ein Festzelt aufgebaut, um den Schuhwerfer zu feiern. Sie schlachteten zu seinen Ehren mehrere Schafe und liessen irakische Volksmusik spielen.

Der Emir von Katar wollte ihm laut Saidis Bruder Durgham ein Pferd aus Gold schenken, der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi wolle ihm einen Orden verleihen, andere hätten Sportwagen versprochen. Zudem erhielt er zahlreiche Heiratsangebote. (pbl/sda/dapd)

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