«Sicherheitsbedenken»: Schule verbietet blindem Kind (7) den Blindenstock
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«Sicherheitsbedenken»Schule verbietet blindem Kind (7) den Blindenstock

Ein blindes Mädchen aus Bristol soll ohne Blindenstock auskommen, weil Lehrer Angst davor haben, darüber zu stolpern. Die Mutter ist empört.

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Lily-Grace Hooper (7) war erst vier Tage alt, als sie einen Hirnschlag erlitt. Das Mädchen ist seither blind auf dem rechten Auge und hat eine eingeschränkte Sehkraft auf dem linken. Darum ist Lily-Grace auf ihren Blindenstock angewiesen.

Doch den darf sie nicht mehr in die Schule mitnehmen. Die Schulleitung der Hambrook-Primarschule im englischen Bristol hat Angst, dass Schüler und Lehrer darüber stolpern können. Der Blindenstock sei ein «Gesundheits- und Sicherheitsrisiko», teilten sie der Mutter des Mädchens mit. Stattdessen solle Lily-Grace eine Begleitperson bekommen, die sie rund um die Uhr betreut.

Ein besonderes Weihnachtsgeschenk

Für Mutter Kristy Hooper (38) ist die Entscheidung der Schule unverständlich. «Mein erster Gedanke war: Hier wird in Sachen Sicherheit ziemlich übertrieben», sagt sie zu «Bristol Post». Ihre Tochter sei nicht nur auf den Stock angewiesen, er ist auch ihre Chance, ein unabhängiges Leben zu führen. «Lily-Grace hat zu Weihnachten einen Glasfaser-Stock von einer Hilfsorganisation für Blinde geschenkt bekommen. Den hat sie sich so gewünscht», erzählt die Mutter weiter.

Bevor das Mädchen ihren Stock bekam, habe sie lange Zeit eine Kartonrolle benutzt, so Kristy Hooper. Inzwischen sei der Blindenstock zu «einer Verlängerung ihres Armes geworden», sagt die Mutter.

Die Massnahme der Schule findet sie diskriminierend. Ausserdem sei es das Ziel, dass Blinde lernten, allein zurechtzukommen. «Wenn Lily-Grace jetzt eine Begleitperson bekommt, wird sie von ihr abhängig. Das will ich nicht.»

«Blinde sollten allein zurechtkommen können»

Bei der Blindenorganisation Blind Children UK ist man über das Blindenstockverbot ebenfalls empört: «Es ist wichtig, dass Kinder in einem frühen Alter lernen, mit dem Blindenstock umzugehen», sagt eine Sprecherin.

Lily-Grace ist nicht mehr zur Schule gegangen, seit sie ihren Stock nicht mehr benutzen darf. Der Schulleiter widerspricht zwar den Vorwürfen der Mutter, zeigt sich aber offen für Gespräche: «Wir haben Lily-Grace nur gesagt, sie solle vorsichtig sein, wenn sie sich mit dem Blindenstock auf dem Schulareal bewegt. Wir werden uns mit der Mutter zusammensetzen und das Problem in den kommenden Tagen lösen.»

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