Lehrer aus Risikogruppen: Schulen könnte am Montag jeder fünfte Lehrer fehlen
Aktualisiert

Lehrer aus RisikogruppenSchulen könnte am Montag jeder fünfte Lehrer fehlen

Zahlreiche Lehrer können in der Schweiz nächste Woche noch nicht vor die Klasse stehen, weil sie zur Risikogruppe gehören oder mit Risikopersonen zusammenwohnen. Manche Schulen kämpfen mit der Suche nach Ersatz.

von
Bettina Zanni
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«Man muss es nicht kleinreden. Es kann sein, dass gewisse Schulen nicht alle Lücken besetzen können und mit dem Unterricht herunterfahren müssen», sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH).

«Man muss es nicht kleinreden. Es kann sein, dass gewisse Schulen nicht alle Lücken besetzen können und mit dem Unterricht herunterfahren müssen», sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH).

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Am kommenden Montag nehmen die Lehrer der obligatorischen Schulen in den Schweizer Klassenzimmern wieder den Unterricht auf. Doch nach dem knapp zweimonatigen Lockdown kämpfen einige Schulen mit Engpässen beim Personal:

Am kommenden Montag nehmen die Lehrer der obligatorischen Schulen in den Schweizer Klassenzimmern wieder den Unterricht auf. Doch nach dem knapp zweimonatigen Lockdown kämpfen einige Schulen mit Engpässen beim Personal:

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Lehrpersonen aus der Risikogruppe oder mit engem Kontakt zu Risikopersonen dürfen nächste Woche noch nicht vor die Klasse stehen.

Lehrpersonen aus der Risikogruppe oder mit engem Kontakt zu Risikopersonen dürfen nächste Woche noch nicht vor die Klasse stehen.

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Darum gehts

  • Am Montag öffnen die obligatorischen Schulen wieder.
  • Da einige Lehrpersonen zur Risikogruppe zählen, können sie noch nicht vor Ort unterrichten.
  • Manche Schulen kämpfen deshalb mit der Suche nach Ersatzpersonal.
  • Im schlimmsten Fall müssten Stundenpläne ausgedünnt werden, so der Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen.

Am kommenden Montag nehmen die Lehrer der obligatorischen Schulen in den Schweizer Klassenzimmern wieder den Unterricht auf. Doch nach dem knapp zweimonatigen Lockdown kämpfen einige Schulen mit Engpässen beim Personal: Lehrpersonen aus der Risikogruppe oder mit engem Kontakt zu Risikopersonen dürfen nächste Woche noch nicht vor die Klasse stehen. Eingesetzt werden sie stattdessen für den Fernunterricht.

Pascal Kreuer etwa, der Schulleiter der Primarstufe Binningen BL, sucht laut der «bz Basel» händeringend nach Ersatzpersonal. Er bezeichnet die Suche nach Ersatz für die Primarstufe als grosse Herausforderung. Von seinen total 210 Lehr-, Fach- oder Betreuungspersonen gehören rund 35 zu einer Risikogruppe oder leben mit einer gefährdeten Person zusammen. Auch der Primarschulleiter Martin Münch in Allschwil sagt, dass rund 30 von 200 Lehrern nicht an den Arbeitsplatz zurückkehren können. Mangels regulärer Stellvertretungslehrer setzt Binningen auch auf Förderlehrpersonen oder Heilpädagogen. Diese können zwar einspringen, einen Klassenlehrer aber nicht einfach ersetzen.

Ausgedünnter Stundenplan im Notfall

Der Kanton bestätigt die schwierig zu füllenden Lehrer-Lücken. Beat Lüthy, Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen, geht davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der Lehrer zu den Risikogruppen zählen. Im Notfall müsse der Stundenplan an gewissen Schulen ausgedünnt werden, sagt er. Ob und wo dieser wirklich letzte Schritt nötig werde, zeige sich erst Ende Woche.

Mit der Suche nach Ersatzpersonal kämpft nicht nur der Kanton Basel, der Ganz- statt Halbklassenunterricht durchführt. Einige Lehrer hätten etwa einen Herzschrittmacher oder eine geschwächte Lunge, sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) zu 20 Minuten. «Es gibt Teams in Schulen, die den Ersatz für Personen aus der Risikogruppe nicht Team-intern lösen können.» Die betroffenen Schulen müssten Lehrer im weiteren Umkreis suchen. «Auch habe ich die Idee gehört, Maturanden einzusetzen, die keine Maturaprüfung haben.»

Run auf Studenten

Laut Rösler darf es aber auf keinen Fall so weit kommen, dass Lehrpersonen aus der Risikogruppe am Ende doch schon am Montag vor die Klasse treten. «Man muss es nicht kleinreden. Es kann sein, dass gewisse Schulen nicht alle Lücken besetzen können und mit dem Unterricht herunterfahren müssen.»

Gut möglich ist aber, dass Studenten in die Bresche springen. Laut der «bz Basel» werden die Studenten der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) zurzeit mit Angeboten für Aushilfen überschwemmt.

Lücken schliessen dank flexiblen Lehrpersonen

Viele Schulen haben zumindest für die erste Zeit ausgesorgt. 15 Mitarbeitende von insgesamt 200 stünden auf der Liste der Risikopersonen, sagt Patrick Weil, Leiter Pädagogik und Schulentwicklung bei der Primarschule Wädenswil ZH. Dank flexiblen Lehrpersonen und einem Vikariat hätten die Schulleitungen die Lücken decken können.

«Sollten aber Lehrkräfte zusätzlich ausfallen, könnte das Finden von genügend Ersatz schwierig werden», sagt Weil. Die Schule gehe aber grundsätzlich davon aus, dass sie die kommenden vier Wochen gut über die Runden komme werde. «Und wir freuen uns sehr, die Schüler und Schülerinnen wieder bei uns begrüssen zu dürfen.»

Risikopersonen

Als Risikopersonen im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus gelten laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Personen ab 65 Jahren und Erwachsene mit folgenden Vorerkrankungen:

  • Bluthochdruck
  • Chronische Atemwegserkrankungen
  • Diabetes
  • Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen
  • Herz- und Kreislauf-Erkrankungen
  • Krebs

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