Fall Rheinfelden: «Schuldig des Mordes»: Ehemann erhält 20 Jahre

Aktualisiert

Fall Rheinfelden«Schuldig des Mordes»: Ehemann erhält 20 Jahre

Das Urteil in dem spektakulären Mordprozess von Rheinfelden AG ist gesprochen. Der Angeklagte wurde vom Bezirksgericht zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt - ein Urteil, das der Mann nicht emotionslos entgegennahm.

Mit gesenktem Kopf und nachdenklichem Blick betrat der Angeklagte Klaus L. heute Nachmittag den Gerichtssaal in Rheinfelden. Es war ein Ausdruck der Beklemmtheit, der Ungewissheit, der Angst vielleicht auch. Eine Ungewissheit und Angst, die der Angeklagte kurz darauf von den Bezirksrichtern bestätigt bekam. «Schuldig des Mordes» lautet das Urteil in dem spektakulären Indizienprozess, der Bevölkerung und Medien gleichermassen in Atem hielt. 20 Jahre muss der 52-jährige Physiotherapeut ins Gefängnis. Ein Urteil, das beim Angeklagten seine Spuren hinterliess. Unmittelbar nach dem klaren Verdikt zeigte der Angeklagte Emotionen. Er schlug die Hände vor sein Gesicht, nahm das Urteil schluchzend entgegen und legte sogleich seinen Kopf auf den Tisch. So verharrte er lange. Nur langsam stützte er sich mit den Ellbogen auf seinem Pult wieder auf. Sein Gesicht hielt er jedoch bedeckt - und er schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. Bis zum Ende der Urteilsbegründung.

Emotionen auch unter den Zuschauern

Emotional wurde das Urteil aber auch unter den Zuschauern aufgenommen. Mit der Verkündung ging ein Raunen durch das Publikum. Und nicht alle waren mit dem Urteil zufrieden. Vereinzelt waren Schluchzer in den Rängen zu vernehmen. Vereinzelt flossen Tränen.

Doch einig waren sich die sechs Richter keinesfalls. Der Entscheid sei knapp ausgefallen, sagten sie während der Urteilsverkündung. Hätte die Mehrheit der Richter für Freispruch gestimmt, würde die Geschichte nun anders verlaufen..

Hohe Geldzahlungen gefordert

So bleibt dem Physiotherapeuten – nach jetzigem Stand - eine lange Zukunft hinter Gittern. Die 907 Tage, die er bereits in Untersuchungshaft verbringen musste, werden nicht angerechnet - es warten Jahre im Gefängnis. Zudem muss der Verurteilte hohe Geldzahlungen leisten. Das Gericht verurteilte ihn zu Schadenersatzzahlungen in der Höhe von 204'000 Franken für den ersten Sohn und 178'000 Franken für den zweiten Sohn. Hinzu kommen Genugtuungszahlungen für den ersten Sohn über 80'000 Franken und 60'000 Franken für den zweiten Sohn. Auch die Kosten für die psychologische Behandlung der Kinder muss er bezahlen. Die Verfahrenskosten werden noch separat verhandelt.

In der Beurteilung des Tötungsdeliktes folgte das Gericht mehrheitlich der Anklage, die auf Mord plädiert hatte. Sie forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Verteidigung beantragte einen Freispruch mangels Beweisen. Der Verurteilte hatte die Tat bis zuletzt bestritten.

Grossandrang im Feuerwehrgebäude

Der spektakulärste Mordprozess der jüngeren Vergangenheit in der Schweiz sorgte bereits vor der Urteilsverkündung für einen Grossandrang: Bereits 45 Minuten vor der mit Spannung erwarteten Urteilsverkündung bildete sich eine lange Menschenschlange vor dem Feuerwehrgebäude in Rheinfelden. Dorthin wurde der Indizienprozess verlegt - wegen des grossen Interesses.

Lebenslange Freiheitsstrafe oder Freispruch?

Staatsanwältin Christina Zumsteg sprach während der mehrteiligen Verhandlungen von einer «abscheulichen Tat», die von langer Hand geplant und knallhart ausgeführt worden sei. Für den «hinterhältigen Mord» komme nur der Ehemann in Frage. Sie fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Die einzelnen Indizien in der Beweiskette der Anklage reichten für einen Schuldspruch nicht, sagte hingegen der Verteidiger des Angeklagten. Es könne nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass ein anderer die Tat begangen habe. Die von der Anklage konstruierten Tatmotive seien «Hirngespinste». Die Staatsanwaltschaft habe keine Beweise, nur Indizien mit «geringem Wahrscheinlichkeitswert». Er plädierte auf Freispruch.

(meg)

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