Aktualisiert 07.06.2012 13:43

In der NHL gang und gäbeSchulden? Die Liga wird es schon richten ...

Die New Jersey Devils stehen zehn Mal so hoch in der Kreide wie die Kloten Flyers in der Schweiz. Dass die Liga sie und vier weitere Klubs unterstützt, ist in der NHL normal.

von
Jürg Federer
USA

Der Fall der Kloten Flyers, die in der Schweiz mit dem Konkurs kämpfen, ist ein Produkt von freier Marktwirtschaft. Spieleragenten erzielen für ihre Schützlinge hohe Preise, weil das Angebot an Topathleten klein ist. Die erfolgshungrigen Klubs sind bereit, den Preis zu bezahlen, weil ihre Nachfrage nach NLA-tauglichen Spielern gross ist. Amerika ist das Land, in dem freie Marktwirtschaft in der Verfassung niedergeschrieben, in der Nationalhymne festgehalten und in den Herzen der Bürger verewigt ist. Wie in Kloten funktioniert das Prinzip aber auch da nicht einwandfrei.

Fünf Clubs am Tropf der NHL

Die New Jersey Devils, die sich aktuell im Stanley-Cup-Final mit den Los Angeles Kings duellieren, sind hoch verschuldet. Dem Besitzer Jeff Vanderbeek fehlen 80 Millionen US-Dollar. Damit ist das Loch in der Kasse fast zehn Mal grösser als dasjenige bei den Kloten Flyers. Dass das oberste Organ eines Verbandes zur finanziellen Rettung herbeieilt ist in der NHL - anders als in der Schweiz - kein Ausnahmefall sondern Tagesgeschäft. Bereits seit Februar fliesst Geld von der NHL über den Hudson River nach New Jersey, um die laufenden Kosten der Devils zu decken. Ebenfalls am Tropf der Liga hingen diese Saison die Dallas Stars, die Florida Panthers und die Columbus Blue Jackets, die Phoenix Coyotes sind sogar im Besitz der NHL.

Kommt in der besten Liga der Welt ein Klub finanziell auf Abwege, greifen NHL-Commissioner Gary Bettman sowie eine Horde von Anwälten und Finanzspezialisten in Anzügen ein, übernehmen das sinkende Schiff, sorgen für Defizitgarantien und halten ihren Gesellschaftern mit Ausgabensenkungen – Haircut sagen die Amerikaner dazu – am Leben. Teure Spieler mit langen Verträgen werden wie Aktivposten behandelt, sie werden verkauft und aus der passiven Seite der Buchhaltung gestrichen. Genau das tut Philippe Gaydoul in der Schweiz mit den Kloten Flyers.

Der Beste spielt für ein Butterbrot

Die Angst, dass der wirtschaftlichen Abmagerung der sportliche Hungertot folgt, ist dabei völlig unbegründet. In der NHL hat seit dem letzten Lockout in der Saison 2004/05 nie eines der fünf teuersten Teams den Stanley Cup gewonnen. In den NHL-Playoffs 2012 ist mit Jonathan Quick ein Spieler zum grossen Star und wertvollsten Athleten der Liga aufgestiegen, der die Lohnbuchhaltung seines Klubs lediglich mit 1,8 Millionen US-Dollar belastet – das ist in der NHL ein Butterbrot. Quick ist der Beste einer Liga, die mit Athleten wie Brad Richards (12 Mio., Conference Final-Out mit den New York Rangers), Ilja Brysgalow(10 Mio., Conference-Halbfinal-Out mit den Philadelphia Flyers) und Jewgeni Malkin (9 Mio., Conference-Viertelfinal-Out mit den Pittsburgh Penguins) dekoriert ist.

Löhne sind im Sport, wie auch in der Wirtschaft, immer ein Leistungsausweis für die Meriten der Vergangenheit. Sportlicher Erfolg basiert aber auf dem Talent, die Leistungen eines Spielers in der Zukunft zu prognostizieren. Wer das Auge, den Mut und die Schlauheit hat, einen Jonathan Quick in der dritten Draftrunde als «Overager» zu verpflichten, der hat die Chance, sieben Jahre später um den Stanley Cup zu spielen und damit der freien Marktwirtschaft einen Streich zu spielen. Das ist in der Schweiz genau gleich wie in Amerika. Mit einem guten Auge, Mut und Schlauheit können die Kloten Flyers in Zukunft auch mit einem kleineren Budget um die Meisterschaft mitspielen.

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