Region Zürich: Schulen gehen mit Mails gegen Schwänzer vor
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Region ZürichSchulen gehen mit Mails gegen Schwänzer vor

Wenn an den Berufsschulen in Horgen und Stäfa jemand fehlt, werden die Lehrbetriebe neu sofort per E-Mail informiert. Auch anderswo geht man so gegen Schwänzer vor.

von
gio
Am Bildungszentrum Zürichsee in Horgen und Stäfa sollen Schulschwänzer neu per Mail überführt werden.

Am Bildungszentrum Zürichsee in Horgen und Stäfa sollen Schulschwänzer neu per Mail überführt werden.

KV-, Informatik- oder Detailhandel-Lehrlinge haben es seit kurzem schwerer, wenn sie am Bildungszentrum Zürichsee in Horgen und Stäfa die Schule schwänzen: Neu wird der Lehrbetrieb bei Absenzen sofort per Mail benachrichtigt. Dieser kann die Lernenden dann am nächsten Tag darauf ansprechen, wie die «Zürichsee-Zeitung»schreibt. Rektor Andreas Häni hofft, dass so die Zahl der Absenzen gesenkt wird.

Sobald ein Schüler fehlt, trägt das der Lehrer in den Computer ein, heisst es bei der Berufsschule auf Anfrage. Lernender sowie Lehrbetrieb erhalten daraufhin ein automatisch generiertes Mail. Der Lernende hat vier Wochen Zeit, sein Fehlen mit einer Unterschrift seines Arbeitgebers zu entschuldigen. Geschieht das nicht, gibt es eine erste Mahnung.

Im Extremfall Auflösung des Lehrvertrags

Bei der zweiten unentschuldigten Absenz droht ein Verweis und eine Busse. Die erste beträgt maximal 100 Franken, plus 100 Franken Schreibgebühren. Die zweite Busse ist maximal 200 Franken, die dritte maximal 500 Franken – plus Schreibgebühren.

Häni schätzt, dass bei 1500 Lernenden rund fünf Verweise pro Monat ausgesprochen werden. «Im Extremfall läuft es bei diesen Schülern auch im Lehrbetrieb nicht und es kann zu einer Auflösung des Lehrvertrags kommen», sagt Häni. Trotz der Neuerung macht sich Häni keine Illusionen. Das Problem mit den Absenzen könne auch dadurch nicht vollständig behoben werden.

Mehr Aufruhr und Unsicherheit als nötig

In der KV Zürich Business School werden Absenzen bereits seit August 2014 dem Lehrbetrieb sofort per E-Mail gemeldet. René Portenier, Rektor Schuleinheit Grundbildung, stellt dadurch einen leichten Rückgang in der Zahl der Fehltage und eine erhöhte Pünktlichkeit fest: «Wenn der Lehrbetrieb quasi in Echtzeit informiert wird, überlegt es sich ein Schüler zweimal, bevor er fehlt.» Auch von den befragten Lehrbetrieben habe es ausschliesslich positive Rückmeldungen zum neuen System gegeben. «Es herrscht so viel mehr Transparenz», sagt er zu 20 Minuten.

Am zB. Zentrum Bildung in Baden verzichtet man hingegen auf dieses System, wie Rektor Jörg Pfister sagt: «Erst wenn ein Lernender zwei Wochen in Folge fehlt, wird bei Lehrbetrieb und Lernenden telefonisch nachgefragt.» Die Lehrlinge seien auch angehalten, sich bei Abwesenheiten umgehend bei der Schule zu melden. «Dieses System hat sich bis jetzt bewährt», sagt Pfister. Bei einer sofortigen automatischen Meldung würde eventuell mehr Aufruhr und Unsicherheit verursacht, als eigentlich nötig wäre.

Zu starker Eingriff in die Privatsphäre

Auch an den Zürcher Mittelschulen gibt es keine automatische Meldung. Dort werden Absenzen lediglich nachträglich in ein Heft eingetragen und müssen von den Eltern bestätigt werden. Doch auch dieses System wird von Schulschwänzern umgangen, sagt etwa Christian Grütter, Rektor der Kantonsschule Küsnacht: «Es wird einfach die Unterschrift eines Elternteils gefälscht.»

Das ist für ihn dennoch kein Grund, die Eltern bei einer Absenz per E-Mail zu benachrichtigen. Dies ist für Grütter wenig zielführend. Zudem sei es ein zu starker Eingriff in die Privatsphäre. «Wir wollen mit dem Schüler das Problem lösen und nicht mit den Eltern.» Dieser solle schliesslich zu einer mündigen und reifen Persönlichkeiten werden.

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