Aktualisiert 31.05.2020 15:48

LausanneSchule kündigt Mitarbeitern, um sie zu einem tieferen Lohn wieder einstellen

Angestellte der Hausaufgabenhilfe in Lausanne haben Änderungskündigungen erhalten. Der Grund: Die Kinder sollen neu täglich zehn Minuten weniger lang betreut werden.

von
Qendresa Llugiqi
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 Kinder der Stadt Lausanne sollen neu täglich zehn Minuten weniger lang von der Hausaufgabenhilfe betreut werden.

Kinder der Stadt Lausanne sollen neu täglich zehn Minuten weniger lang von der Hausaufgabenhilfe betreut werden.

Christian Beutler/KEYSTONE
150  Hausaufgabenhelfer haben deshalb Änderungskündiungen auf den 31. August erhalten. Die neuen Verträge können sie bis am 15. Juni unterschreiben.

150 Hausaufgabenhelfer haben deshalb Änderungskündiungen auf den 31. August erhalten. Die neuen Verträge können sie bis am 15. Juni unterschreiben.

KEYSTONE
 Philippe Miauton, Präsident der FDP Lausanne, kritisiert: «Inmitten all der Ungewissheit in Zusammenhang mit Covid verhält sich die Stadt rücksichtslos und unorganisiert.»

Philippe Miauton, Präsident der FDP Lausanne, kritisiert: «Inmitten all der Ungewissheit in Zusammenhang mit Covid verhält sich die Stadt rücksichtslos und unorganisiert.»

PLR Vaud

Darum gehts

  • Über 100 Hausaufgabenhelfer haben auf Ende August eine Änderungskündigung erhalten
  • Der Grund: die Schüler sollen zehn Minuten weniger lang unterrichtet werden
  • Dementsprechend soll auch der Lohn der Hausaufgabenhelfer nach unten angepasst werden
  • Dieses Vorgehen wird kritisiert, etwa von der FDP Lausanne
  • Gemäss dem städtischen Schulbeauftragten geht es der Stadt nicht darum, Kosten einzusparen

150 Begleitpersonen für die Hausaufgabenhilfe der Stadt Lausanne haben am 20. Mai einen eingeschrieben Brief erhalten. Das Schreiben informierte die Helfer darüber, dass sie per Ende August 2020 entlassen werden, wie «24 heures.ch» schreibt. Sie alle erhalten jedoch bis am 15. Juni Zeit, einen neuen Vertrag zu unterzeichnen – falls sie dies möchten. Das Ziel der Änderungskündigung: Mit dem neuen Vertrag sollen die Kinder täglich zehn Minuten weniger lang betreut werden. Dementsprechend sollen auch ihre Gehälter der Helfer nach unten angepasst werden.

Am Freitag kritisierte die FDP Lausanne dieses Vorgehen in einem Communiqué. Darin spricht die Partei von einem «gemeinen» Manöver. Präsident Philippe Miauton kritisiert: «Inmitten all der Ungewissheit in Zusammenhang mit Covid verhält sich die Stadt rücksichtslos und unorganisiert.» Weiter verweist er auf die Widersprüche der «Linken Stadt», deren Exekutive sich beim Stadtrat vor wenigen Tagen als «ein vorbildlicher Arbeitgeber» habe feiern lassen.

«Die letzte Viertelstunde ist nicht viel wert»

David Payot, städtischer Schulbeauftragter und Politiker der Partei der Arbeit Schweiz, räumt gegenüber der Zeitung ein: «Formal gab es keinen anderen Weg, aber es hätte besser kommuniziert werden müssen. Tatsache ist, dass wir wegen des Coronavirus keine Gruppeninformationssitzung abhalten konnten.»

Payot führt ebenfalls den Grund für die Neuorganisation an: «Wir sehen, dass die Aktivität der begleiteten Hausaufgaben länger dauert als es für die Kinder sinnvoll ist. Die letzte Viertelstunde ist nicht viel wert, weil sie bis dahin die Hausaufgaben fertig gestellt haben.»

«Die Einsparungen sind lächerlich»

Ausserdem seien die Auswirkungen auf das Gehalt klein, so Payot. «Wir sind bereit, denjenigen, die dies wünschen, eine Entschädigung anzubieten. Insbesondere suchen wir Personal für andere Tätigkeiten, typischerweise während der Ferien.» Es gehe nicht darum, Kosten einzusparen, versichert Payot: «Zwei Drittel dieser Personen haben einen privatrechtlichen Vertrag, die anderen sind Angestellte der Stadtverwaltung.» Etwa 40 Begleitpersonen würden im Rahmen öffentlich-rechtlicher Verträge wieder eingestellt.

Maria Pedrosa, Sekretärin des Verbands des Personals öffentlicher Dienste im Kanton Waadt, reagiert zurückhaltend. Man werde sehen, wie sich das Ganze entwickle. Doch: «Ich bin überrascht, denn wir wurden nicht konsultiert. Die finanziellen Einsparungen, die man von einer solchen Massnahme erwarten kann, sind lächerlich. Und diese letzten zehn Minuten sind wertvoll. Es ist eine Gelegenheit für die Kinder, sich den Betreuern anzuvertrauen.»

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27 Kommentare
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Alfmann

01.06.2020, 09:27

Hausaufgabenhilfe und Nachhilfestunden: In Deutschland ist eine ganze Industrie entstanden für Nachhilfestunden. Ich bin der Meinung, dass die Schule so gut unterrichten muss, dass Nachhilfestunden nicht nötig sind! Das können sich dann nur wieder die Gutbetuchten leisten und die Schula muss doch für alle da sein. Chancengleichheit? So weit darf es in der Schweiz nicht kommen.

Samsam

01.06.2020, 09:25

Grundsätzlich sehe ich hier die Eltern verantwortlich. Allerdings muss man bedenken, dass Kinder mit Migrationshintergrund enorm von der Hausaufgabenhilfe profitieren. Sehe ich bei einem Gspänli meines Sohnes. Daher finde ich das nicht ein reines Luxus-Angebot.

Bürger

01.06.2020, 08:25

Dem sagt man Änderungskündigung. Die feige Art der Manager die Löhne zu reduzieren und selber mehr abzukassieren. Manager müssen ihre viel zu hohen Löhne kürzen. Die sie eh nicht verdienen! Sie arbeiten niemals so hart wie die untersten Arbeiter!