Aktualisiert 26.03.2017 10:58

Dresscode

Schulen wollen Trainerhosen verbannen

Die Schule Niederhasli hat genug: Viele Schüler erscheinen in Trainerhosen im Unterricht. Sie hat nun die Eltern angeschrieben.

von
num
Trainerhosen? Geht für die Schule gar nicht: «Wir möchten, dass Sportkleider ausschliesslich für den Turnunterricht getragen werden», schreibt die Primarschule Niederhasli an die Eltern.

Trainerhosen? Geht für die Schule gar nicht: «Wir möchten, dass Sportkleider ausschliesslich für den Turnunterricht getragen werden», schreibt die Primarschule Niederhasli an die Eltern.

dpa

In der Primarschule Niederhasli ZH erscheinen seit zwei Jahren immer mehr Schüler in Trainerhosen im Unterricht. Es ist ein Trend, den Secondos vor Jahren begannen und der mittlerweile von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus allen Kulturkreisen übernommen wurde.

In der Schule Niederhasli will man vom Schlabberlook aber nichts wissen: Die Leitung wandte sich gemäss dem «Zürcher Unterländer» in einem Brief an die Eltern und bat sie, ihre Zöglinge doch entsprechend anzuweisen, wieder Jeans anzuziehen. Im Brief heisst es: «Wir möchten, dass Sportkleider ausschliesslich für den Turnunterricht oder – wenn dies ausdrücklich von der Lehrperson erwähnt ist – auch bei anderen sportlichen Aktivitäten getragen werden.»

Nebst Niederhasli haben auch die Schulen in Buchs und Bülach gemäss der Zeitung kürzlich die Eltern um Hilfe im Kampf gegen modische Auswüchse der Schüler gebeten. Dresscodes gibts in anderen Schulen schon länger – dass sich das Augenmerk auf die Trainerhosen richtet, ist aber neu.

Der Stil heisst «Athleisure»

Stil-Expertin Christina Duss kann diese Abneigung nicht nachvollziehen: «Die Schule sollte für die Jugendlichen ein Spielplatz sein. Hier mit Dresscodes zu arbeiten, finde ich verfehlt.» In der Mode gebe es für den Sportler-Chic den Begriff «Athleisure», also eine Mischung aus Sportlich/Freizeit.

Die Stil-Expertin sagt: «Die Modelabels nehmen die Ästhetik aus Basketball oder Boxen auf und verarbeiten diese in Kleidung, die auf der Strasse getragen wird.» Zudem dienten den Jugendlichen auch Stars als Vorbilder. Duss: «Auf vielen Paparazzi-Fotos laufen die mit Trainerhose herum. Warum sollten die Schüler es dann nicht tun dürfen?»

Verbieten können Schulen gewisse Kleider sowieso nicht. Jurist Peter Hofmann sagt: «Wenn die Eltern da nicht mitmachen, kann die Schule nichts dagegen unternehmen.» Denn die Erziehung sei Sache der Eltern. Verbote könnten nur bei Kleidung mit rassistischen oder gewaltverherrlichenden Slogans durchgesetzt werden. Hofmann hält es für sinnvoller, wenn gemeinsam mit den Schülern eine Haltung erarbeitet werde. «Dann werden die Schüler selbst zu Botschaftern dieser Haltung und geben diese auch weiter.»

«Auf Einsicht setzen»

Lilo Laetzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands, hält nichts von Sanktionen und Verboten. «Damit bekommt man das Problem nicht in den Griff.» Zielführender sei es, das Gespräch mit dem betroffenen Schülern selbst zu suchen oder das Thema in der Klasse anzusprechen und auf Einsicht zu setzen. «Bei vielen Jugendlichen gelten die Trainerhosen halt als cool, als lässig, aber in der Sekundarstufe kann man sie zum Beispiel fragen, ob sie so ans Vorstellungsgespräch gehen würden – das nützt manchmal schon.»

Adidas, deren Trainerhosen wohl am häufigsten getragen werden, will die Ablehnung der Schulen nicht kommentieren. Modisch sei Sportbekleidung aber nicht mehr von der Strasse wegzudenken, sagt ein Sprecher: «Insbesondere junge Menschen wollen der eigenen Individualität damit Ausdruck verleihen.»

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