Aktualisiert 15.01.2016 12:32

Klicken statt KickenSchule ersetzt Turnen durch Game-Unterricht

Sportmuffel aufgepasst: In Norwegen können Jugendliche erstmals E-Sport in der Schule lernen. Gehört Gaming auch in den Schweizer Lehrplan?

von
P. Stirnemann

Eine Oberstufenschule in Norwegen will Schüler zu «Counter Strike»-Profis ausbilden. Jugendliche ab 16 Jahren können ab kommendem August an der Garnes Vidaregåande Skule E-Sport, also kompetitives Gamen, als Schulfach wählen. Dabei soll Gaming den herkömmlichen Turnunterricht ersetzen. Auf dem Lehrplan stehen neben Zocken auch die Schulung von Reflexen, Krafttraining und Ernährungsberatung.

Gamen statt Fussball: Der neue Lehrplan sieht fünf Lektionen E-Sport pro Woche vor. Ausgebildet werden die Schüler in den bekanntesten E-Sport-Titeln «Dota 2», «League of Legends», «Counter Strike: Global Offensive» und «Starcraft II». Als Lehrer sehe die Schule Profigamer aus der nationalen und internationalen Szene vor, wie Petter Grahl Johnstad von der Garnes Skule auf Anfrage von 20 Minuten sagt. «Wir wollen für jedes der Games einen eigenen Lehrer haben», so der für das neue Schulfach verantwortliche Lehrbeauftragte.

E-Sport statt Turnen

Eine Schule in Norwegen bietet als Alternative zum herkömmlichen Turnunterricht E-Sport-Lektionen an.

Gamen statt Fussball: Der neue Lehrplan sieht fünf Lektionen E-Sport pro Woche vor. Ausgebildet werden die Schüler in den bekanntesten E-Sport-Titeln «Dota 2», «League of Legends», «Counter Strike: Global Offensive» und «Starcraft II». Als Lehrer sehe die Schule Profigamer aus der nationalen und internationalen Szene vor, wie Petter Grahl Johnstad von der Garnes Skule auf Anfrage von 20 Minuten sagt. «Wir wollen für jedes der Games einen eigenen Lehrer haben», so der für das neue Schulfach verantwortliche Lehrbeauftragte.

So wirbt die Garnes Vidaregåande Skule in Bergen für den E-Sport-Unterricht. (Video: Youtube/Garnes Vidaregåande Skule)

Auch in der Schweiz?

Könnte ein solches Unterrichtsmodell auch hierzulande Schule machen? «E-Sport als Ersatz für ‹richtigen› Sport wird es in der Schweiz sehr schwer haben», ist Alexander Repenning von der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch (FHNW) überzeugt. In den USA beispielsweise sei das eine andere Geschichte, da viele Schulen dort gar keinen Turnunterricht anbieten würden, so der Leiter Informatische Bildung an der FHNW.

Games als Schulstoff findet Linda Nussbaumer von der Stiftung Schtifti durchaus sinnvoll: «Wir sind klar der Meinung, dass es richtig ist, in der Schule mit neuen Medien zu arbeiten, denn so findet Schule in der Lebenswelt der Jugendlichen statt», sagt die Pressesprecherin zu 20 Minuten. Die Schtifti stärkt mit ihrem Gesundheitsförderungsprogramm Gorilla das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen mittels Freestylesport. Allerdings setze sich die Schtifti dafür ein, dass sich die junge Generation mehr bewege. «Daher können wir nicht befürworten, dass Bewegung keinen Platz mehr an einer öffentlichen Schule findet», so Nussbaumer.

Kontroversen programmiert

Vinzenz Kögler bezweifelt, dass das «E-Turnen» in der Schweiz in absehbarer Zeit auf den Stundenplänen der Oberstufenschüler stehen wird: «Es dürfte noch etwas zu früh sein, E-Sport auf die gleiche Stufe der Anerkennung wie herkömmlichen Sportunterricht zu heben», so der Präsident der Schweizer E-Sport-Vereinigung SESF.

Auch für ihn soll kompetitives Gaming nicht traditionelle Sportlektionen ersetzen, sondern wenn, dann ergänzend als Schulfach angeboten werden. «Die körperliche Fitness darf nicht vernachlässigt werden, da sie eine wichtige Rolle für die geistige Fitness spielt.» Selbst wenn der E-Sport-Unterricht ergänzend physisches Training enthalte, bleibe das so, sagt Kögler. Für ihn ist klar, dass «dieser gewagte Schritt» der norwegischen Schule noch einige Kontroversen auslösen wird.

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