Aktualisiert 27.09.2005 07:12

Schuldspruch für «Folterhexe»

Die US-Soldatin Lynndie England ist wegen des Folterskandals von Abu Ghraib in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen worden.

Die 22-Jährige musste sich wegen der Misshandlung von Gefangenen in dem irakischen Gefängnis zum zweiten Mal vor einem Kriegsgericht verantworten. Die Reservistin war auf einigen der Bilder zu sehen, mit denen der Folterskandal in der ganzen Welt für Schlagzeilen sorgte.

England wurde am Montag in einem Punkt der Verschwörung, in vier Punkten der Misshandlung von Gefangenen sowie in einem Punkt einer obszönen Handlung schuldig befunden. Ein zweiter Vorwurf der Verschwörung wurde fallen gelassen. Sie nahm den Schuldspruch ohne äussere Reaktion auf. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft. Über das Strafmass entscheiden dieselben fünf Offiziere, die nach etwa zweistündiger Beratung das Urteil verhängten.

Englands Prozess ist der letzte von einer ganzen Serie gegen neun Heeresreservisten, die im Zusammenhang mit den Misshandlung von Abu Ghraib angeklagt wurden. Zwei wurden verurteilt, sechs einigten sich mit der Militärstaatsanwaltschaft.

Das Verfahren gegen England musste noch einmal komplett neu aufgerollt werden, weil Richter Oberst James Pohl einen Widerspruch zwischen der Aussage des in dem Folterskandal als Hauptangeklagten zu zehn Jahren Haft verurteilten James Graner und Englands Schuldeingeständnis feststellte. Graner, der nach Englands Angaben Vater ihres Babys ist, hatte erklärt, die Fotos mit der Soldatin seien zu Ausbildungszwecken gemacht worden. England hatte dagegen erklärt, sie seien ausschliesslich zur Belustigung der Gefängnisaufseher gemacht worden. Vor Beginn des Prozesses liess Pohl dann aber eine frühere Aussage der Angeklagten zu, in der diese sich selbst belastet. (dapd)

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