Stuntman zum Tod am Filmset – «Schuld liegt beim Spezialisten, der ihm die Waffe übergeben hat»
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Stuntman zum Tod am Filmset«Schuld liegt beim Spezialisten, der ihm die Waffe übergeben hat»

Der tödliche Unfall am Set vom Western «Rust» wirft Fragen zum Umgang mit Waffen bei Filmdrehs auf. Die Stuntmänner Oliver Keller und René von Gunten erklären.

von
Angela Hess

Darum gehts

  • Ein Zwischenfall am Set von «Rust» endete für Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich.

  • Schauspieler Alec Baldwin (63) gab mit einer Waffe einen Schuss ab, der die 42-Jährige traf. Hutchins erlag im Spital ihren Verletzungen.

  • Die beiden Schweizer Stunt-Profis Oliver Keller (46) und René von Gunten (60) erläutern im Interview mit 20 Minuten den Umgang mit Waffen an Filmsets.

  • Beide verfügen über langjährige Erfahrung im Stunt-Bereich, unter anderem für grosse Hollywood-Produktionen, und betonen: Sicherheit geht über alles.

Am Set vom neuen Western-Film «Rust» von und mit Alec Baldwin (63) ist es während Dreharbeiten zu einem tragischen Vorfall gekommen. US-Berichten zufolge erschoss der Hollywoodstar aus Versehen die Kamerafrau Halyna Hutchins (42) und verletzte den Regisseur Joel Souza (48). Der zuständige Sheriff erklärte am Donnerstag: «Nach Angaben der Ermittler und Ermittlerinnen scheint es, dass beim Filmen einer Szene eine Requisitenwaffe zum Einsatz kam, die abgefeuert wurde.»

Der genaue Hergang des Unfalls und ob echte Patronen oder Schreckschussmunition involviert waren, ist noch nicht bekannt. Zahlreiche Fragen stehen unbeantwortet im Raum, allen voran: Wie konnte es so weit kommen?

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Alec Baldwin (63) ist als Co-Produzent und Hauptdarsteller am neuen Western «Rust» beteiligt.

Alec Baldwin (63) ist als Co-Produzent und Hauptdarsteller am neuen Western «Rust» beteiligt.

Instagram/alecbaldwininsta
Medienberichten zufolge hat Baldwin beim Dreh Halyna Hutchins mit einem Schuss getroffen. Die 42-Jährige erlag im Spital ihren schweren Verletzungen.

Medienberichten zufolge hat Baldwin beim Dreh Halyna Hutchins mit einem Schuss getroffen. Die 42-Jährige erlag im Spital ihren schweren Verletzungen.

Getty
Sie war beim Dreh für «Rust» für die Kameraführung verantwortlich.

Sie war beim Dreh für «Rust» für die Kameraführung verantwortlich.

Getty

20 Minuten hat mit den langjährigen Schweizer Stuntmännern Oliver Keller (46) und René von Gunten (60) gesprochen, um mehr über den Einsatz von Schusswaffen an Filmsets zu erfahren. Beide betonen, dass derartige Drehs durch strenge Sicherheitsvorkehrungen strukturiert werden und in der Regel Schreckschusswaffen eingesetzt werden. «Wenn beim Film mit einer Waffe gearbeitet wird, ist immer eine geschulte Person vor Ort», so von Gunten. «Sie übergibt die Waffe direkt vor Beginn der Aufnahme an den Darsteller oder die Darstellerin und sichert sie dann auch zwischen den Takes.»

Richtiger Umgang ist das A und O

Keller bestätigt: «Am Set wird eine Waffe in der Regel vor der Szene vom Waffenspezialisten oder der -spezialistin an die Schauspielerin oder den Schauspieler ausgehändigt.» Geladen werde sie dann erst direkt vor deren Augen mit einer Platzpatrone. Die Schreckschusswaffen sind denn auch gar nicht dazu konstruiert, richtige Patronen abzufeuern: «Sie haben eine Verstopfung im Lauf, die gar keinen Platz dafür lässt.»

Obwohl es sich nicht um echte Waffen und Munition handelt, ist es wichtig, dass die Stunts ausreichend vorbereitet werden. «Die Schauspielerinnen und Schauspieler müssen mit der Waffe umgehen können», so René von Gunten. Der Stuntman, der seinen Beruf seit 30 Jahren ausübt, erklärt: «Nicht nur für die Sicherheit, sondern auch, damit es im Film gut aussieht.» Wenn die Personen den Umgang mit einer Waffe nicht kennen, müsse im Vorfeld geprobt werden.

Stars mit grossen Egos lehnen Training ab

Wie die Proben schlussendlich ablaufen, ist laut Keller jedoch unterschiedlich und durchaus auch abhängig vom Budget des Films. Zudem verzichten Beteiligte auch freiwillig darauf: «In Hollywood gibt es viele Darstellerinnen und Darsteller mit grossen Egos, die glauben, kein Training zu benötigen, weil sie schon 100 mal geschossen haben.»

Keller und von Gunten betonen, dass kein Stunt unterschätzt werden darf und Sicherheit immer gross geschrieben werden muss. Wenn es an einem Filmset trotz allem zu einem Unfall kommt, sei das immer tragisch. «So etwas wie am Set von ‹Rust› sollte nicht passieren», findet Oliver Keller. Die Schuld trifft seiner Meinung nach aber nicht Alec Baldwin. «Die Schuld liegt beim Prop-Master der Requisite oder dem Waffenspezialisten oder der -spezialistin, der oder die ihm die Waffe übergeben hat.»

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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