Händedruck-Affäre : Schule befürchtete Radikalisierung der Buben
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Händedruck-Affäre Schule befürchtete Radikalisierung der Buben

Die Sekundarschule Therwil tat sich lange Zeit schwer mit dem Entscheid der muslimischen Schüler, ihrer Lehrerin die Hand nicht mehr zu geben.

von
num

Die Weigerung zweier Sekundarschüler in Therwil, ihrer Lehrerin die Hand zu geben, geschah bereits im vergangenen Jahr. Danach suchte die Schulleitung nach einem Kompromiss. Schliesslich legte sie fest, dass die Schüler die Hand niemandem mehr zu geben bräuchten, aber «die Lehrpersonen mit Namen zu begrüssen haben, unter Anwendung einer Respekt und Anstand ausdrückenden Form, ohne Berührung».

Doch die Schule tat sich mit der «Schein-Lösung» äusserst schwer, wie eine Korrespondenz zeigt, die der «Basellandschaftlichen Zeitung» vorliegt. Die Schulleitung wandte sich im Dezember per Brief an das Baselbieter Amt für Volksschulen (AVS) und an den Präsidialausschuss der Schulleitungskonferenzen (PAS). Darin schildert die Leitung den Fall, ihren Kompromiss und bittet um eine «juristische Expertise».

Durch Predigten auf Berührungsverbot gekommen

Im Brief schreibt die Schule, dass «die Familie bzw. der Vater dieser beiden Jugendlichen den Schulen schon seit Jahren wegen extremer religiöser Auffassungen bekannt ist». Die beiden Schüler hätten zudem erklärt, durch Predigten im Internet auf das Berührungsverbot gekommen zu sein. Die Schule äusserte im Schreiben die Befürchtung einer Radikalisierung.

Offenbar führten Lehrer und Schulleitung gemäss der «Basellandschaftlichen Zeitung» mehrere Gespräche mit der Familie und korrespondierten auch brieflich. Man habe der Familie die grosse Bedeutung des Händedrucks klarzumachen versucht. Auch habe man gewarnt vor den Schwierigkeiten, die damit auf die Jugendlichen in der Berufswelt zukämen.

Unglücklich über «Schein-Lösung»

Über den Kompromiss, den die Schulleitung mit den Schülern gefunden hatte, zeigte sich die Schule im Brief nicht glücklich. Sie nennt ihn darin eine «Schein-Lösung» und dass man mit der Situation nicht zufrieden sei.

Allerdings habe die Lösung etwas Gutes gehabt: «Die Befürchtung einer Radikalisierung (im Sinne von Gewaltbereitschaft) konnte vorerst zerstreut werden.»

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