Wütende Reaktionen auf Karte : Schulcluster-Website wird mit Fake-Meldungen überflutet
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Wütende Reaktionen auf Karte Schulcluster-Website wird mit Fake-Meldungen überflutet

Kritiker prangern die Betreiber der Website Schulcluster.ch als «Schul-Denunzianten» an. Etwa rufen sie auf, deren Mailbox mit Falschmeldungen zu sprengen.

von
Bettina Zanni
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Seit rund einer Woche erfasst die Website Schulcluster.ch auf einer Karte Schulausbrüche im Zusammenhang mit der britischen und südafrikanischen Corona-Mutation.

Seit rund einer Woche erfasst die Website Schulcluster.ch auf einer Karte Schulausbrüche im Zusammenhang mit der britischen und südafrikanischen Corona-Mutation.

Screenshot/schulcluster.ch
«Das sind Schul-Denunzianten, die denken, sie müssen Hilfs-Sheriffs spielen», schrieb eine Userin.

«Das sind Schul-Denunzianten, die denken, sie müssen Hilfs-Sheriffs spielen», schrieb eine Userin.

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Auch forderte die Userin auf, über das Kontaktformular der Website eine Nachricht zu hinterlassen.

Auch forderte die Userin auf, über das Kontaktformular der Website eine Nachricht zu hinterlassen.

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Darum gehts

  • Die Betreiber der Website Schulcluster.ch erfassen auf einer Karte Schulausbrüche im Zusammenhang mit Corona-Mutationen.

  • Nun hetzen Kritiker, darunter eine Primarlehrerin, dagegen und rufen zu Falschmeldungen auf.

  • «Wir erhielten über 80 Falschmeldungen und Dutzende Hass-Nachrichten», so eine Betreiberin der Website.

Heftiger Widerstand regt sich gegen die Website schulcluster.ch. Seit rund einer Woche erfasst diese auf einer Karte Schulausbrüche im Zusammenhang mit der britischen und südafrikanischen Corona-Mutation. «Das sind Schul-Denunzianten, die denken, sie müssten Hilfs-Sheriffs spielen», schrieb eine Userin am Mittwoch – wenige Stunden, nachdem 20 Minuten einen Beitrag darüber veröffentlicht hatte.

Auch forderte die Userin auf, über das Kontaktformular der Website eine Nachricht zu hinterlassen. Den Aufruf postete sie in der Facebook-Gruppe «Zu viel ist zu viel! Gegen den Bundesentscheid/Kanton». Die Userin bezeichnet sich auf ihrer Website als Primarlehrerin.

«Wir erhielten über 80 Falschmeldungen»

Andere Mitglieder der Gruppe folgten dem Aufruf sofort. «Grad nen Kommentar hinterlassen..auch wenn er nicht veröffentlicht wird! Los..wir sprengen deren ihre Mailbox», antwortete eine Nutzerin. Eine weitere schlug vor, der Website anonym diverse Schulen zu melden. «Da git de e huere puff bi därä», freute sich diese.

Am Mittwoch wurde die Inbox von Schulcluster.ch mit Nachrichten überflutet, wie A. D.*, eine der BetreiberInnen der Website, zu 20 Minuten sagt. «Wir erhielten über 80 Falschmeldungen und Dutzende Hass-Nachrichten.» Dass es sich um Falschmeldungen handle, zeige die auffällig hohe Anzahl anonymer Meldungen von angeblichen Schulausbrüchen.

Panikmache vorgeworfen

In den Hass-Nachrichten, von denen einige der Redaktion vorliegen, werfen die Absender den Verantwortlichen Panikmache vor und fordern, die Kinder in Ruhe zu lassen. «Merkt ihr eigentlich nicht, was ihr mit eurer Panikmache alles anrichtet? Ist nicht schon genug Leid entstanden?», schreibt ein Mann. «Müssen die Kinder nun auch noch bluten, nur wegen eurer völlig unbegründeten, irrationalen Angst?» Den Betreibern empfiehlt er, sich «gefälligst zu isolieren und in ihre Löcher zu verkriechen».

Ein weiterer Absender bezeichnet die Betreiber als «gläubige Zeugen Coronas», die «krank im Kopf» und Anhänger einer Weltuntergangssekte seien. «Diese Reaktionen sind himmeltraurig», sagt A. D. Derartige Verhaltensweisen verhinderten einen friedlichen Umgang mit der Pandemie.

Neue Bedingungen

Aufgrund der Falschmeldungen haben die Betreiber das Vorgehen angepasst. Anonyme Meldungen von Schulausbrüchen seien nicht mehr möglich, sagt A. D. «Um Falschmeldungen herauszufiltern, müssen wir neu auf eine Quelle bestehen.» Zuvor versahen die Verantwortlichen Meldungen, die anonym eingehen, auf der Karte mit einem Fragezeichen. «Bis jetzt stellten sich alle anonymen Meldungen ein paar Tage später als wahr heraus, sodass wir das Fragezeichen auf ein Warnschild umstellten», sagt A. D.

Während Beizen und Läden geschlossen sind und eine Homeoffice-Pflicht besteht, sind die Schulen in der Pandemie nach wie vor geöffnet. Seit Wochen prallen Gegner und Befürworter der noch geöffneten Schulen aufeinander.

Mit den auf einer Karte erfassten Schulausbrüchen heizen die Betreiber der Website den Streit um das Thema weiter an. Mehrheitlich seien die Reaktionen jedoch positiv ausgefallen, sagt A. D. «Viele Eltern danken uns für die Arbeit.»

*Name der Redaktion bekannt.

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