Probleme beim Timing: Schuld ist (auch) der Schläger
Aktualisiert

Probleme beim TimingSchuld ist (auch) der Schläger

Nicht das erste Mal in seiner Karriere klagt Roger Federer über «Probleme beim Timing». Ein Problem, das auch an der Art seines Schlägers liegt.

von
Patrick Toggweiler

Bei Roger Federers Spielgerät handelt es sich um einen Wilson BLX Six.One Tour. Für was diese Bezeichnung auch immer stehen mag, charakteristisch für diesen Schläger ist sein kleiner Schlägerkopf. Gerade mal 580.64 cm² misst dieser. Üblich sind 645 cm². Das sind 10% Differenz – unendlich viel im Spitzensport.

Nur gerade Roger Federer und James Blake wagen sich mit einem so kleinen Schlägerkopf auf die Tour. Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Murray, Andy Roddick und wie sie alle heissen – sie alle, unabhängig von Marke und Modell, spielen mit Schlägerköpfen mit 645 cm².

Kleiner «sweetspot»

Das kleinere Saitenbett hat einen etwas kleineren «sweetspot» zur Folge. Hinter diesem Begriff verbirgt sich nichts anderes als der Bereich des Schlägers, wo der Ball im besten Fall getroffen werden sollte. Es handelt sich dabei nicht um einen Punkt, sondern um eine Fläche. Die Experten von «Tennis-Warehouse» attestieren Federers Racket «nicht den grössten», dafür aber einen äusserst soliden «sweetspot». Den ersten Teil aus dem Tennis-Fachchinesich übersetzt: Man muss den Ball enorm präzise treffen. Präzision und Timing gehen im Tennis Hand in Hand.

Ein grösserer «sweetspot» schluckt schon mal ein zu frühes oder zu spätes Treffen des Balles. Das Zeitfenster für einen gelungenen Schlag wird vergrössert. Genau umgekehrt verhält es sich mit einem kleinen «sweetspot». Roger Federers Zeitfenster, den Ball optimal zu treffen, ist demnach kleiner als dasjenige von Novak Djokovic oder Andy Murray. Bei den enormen Tempi, auf welche die Profis die Schlägerköpfe beschleunigen, mag es sich um wenige Hundertstel oder Tausendstel handeln – aber im Spitzensport entscheiden oftmals minimale Unterschiede über Sieg oder Niederlage.

Kontrolle vs. Power

Selbstverständlich handicapiert sich Roger Federer nicht selber – und ein kleiner Schlägerkopf bietet auch Vorteile. Die Grundregel bei Tennisschlägern lautet: Je grösser der Schlägerkopf, desto mehr Power, je kleiner, desto bessere Kontrolle – oder wie es «tennis warehouse» nannte: einen «soliden sweetspot». Roger Federers Zauberschläge haben ihren Ursprung vor allem in seinem Talent und viel Training – die Bauart seines Schlägers unterstützt ihn aber in seiner Veranlagung.

Selbstverständlich beeinflussen viele weitere Faktoren wie die Saitenwahl, Bespannungshärte, Gewicht (Federer spielt auch eines der schwersten Rackets auf der Tour), Rahmenbreite, Rahmenmaterial und und und das Spiel eines Profis. Wenn Roger Federer aber Probleme beim «Timing» angibt, dann hat er aufgrund seines Rackets eine kleine süsse Ausrede.

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