Aktualisiert 23.02.2011 21:21

Thalwil ZH

Schuldspruch gegen Fahrgast aufgehoben

Im Nachtzug zwischen Zürich und Thalwil soll ein ausgerasteter Tamile zwei Zugbegleiter attackiert haben. Im Gegensatz zum Bezirksgericht Horgen sah das Obergericht die Schuld des Fahrgastes als nicht erwiesen an.

von
Attila Szenogrady

Ein heute 25-jähriger Tamile hat sich kürzlich vor dem Zürcher Obergericht offenbar gut verkauft. Wie am Mittwoch bekannt wurde, haben ihn die Oberrichter vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Beamte umfassend freigesprochen und ihn für seine anwaltliche Aufwendungen mit 12 000 Franken entschädigt. Das Obergericht hat damit einen erstinstanzlichen Schuldspruch des Bezirksgerichts Horgen aufgehoben. Ebenso die Strafe von 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf Bewährung.

Eklat nach Billettkontrolle

Das Bezirksgericht Horgen war noch im September 2009 zu einem Schuldspruch gekommen. Demnach hatte sich der Tamile am 6. Oktober 2007 in den Nachtzug von Zürich nach Wädenswil begeben. Kurz nach der Abfahrt musste er sich einer Billettkontrolle unterziehen. Obwohl der Asiate über einen gültigen Fahrschein verfügte, bekam er mit einem der beiden Zugbegleiter Streit.

Laut Anklage rastete er völlig aus. Er bespuckte den SBB-Beamten und ging auch auf einige Passagiere los. Es kam zu einer regelrechten Schlägerei, wobei die zwei Zugbegleiter den renitenten Fahrgast beim Halt im Bahnhof Thalwil aus dem Zug entfernen wollten. Dabei riss der Angeklagten einem der Beamten dessen Brille vom Kopf. Dem zweiten Gegner schlug er gegen das Kinn und brachte ihm damit eine Kieferprellung bei. Erst dann gelang es den SBB-Angestellten und einigen Passagieren den Angeschuldigten nach draussen zu befördern.

Doch noch Freispruch erreicht

Im kürzlich erfolgten Berufungsprozess beteuerte der Angeklagte seine Unschuld und stellte sich als Opfer dar. So habe der erste Kontrolleur einfach sein gültiges Ticket an sich genommen und sich danach entfernt, sagte er. Dann seien mehrere Personen über ihn hergefallen. Man habe ihm dabei die Halskette weggerissen und ihn als „Drecksneger" beschimpft, erinnerte er sich zurück. Der Verteidiger sprach deshalb von Notwehr und verlangte einen vollen Freispruch.

Mit Erfolg. Eine schriftliche Begründung für die neue Beurteilung durch das Obergericht liegt noch nicht vor. Allerdings ist klar, dass die II. Strafkammer den Darstellungen des Beschuldigten Glauben geschenkt hat.

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