Heerbrugg SG: Schule schickt Mädchen wegen Kopftuch weg
Aktualisiert

Heerbrugg SGSchule schickt Mädchen wegen Kopftuch weg

In der Primarschule von Heerbrugg SG ist es zu einem Eklat gekommen. Zwei somalische Mädchen wurden vom Schulunterricht ausgeschlossen, weil sie ein Kopftuch trugen.

von
aeg

An der Schule in Heerbrugg SG ist laut der Schulordnung das Tragen von Kopftüchern verboten. Weil sich eine Familie aus Somalia nicht daran gehalten hat, ist es zum Eklat gekommen. Als die zwei Mädchen und zwei Jungen erstmals zum normalen Klassenunterricht erschienen, trugen die beiden Schülerinnen trotzdem Kopftücher. Und wurden vom Lehrer prompt nach Hause geschickt, wie die SRF-Nachrichtensendung «10vor10» berichtet.

Demnach waren die somalischen Eltern vorgewarnt worden: Die Flüchtlings-Familie mit sieben Kindern wurde von der Schulleitung informiert, dass die Schule keine Kopftücher dulde. «Wir haben eine Weisung vom Bildungsdepartement, die ein Kopfbedeckungsverbot empfiehlt. Das setzen wir in unserer Schulordnung um», sagt Walter Portmann, Schulratspräsident der Primarschule Au-Heerbrugg zu «10vor10». Laut ihm gelten diese Regeln schon länger. «Wir haben bisher gute Erfahrungen damit gemacht.»

Schulausschluss «unverhältnismässig»

Doch die Meinungen gehen auseinander. Für Tilla Jacomet von der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende des Hilfswerks Heks ist es untragbar, Schülerinnen wegen eines Kopftuches von der Schule zu weisen. «Für die Integration ist es katastrophal, dass die Mädchen von der Schule ausgeschlossen sind. Regeln müssen verhältnismässig sein und den Menschen berücksichtigen. Sonst sind die Regeln falsch.»

Der Fall macht deutlich, dass Regelungen für ein Kopftuchverbot in der Schule äusserst heikel sind. Unklar ist auch, ob sie überhaupt rechtens sind. Denn bisher gibt es kein schweizweit gültiges Gerichtsurteil, welches den Umgang mit Kopftuch tragenden muslimischen Schülerinnen regelt. In einem Fall aus dem Kanton Thurgau sprach das Verwaltungsgericht zwei albanischen Mädchen das Recht zu, im Unterricht Kopftücher tragen zu dürfen. Es gebe keine genügende gesetzliche Grundlage ihnen dies zu verbieten – ein Verbot wäre unverhältnismässig. Der Fall liegt nun beim Bundesgericht.

Deine Meinung