Lieber Phil Geld: Schulden oder Vermögen – was erbe ich?
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Lieber Phil GeldSchulden oder Vermögen – was erbe ich?

Cédrics (34) Vater ist gestorben. Wie es finanziell um seinen alten Herrn stand, weiss Cédric nicht. Soll er die Erbschaft dennoch annehmen?

Schulden müssen nicht vererbt werden: Erben dürfen eine Erbschaft auch ausschlagen. (Bild: Youtube)

Schulden müssen nicht vererbt werden: Erben dürfen eine Erbschaft auch ausschlagen. (Bild: Youtube)

Lieber Phil Geld

Mein Vater ist letzten Monat gestorben. Über finanzielle Angelegenheiten haben wir nie gesprochen, weshalb ich nun auch keine Ahnung habe, wie es finanziell um ihn stand und ob ich die Erbschaft annehmen soll. Ich möchte auf keinen Fall Schulden erben, da ich Alleinerbe bin. Was kann ich tun, um herauszufinden, ob mein Vater Schulden hinterlassen hat?

Lieber Cédric

Gemäss Art. 560 ZGB werden die Schulden des Erblassers zu den persönlichen Schulden der Erben, für die sie mit dem Erbschafts- und dem eigenen Vermögen einzustehen haben. Bei Befürchtung einer Überschuldung können die Erben aber eine Erbschaft ausschlagen.

Die Frist, um eine Erbschaft auszuschlagen, beträgt drei Monate. Sie beginnt für die gesetzlichen Erben grundsätzlich mit dem Zeitpunkt des Todes der verstorbenen Person. Für die eingesetzten Erben beginnt sie, wenn ihnen die amtliche Mitteilung von der letztwilligen Verfügung des Erblassers zugeht.

Die Ausschlagung muss bei der zuständigen Behörde mündlich oder schriftlich erklärt werden und von dieser zu Protokoll genommen werden (Art. 570 ZGB). Wird die Erbschaft nicht innert drei Monaten ausgeschlagen, gilt die Erbschaft als angenommen. Die Erben haften für sämtliche Schulden. Auch für solche, die erst viel später zum Vorschein kommen. Denn wer einmal die Erbschaft angenommen hat, kann später nicht mehr davon zurücktreten.

Da die Erben nur in den wenigsten Fällen die finanziellen Verhältnisse der verstorbenen Person eindeutig kennen, ist es wichtig, sich rasch einen Überblick darüber zu verschaffen. Auskunft über die finanzielle Lage des Verstorbenen können die letzte Steuererklärung, aktuelle Bankauszüge oder ein Betreibungsregisterauszug geben.

Falls danach die finanzielle Situation noch immer nicht genug transparent vorliegt und Zweifel darüber bestehen, ob mehr Schulden als Vermögen vorhanden sind, kann jeder Erbe innert eines Monats nach dem Tod des Erblassers bei der zuständigen Behörde ein sogenanntes öffentliches Inventar verlangen. Dabei werden von der zuständigen Behörde alle Gläubiger des Verstorbenen über Amtsblätter oder Tageszeitungen aufgerufen, ihre Forderungen innert Frist anzumelden.

Nach Abschluss des Inventars müssen sich die Erben entscheiden, ob sie die Erbschaft vorbehaltlos oder unter öffentlichem Inventar annehmen wollen, sie die Erbschaft ausschlagen oder die amtliche Liquidation verlangen wollen. Wird die Erbschaft unter öffentlichem Inventar angenommen, so haften die Erben nur für diejenigen Schulden, die im öffentlichen Inventar auch aufgeführt worden sind.

Ich rate dir, dir so rasch als möglich einen Überblick über die finanziellen Verhältnisse deines Vaters zu verschaffen. Hast du Zweifel darüber, ob mehr Schulden als Vermögen vorhanden sind: Verlange bei der zuständigen Behörde die Aufnahme eines öffentlichen Inventars, falls die einmonatige Frist noch nicht abgelaufen ist.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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