Aktualisiert 15.04.2014 08:10

Ruhe und Motivation

Schulhund Leo hilft bei Mathe-Problemen

Bereits 45 Schulen in der Schweiz setzen im Unterricht Hunde ein. Erfahrungsberichte und Wissenschaftler bestätigen den positiven Effekt der Vierbeiner.

von
dos
In der Zürcher Privatschule Schule am Wald wird der ausgebildete Schulhund Leo schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt.

In der Zürcher Privatschule Schule am Wald wird der ausgebildete Schulhund Leo schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt.

«Diese Mathe-Aufgabe ist einfach zu schwierig» – Wenn Schüler der Zürcher Privatschule Schule am Wald etwas bedrückt, spürt dies Leo. Der Mischlingshund nähert sich, lässt sich streicheln und geht erst wieder, wenn sich das Kind wohl fühlt.

Seit 2009 setzt Nannette Bratteler, Lehrerin und Schulleiterin, in ihrem Schulunterricht den ausgebildeten Therapiehund Nepomuk und den ausgebildeten Schulhund Leo ein. Sie schwärmt von den vielen Vorteilen. Unsichere und introvertierte Kinder würden durch die Anwesenheit der Hunde aus sich heraus kommen und mutiger werden. Hyperaktive Kinder hingegen würden sichtlich ruhiger werden. «Die Hunde wirken ausgleichend», so Bratteler. «Egal welche Herkunft das Kind hat. Der Hund wertet nicht und hat an jedem Kind gleich viel Freude – und dies merken die Kinder.»

Auch die Schüler der Schule am Wald berichten von positiven Erlebnissen mit den beiden Vierbeiner. Die elfjährige Noemi sagt zu «Südostschweiz»: «Wenn ich krank bin, merken Napomuk und Leo das sofort und kommen immer zu mir, um zu kuscheln – so werde ich schneller gesund.»

45 Lehrer und Heilpädagogen sind im Verein Schulhunde Schweiz eingeschrieben. Die Tendenz ist steigend, sagt Lorena Bettin, Präsidentin des Vereins Schulhunde Schweiz, bei dem man erst seit einem Jahr Mitglied werden kann. Als Mitglied muss man eine strenge Selbstverpflichtung unterschreiben. Dabei werden nicht nur Grundvoraussetzungen für den Schulhund, sondern auch für den Hundehalter festgelegt. So muss sich der Halter beispielsweise verpflichten, regelmässig Fach-Weiterbildungen zu besuchen.

Hund als guter Pol im Klassenzimmer

Eine Studie vom Zürcher Institut für Interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung untersuchte den Einfluss von Hunden auf die Konzentration und Aufmerksamkeit von Schulkindern. Das Resultat: Gab es vor oder während Leistungstests eine Interaktion mit einem Hund, waren die Kinder konzentrierter, aufmerksamer und hatten ein besseres Gedächtnis.

Auch Dr. Andrea Beetz vom Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung der Universität Rostock bestätigt in einer Fachpublikation die positive Wirkung von Hunden im Unterricht: In einer Klasse, in der regelmässig ein Hund eingesetzt wurde, waren die Schüler beim Lernen motivierter als ihre Kollegen, die ohne Vierbeiner Mathe büffeln mussten.

Kinder haben keine Angst mehr vor Hunden

Die Präsenz irgendeines Hundes reicht laut Bratteler aber nicht, um eine Wirkung zu erzielen. «Der Hund muss entsprechend geschult sein», so die Schulleiterin. Doch nicht nur der Hund muss lernen, wie er auf die Kinder-Bedürfnisse eingehen kann. «In einer Projektwoche lehren wir die Kinder, wie sie mit unseren Schulhunden und mit fremden Hunden richtig umgehen können.»

Sind Hunde für alle Kinder geeignet? «Wir hatten Fälle von Kindern, die ursprünglich Angst vor Hunden hatten», so Bratteler. «Doch sobald sie unsere Schulhunde kennengelernt haben, war die Angst verflogen.» Um Kindern die Angst vor Hunden zu nehmen und ihnen den richtigen Umgang mit Vierbeiner zu lehren, gibt es in der Schweiz unter anderem das Präventionsprogramm «Prevent a bite». Dabei werden Kindergärtner und Schulkinder spielerisch auf verschiedene Situationen vorbereitet, die sie mittels einem begleiteten Hund gleich üben können.

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